Anfänge

 

Es ist nie zu spät, neu anzufangen.

 

Wir schreiben das Jahr 1993 und ich war 20, irgendwo in den Schützengräben in der Nähe des Flughafens von Sarajevo, mittendrin in dem Krieg, der schließlich das ehemalige Jugoslawien zerfallen ließ. Ich erinnere mich, wie ich die UN-Flugzeuge sah, die die belagerte Stadt verließen, und mir wünschte, ich könnte mich irgendwie in einen Vogel verwandeln und von den schrecklichen Umständen des Bürgerkriegs entfliehen, um irgendwo anders neu anzufangen.

 

Ich wusste damals nicht, dass es häufig reicht, sich selbst an einem bestimmten Ort zu visualisieren, und wenn man fest daran glaubt, wird das Leben einen Weg finden, diese Vorstellung für einen wahr werden zu lassen.

 

Das ist buchstäblich die einzige Erklärung, die ich dafür habe, dass ich, nachdem ich irgendwie einen verheerenden Bürgerkrieg in meiner Heimat Bosnien überlebt hatte, nicht nur einen Ausweg finden, sondern später auch eine Traumkarriere erleben konnte, die es mir ermöglichte, das zu tun, was ich liebe, und nebenbei die Welt zu bereisen.

 

Mein erstes Jahrzehnt in den USA Mitte der neunziger Jahre bedeutete einen Neuanfang in meinem Leben. Ich passte mich der neuen Kultur an und arbeitete in Gelegenheitsjobs, um mich über Wasser zu halten. Irgendwann bekam ich eine der ersten Point-and-Shoot-Digitalkameras und das war dann wohl der eigentliche Neuanfang. Zu dieser Zeit lebte ich im wunderschönen Pazifischen Nordwesten, und so war es ein Leichtes, meine Angelausrüstung durch eine Kameraausrüstung zu ersetzen und die zeitlose Schönheit der Landschaften des Evergreen State einzufangen.

 
 

 

Als Nächstes stand ein weiterer Neuanfang für mich an – als ich 30 wurde, schrieb ich mich als Erstsemesterstudent an einer Kunstschule ein. Die Entscheidung, wieder die Schulbank zu drücken, gehört definitiv zu den besseren, die ich auf meinem Weg getroffen habe. Am Art Institute erlernte ich den technischen Teil des Fotografiehandwerks kennen. Ich hatte das Glück, mehrere Preise zu gewinnen, die mich auf meinem Weg zu einem erfolgreichen Profifotografen bestärkten. Einige dieser frühen Bilder sind immer noch ein wichtiger Teil meines Portfolios.

 
 

 

Wenn der Besuch der Schule selbst nicht ganz ausgereicht hat, um meine Karriere voranzutreiben, so hat aber dann die Teilnahme an einer Reality-TV-Show zum Thema Fotografie sicherlich geholfen – ein weiterer Neuanfang. Nur wenige Monate nach dem Schulabschluss wurde ich mit einem Dutzend anspruchsvoller fotografischer Herausforderungen konfrontiert und wurde dabei rund um die Uhr gefilmt. Das war eine wahre Feuertaufe. Da ich einen Krieg erlebt habe, macht mir Druck nichts aus und ich komme mit sehr wenig Schlaf aus. Diese Erfahrungen haben mir geholfen, die Tortur des Reality-TVs zu überstehen und ich habe diese Prüfung mit Bravour bestanden, wie diese Bilder zeigen.

 
 

 

Obwohl ich die Show nicht gewann, erkannte ich, dass ich in die Welt der kommerziellen Fotografie gehörte und dass dieses Wissen an sich von unschätzbarem Wert war.

 

Meine nächste Herausforderung war der Versuch, das Gelernte in tatsächlich zahlende Kunden umzusetzen. Glücklicherweise sprachen meine Fotos für sich selbst, und ich erwischte den Social-Media-Wahn gleich zu Beginn, was es mir ermöglichte, Nike, Playboy und andere große Namen viel früher als erwartet auf meiner Kundenliste zu begrüßen.

 
 

 

Das Geschäft lief gut, aber mir reichte das noch nicht. Immer hungrig nach einer neuen Herausforderung, verließ ich Seattle, zog nach Los Angeles und begab mich auf den größten Kreativmarkt der Welt. Es dauerte genau 5 Jahre von der Idee des Umzugs bis zur Eröffnung meines Studios in der blühenden Innenstadt von Los Angeles. In dieser Zeit habe ich einige meiner besten persönlichen Arbeiten geschaffen.

 
 

 

Das Ende des letzten Jahrzehnts inspirierte mich dazu, mich auf meine Wurzeln zu besinnen und wieder die Schönheit in Reisen, Menschen und Landschaften zu suchen. Die kommerzielle Arbeit hatte meine Kreativität ein wenig ermüdet, also verabschiedete ich mich vom schnelllebigen Stadtleben und beschloss, mich mehr auf Landschaften zu konzentrieren. Wieder einmal verwirklichte sich die Idee des Neuanfangs, wie diese Bilder zeigen.

 
 

 

Wir haben unseren Planeten über längere Zeit hinweg nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst, und das hat uns in letzter Zeit immer wieder eingeholt. Ich habe das Gefühl, dass die Menschheit am Anfang einer großen und schwierigen Übergangsphase steht. Allerdings hatte ich bisher das Glück, vergangene Krisen gemeistert zu haben und es wird hoffentlich auch bei dieser nicht anders sein. Möchten Sie den nächsten Teil meiner Geschichte hören, freue ich mich, wenn Sie auch meinen nächsten Beitrag im Datacolor-Blog lesen.

 
 

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