Color Management mit dem Spyder Checkr in DaVinci Resolve Studio

Ein perfekter Weißabgleich? Die Farben mehrerer Kameras matchen? Korrekte Hauttöne erreichen? Wer im Video- oder Fotobereich arbeitet, kennt diese Probleme. Doch damit ist jetzt Schluss. In DaVinci Resolve können Sie mithilfe des Spyder Checkrs schnell und einfach Korrekturen anwenden und somit Ihre Workflows beschleunigen.

 

Stellen Sie sich vor, sie filmen ein Interview. Um später im Schnitt zwischen mehreren Perspektiven wechseln zu können, nutzen Sie drei verschiedene Kameras mit jeweils drei verschiedenen Sensoren. Auch wenn Sie den Weißabgleich und die Tönung in den Kameraeinstellungen anpassen und für alle Kameras exakt gleich einstellen, bildet jeder Sensor die Hauttöne etwas anders ab. Das liegt daran, dass jede Kamera ein anderes Farbprofil hat. Je nach Hersteller unterscheidet sich also das voreingestellte Farbverhalten der Kamera. Dies erschwert das Angleichen der Farben in der Post Production und ist oft mit einem hohem Zeitaufwand verbunden, was vor allem bei Projekten mit engen Timings zu Stress führen kann. Arbeiten Sie jedoch mit dem Spyder Checkr, indem Sie ihn am Anfang des Drehs vor den Interviewpartner in die Kamera halten, haben Sie später in DaVinci Resolve die Möglichkeit, die verschiedenen Kameras, und deren Farbprofile, mit nur wenigen Klicks anzugleichen.

 

Blackmagic Pocket Cinema Camera 4k (BMPCC4K)

Panasonic Lumix G7

 

Angenommen Sie haben den Dreh erfolgreich abgeschlossen und befinden sich nun in der Post Production. Um die Bilder der verschiedenen Kameras aneinander anzupassen, haben Sie nun die Möglichkeit die Scopes zu verwenden oder die Farben nach Gefühl zu bearbeiten.

 

Das funktioniert bis zu einem gewissen Punkt auch ohne Probleme. Allerdings lassen Sie dabei die verschiedenen Sensoren, die die Farben teilweise anders abbilden, außer Acht.

 

Genau hier kommt die vorherige Aufnahme des Spyder Checkrs zum Einsatz. Dabei ist es auch möglich die Farbanpassungen händisch vorzunehmen, allerdings empfiehlt es sich, das Color Match Tool in DaVinci Resolve zu nutzen, um ein genaueres und schnelleres Ergebnis zu erhalten.

 

Das Tool befindet sich im Color Tab, dem Farbbearbeitungsbereich von Resolve.

 

Das Color Tab bietet sämtliche Möglichkeiten, das Bild farblich so zu optimieren, dass es der Realität bestmöglich nahekommt. Das Color Match Tool nimmt Ihnen diese zeitintensive Optimierung jedoch ab. Wählen Sie einfach das Color Match Tool in den verschiedenen Tabs aus, um das Bild anzugleichen.

 

Sobald sie das Tool ausgewählt haben, wird Ihnen unterhalb ein Color Chart angezeigt. Dort können Sie den Color Chart Datacolor Spyder Checkr 24 auswählen. Dieser sollte in der Ansicht die gleichen Farben, wie unser Chart im Bild, abbilden.

 

Color Chart Tool auswählen.

 

Ist der richtige Color Chart ausgewählt, passen Sie im nächsten Schritt das Raster ganz einfach auf den Chart im Bild an. Hierfür können Sie die verschiedenen Eckpunkte mit der Maus so positionieren, dass sie mit dem Chart im Bild übereinstimmen. Sie sollten dabei sicher gehen, dass jedes kleine Viereck des Chart Tools die komplette Farbe aus der Farbpalette umschließt. Andernfalls kann es unter Umständen zu Unstimmigkeiten kommen.

 

Liegt das Chart Raster nun richtig auf unserem Bild, kann Ihre Footage automatisch angeglichen werden.

 

Richtiges Source Gamma, Target Gamma und Target Color Space auswählen

 

Das folgende Beispiel zeigt .. . In diesem Fall, soll die Footage von zwei verschiedenen Kameras angeglichen werden. Beide Kameras nehmen in unterschiedlichen Gammas auf. Die erste Kamera filmt in „Blackmagic Design 4K Film“, die zweite Kamera in standardmäßigen „Rec. 709″. Ziel ist es, beide Clips farblich so anzugleichen, dass es im Schnitt möglich ist, ohne Probleme zwischen den beiden Kameras hin und her zu wechseln. Source Gamma ist dabei der Ausgangspunkt, den wir in der Kamera definiert haben. Dieser kann, je nach Kamerahersteller, unterschiedliche Bezeichnungen haben. Bei Canon kann es „Canon Log“ sein, bei Sony „S-Log“ und bei Arri „Arri Log C“. In diesem Beispiel ist „Blackmagic Design 4K Film“ das Source Gamma der BMPCC4K. Die Panasonic G7, also die zweite Kamera, hat in meinem Fall kein besonderes Source Gamma und filmt in „Rec. 709“.

 

Das Target Gamma ist unser Ziel. Blackmagic Design 4K Film wird von seinem Source Gamma (Blackmagic Design 4K Film) zum Target Gamma (Rec. 709) umgewandelt. Mit den Einstellungen Target Gamma und Target Color Space, ist es auch möglich in anderen Color Spaces, wie beispielsweise Aces, zu arbeiten.

 

In diesem Beispiel, soll jedoch möglichst schnell ein gutes Ergebnis erzielt werden, weshalb für beides „Rec. 709“ ausgewählt wird.

 

Anpassung von Panasonic Lumix G7

 

Für die zweite Kamera gestaltet sich das Ganze etwas einfacher, da in „Rec. 709“ aufgenommen wurde und das Ziel ebenso „Rec. 709“ ist. Doch warum wandelt man „Rec. 709“ in „Rec. 709“ um? Das lässt sich ganz leicht erklären. Der Color Chart hat genormte Farben, welche in DaVinci Resolve hinterlegt sind. Matchen Sie also Ihre Footage von „Rec. 709“ mit „Rec. 709“, werden dennoch alle Farben aus Ihrem Color Chart angepasst. Dadurch gehen Sie sicher, dass die Rottöne auch wirklich rot sind, die Blautöne wirklich blau, sowie die Grüntöne auch wirklich grün sind. Hinzu kommt, dass ebenso ein Weißabgleich durchgeführt und der Kontrast angepasst wird.

 

Weißabgleich in der Kamera Falsch eingestellt.

Weißabgleich korrigiert mit dem Color Match Tool.

 

Zu diesem Zeitpunkt der Farbbearbeitung, sollten Sie bereits ein recht ähnliches Bild vor sich haben. In meinem Fall war das Bild der Panasonic etwas heller, als das der Balckmagic. Dieses Problem können Sie jedoch ganz leicht beheben, indem sie mithilfe der Farbräder den Gain etwas nach unten ziehen und die Helligkeit anpassen. Damit ist, in diesem Beispiel, das Color Management erfolgreich abgeschlossen.

 

Anpassung der Helligkeit auf einer neuen Node

Vergleich der zwei Bilder ohne weitere Veränderung.

 

Im nächsten Schritt können Sie die angeglichene Footage nun als guten Ausgangspunkt nutzen, um mit dem Grading fortzufahren und beispielsweise kreative oder auch eigene Looks hinzuzufügen.

 

Ein weiteres, sehr hilfreiches Feature des Spyder Checkrs24, ist die Graukarte auf der linken Seite. Sie ermöglicht, das Bild bereits direkt in der Kamera richtig zu belichten. In diesem Beispiel wird False Colors benutzt. Somit werden die Helligkeitswerte auf dem Kamerabildschirm in verschiedenen Farben angezeigt. Die große graue Fläche, auch mittleres Grau oder 18% Grau gennant, wird in der Kamera grün markiert, sobald sie etwa 40 IRE entspricht. Dadurch erhalten Sie einen Richtwert, an dem Sie sich orientieren können, um die Belichtung Ihres Bildes richtig einzustellen. Wichtig dabei ist, dass Sie die Graukarte an Stelle des Subjekts positionieren, um diese richtig zu belichten.

 

False Color Tool in der Kamera (Grün = Mittleres Grau)

Bild belichtet nach dem Color Chart.

 

Alles in allem bietet der SpyderCheckr in Kombination mit DaVinci Resolve eine sehr gute Möglichkeit, um genaue Farbkorrekturen und -anpassungen schnell und einfach vorzunehmen. In wenigen Klicks können Sie die unterschiedlichen Farbwerte Ihrer Kameras in Resolve angleichen und erhalten somit einen perfekten Ausgangspunkt für Ihr Grading. Außerdem eignet sich die Graukarte für den Weißabgleich und erleichtert das Erzielen von schönen Hauttönen. In meinem Rucksack hat der SpyderCheckr seinen Platz gefunden.

 

 
 

Über den Autor – Marco Schreiber

 

Marco Schreiber

 

Marco Schreiber ist selbstständiger Kameramann, Mediengestalter und YouTuber. Auf seinem Kanal beschäftigt er sich mit den Themen Technik, Film, Videoschnitt und -bearbeitung und hilft mit Tipps und Tricks aus eigenen Erfahrungen, DaVinci Resolve Tutorials oder auch Gear Empfehlungen allen weiter, die sich für das Thema Video interessieren.