Color Isn’t Just Colorful

By Oliver Mews

 

Farbe ist nicht einfach nur bunt. Die Fotografie in Mischlicht-Situationen offenbart es sehr deutlich, was eigentlich jedem klar ist: Die Kamera interpretiert Farben sehr unterschiedlich, obwohl es sich um ein und dieselbe Lichtsituation handelt. Die Bildvorschau auf dem Kamera-Display zeigt dabei Farben stark rotstichig bis kühl blau eingefärbt. Dabei ist die Automatik der Kamera nicht alleine verantwortlich für die Misere. Der automatische Weißabgleich der Kamera oder des RAW-Konverters bezieht sich auf die hellsten Pixel im Bild. Sie werden als Referenz möglichst neutraler Reflexion des vorhandenen Lichts herangezogen. Das funktioniert zwar meist stimmig, doch wenn aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, bzw. mit unterschiedlichen Kameras fotografiert wird, dann werden Fehlinterpretationen mehr als deutlich. Wer im JPG-Format fotografiert und sich dabei auf den automatischen Weißabgleich verlässt, der muss mit wechselnden Farben zwischen den einzelnen Aufnahmen klarkommen. Korrigieren lässt sich das nur sehr eingeschränkt und mit Qualitätsverlust. Der RAW-Konverter kommt erst gar nicht in Versuchung solche wenig farbneutralen Pixel für den Weißabgleich heranzuziehen, denn hier kann man manuell und im Nachhinein ein Referenz-Grau mit nur einem Mausklick definieren. Dazu sollte man stets eine Graukarte in greifbarer Nähe haben. Vorsicht ist jedoch bei Bildern geboten, die bewusst farbige Lichtstimmungen, wie z. B. ein Sonnenuntergang, haben. Diese Art von Aufnahmen erfordern das manuelle Eingreifen am RAW-Konverter.

 

 

Speziell beim Einsatz von mehr als einer Kamera wird klar, dass die Darstellung der Farben viel mit der Charakteristik der Kamera zu tun hat. Ein Anpassen mehrerer Kameras auf eine einheitliche Farbausgabe ist dabei manuell und per visueller Abschätzung nur annähernd und mit viel Aufwand zu bewerkstelligen. Das RAW-Format hat allerdings genug Reserven und erlaubt mit einer Fülle von Farbschiebereglern die Optimierung der Farbcharakteristik. Das ist zwar nicht gerade ein Kinderspiel, jedoch mit ein bisschen Geduld und Hingabe und dem richtigen Werkzeug gelingt das damit in Perfektion. Mit dem korrigierten Weißabgleich ist der erste Schritt zu konsistenten Farben schon getan. Im zweiten Schritt kümmert man sich um die Korrektur der einzelnen Farben. Damit die Anpassung verschiedenster Farben möglich ist, benötigt man eine Farbreferenz. Hierzu gibt es verschiedene Tools. Sie alle sind sogenannte Targets, mit denen die Farbcharakteristik der Kamera analysiert und neutralisiert werden kann. Der in diesem Beispiel benutze SpyderCHECKR stellt ein Plugin für Photoshops ACR oder Lightroom zur Verfügung. Einmal in der entsprechenden Lichtsituation abfotografiert, wird das Target in der Software als Referenz aufgerufen. Mit wenigen Klicks lassen sich so Einstellungs-Settings erstellen, welche im RAW-Konverter als Benutzervorgaben abrufbar sind. Für jede Kamera, aber auch für jede Umgebungslichtart ist eine eigene Korrektur notwendig. In diesem Beispiel werden Fotos aus einer Canon 5D MkII und einer Nikon D700 gemischt. Zum Einsatz kam eine Benutzervorgabe je Kamera für allgemeines Tageslicht, welche auf alle an diesem Tag gemachten Aufnahmen angewendet wurde. Diese Vorgehensweise ist bei Eventfotografie zwar ausreichend um Kameras anzugleichen, bei der Reproduktion von Gemälden im Museum muss allerdings auf jede Änderung des Umgebungslichtes und dessen Reflexion eingegangen werden.

 

 

 

 

Vorgehensweise:

 

  1. Die Farbreferenz-Tafel möglichst genau von vorne fotografieren und dabei darauf achten, dass keine Reflexionen entstehen.
  2. Im RAW-Konverter wird das Target mittels Weißabgleich, Belichtungs- und dem Schwarz-Schieberegler so vorbereitet, dass es als Referenz herangezogen werden kann.
    • Der Weißabgleich geschieht dafür mit einem mittleren Grauton, nicht jedoch mit Weiß. Grau hat den Vorteil weniger Störfarben der Umgebung zu reflektieren.
    • Die weiße Referenz wird nun mit dem Belichtungsschieberegler auf eine Sättigung von 90% (RGB 230, 230, 230) gebracht.
    • Die schwarze Referenz pegelt man dagegen mit dem Schwarz-Schieberegler auf einen Wert von 4% (RGB 10, 10, 10).
  3. Alle im Chart befindlichen Farbreferenzen werden nun im Plugin aufgerufen und damit für eine Korrekturberechnung automatisch gemessen.
  4. Zum Schluss wird eine Benutzereinstellung gespeichert, die detaillierte Farbkorrekturen beinhaltet.
  5. Bei gleicher Lichtquelle kann die erstellte Benutzervorgabe nun mit einem einfachen Klick für die Korrektur der Farben ausgewählt werden.