Welche Farbe hat Ihr Produkt, und warum können wir uns nicht einigen?

Welche Farbe hat Ihr Produkt, und warum können wir uns nicht einigen?

 

Wenn es um die Farbe eines Produkts geht, ist es oft schwer, einen Konsens zu erreichen. Wir alle erinnern uns an hitzige Diskussionen über dieses weiße und cremefarbene oder blaue und schwarze Kleid. Warum also können wir uns nicht einigen? Nun, hier kommen einige Faktoren zum Tragen.

 

1) Der Chamäleoneffekt

 

Welche Gruppe roter Quadrate in der Abbildung unten erscheint dunkler? Und welche Gruppe grüner Quadrate erscheint dunkler?

 

 

Tatsächlich haben sie die gleiche Farbe.

 

 

Unsere Augen täuschen uns, wenn sich der Hintergrund ändert. Beachten Sie, wie Sie Farben beurteilen und welchen Hintergrund Sie dabei nutzen.

 

2) Gleichzeitiger Kontrast

 

Hat jeder Kreis dieselbe Farbe?

 

 

Die Antwort lautet ja

 

Eine helle Farbe, die neben eine dunklere gelegt wird, wirkt aufgrund des Kontrasts zu seiner Umgebung heller. Beachten Sie dies, wenn Sie Ihre eigenen Standards und Produktmuster visuell beurteilen

 

3) Assimilation

 

Assimilation ist das Gegenteil des gleichzeitigen Kontrasteffekts. Welcher gelbe Hintergrund erscheint dunkler und wärmer?

 

 

Das Gelb unter den roten Streifen wirkt wärmer als das gleiche Gelb unter blauen Streifen.

 

4) Sukzessiver Kontrast

 

Bislang sind alle Effekte sofort aufgetreten. Andere Effekte beruhen darauf, dass die Zapfen in Ihren Augen ermüden.
Starren Sie 5 Sekunden lang auf den schwarzen Punkt; scrollen Sie dann nach unten und starren Sie weiter

 

 

Wenn Sie einige Sekunden lang auf das orangefarbene Muster gestarrt haben und Ihren Blick dann auf ein leeres Feld richten, sehen Sie ein negativ gefärbtes Nachbild

 

 

Was bedeutet das für Sie?

 

Es bedeutet, dass visuelle Farbbeurteilung oder das ausschließliche Zurückgreifen auf Menschen zur Farbbeurteilung einigen wesentlichen Einschränkungen unterliegt:

 

  • Die visuelle Farbbeurteilung ist subjektiv
  • Betrachter haben unterschiedliche Farbwahrnehmung und daher Meinungen zu Farben
  • Farbunterschiede sind schwer zu quantifizieren und zu vermitteln
  • Viele Variablen müssen kontrolliert werden, darunter Lichtstärke, Blickwinkel, Umgebungsfarbe und Qualität der Lichtquelle

 

Und selbst dann wurden noch längst nicht alle Fakten zu unserer Farbwahrnehmung berücksichtigt, wie etwa:

 

  • 1 von 12 Männern (8 %) leidet unter Farbfehlsichtigkeit aufgrund seines einzelnen X-Chromosoms
  • 1 von 250 Frauen leidet unter Farbfehlsichtigkeit (0,4 %)
  • Der häufigste Farbfehlsichtigkeit ist eine Teilgrünbildheit
  • Farbenblindheit ist selten und betrifft nur 1 von 33.000 Menschen. Diesen Menschen fehlen alle drei Rezeptoren, der Fachbegriff hierfür lautet Achromatopsie; die Betroffenen werden als „Farbenblinde“ bezeichnet

 

Und es gibt noch einen Grund – Metamerie.

 

Metamerie tritt auf, wenn zwei Muster unter Tageslicht betrachtet gleich aussehen, jedoch nicht unter anderen Lichtverhältnissen wie etwa Neonlicht, Glühlicht oder LED-Licht.

 

 

Jetzt fragen Sie sich natürlich, ob sich diese Grenzen der Farbbeurteilung irgendwie überwinden lassen. Glücklicherweise ja:

 

  1. Auswahl einer geeigneten Lichtquelle:
    a. Wenden Sie etablierte Industrienormen an, falls vorhanden – ODER – wählen Sie Lichtquellen, die zu Ihrer jeweiligen Anwendung passen
    b. Im gesamten Qualitätskontrollprozess müssen alle die gleichen Lichtquellen und Vorgehensweisen nutzen
  2. Nutzen Sie Spektrophotometer zur Analyse der Spektralverteilung von reflektiertem oder durchgelassenem Licht, Wellenlänge für Wellenlänge, im gesamten sichtbaren Spektrum; diese Geräte messen auch das Verhältnis von Reflexion oder Transmission eines Musters relativ zu einem Referenzstandard, so dass Sie die objektiven Farbdaten erhalten, die Sie für eine fundierte Entscheidung benötigen.