Friends with Vision: Fotografie in Corona-Zeiten

Wir haben uns an einige unserer Friends with Vision gewandt, um zu sehen, wie sie sich in Covid19-Zeiten angepasst haben. Wir fragten sie, ob und wie sie ihre Arbeit angepasst haben, ob sich ihre Geschäftsmodelle geändert haben, ob sie neue Techniken ausprobieren und welche Ratschläge sie anderen Fotografen geben könnten. Von innovativen Ansätzen für herkömmliche Aufträge bis hin zum Erlernen neuer Fähigkeiten, im Leben wie in der Fotografie, macht manchmal ein Wechsel der Perspektive einen großen Unterschied.

 

 

 

Chris Lin

 

Bei Lin and Jirsa werden wir neue Shooting- und Sicherheitsverfahren einführen. Die meisten basieren auf staatlichen und bundesstaatlichen Richtlinien, wie z.B. die Verwendung von Gesichtsmasken und Handdesinfektionsmitteln. Einige sind jedoch speziell auf die Fotografie zugeschnitten, wie z.B. freihändiges Posing, wann immer es möglich ist, und der Einsatz längerer Brennweiten, sofern möglich, um Abstand zu wahren.

 

Wir behalten dasselbe Kerngeschäftsmodell bei, probieren aber einige neue Werbeaktivitäten aus, wie z.B. Rabatte auf Wandbilder, Geschenkgutscheine und die Vorausbuchung ermäßigter Coachings während der Ferien.

 

Mein Rat an andere Fotografen ist, weiterhin positiv zu denken! Die Pandemie hat unser Geschäft hart getroffen, aber wir sehen allmählich einen Aufwärtstrend bei den Buchungen für Hochzeiten und Veranstaltungen im Jahr 2021. Dies hat uns gezwungen, viele unserer Ausgaben zu evaluieren und zu reduzieren, was uns viel schlanker und profitabler machen wird, wenn unsere Kunden wieder zum normalen Tarif buchen. Nutzen Sie diese Zeit, um sich neue Marketingtechniken anzueignen, Ihre Webpräsenz aufzubauen und Ihr Wissen zu erweitern.
Weitere Fotos finden Sie unter linandjirsa.com.

 


 

Mark Mawson

 

Diese Pandemie erweist sich als eine sehr schwierige Zeit, was die Arbeit angeht. Als Fotograf von Flüssigkeiten musste ich bei meiner Arbeit oft die Hilfe einiger Mitarbeiter in Anspruch nehmen, die Flüssigkeiten warfen oder eingossen, da es nicht immer möglich ist, dies selbst zu tun und gleichzeitig die Kamera zum perfekten Zeitpunkt mit einer Hand auszulösen.

 

Ich besinne mich auf einfachere Set-ups und habe Bilder in meinem Heimstudio aufgenommen, um die Arbeit von zu Hause aus zu fördern, in der Hoffnung, dass die Kunden meine Bilder mögen und diesen Weg zukünftig beschreiten wollen.

 

Ich versuche, mich anzupassen, und mein Rat an andere wäre, aus der Sicht eines Kunden darüber nachzudenken, welche Art von Bildern er sich wünschen könnte, die die aktuellen Zeiten repräsentieren, die wir durchleben. Ich hoffe, wir werden in nicht allzu ferner Zukunft zu einer Art Normalität zurückkehren.
Weitere Fotos finden Sie unter Markmawson.com.

 


 

Luke Stackpoole

 

Mein Geschäftsmodell hat sich gewaltig verändert. Ein normaler Monat dreht sich bei mir darum, dass ich einige Reiseziele bereise und dort Content für einige Marken und die örtlichen Fremdenverkehrsämter schaffe. Da das Reisen jetzt natürlich nicht möglich ist, konzentriere ich mich darauf, Lehrmaterial für Leute zu erstellen, die meinen Arbeitsablauf besser verstehen möchten. Das gibt mir auch die Zeit, einen Schritt zurückzutreten und meine Ziele als Unternehmer zu überprüfen und an der Verbesserung meines eigenen fotografischen Stils zu arbeiten.

 

In den letzten Monaten habe ich mich immer wieder in die Videoproduktion vertieft, was sich sowohl als Herausforderung als auch als aufregendes neues Projekt erwiesen hat. Ich habe bereits das Gefühl, dass Video als Medium eine Schlüsselrolle in meinen Projekten spielen wird, wenn der Lockdown beendet ist. Eine interessante Entwicklung der letzten Zeit ist die der Fpv-Drohnen, und eine dieser Drohnen zu kaufen und mir die notwendigen Techniken anzueignen, wird die nächste Herausforderung für mich sein!

 

Fotografen haben immer einen vollen Terminkalender, daher würde ich Ihnen raten, diese Zeiten als Gelegenheit zu begreifen, sich selbst etwas Zeit zum persönlichen Nachdenken zu geben, zu versuchen, Ihr Geschäft zu diversifizieren, um der „neuen Normalität“ gerecht zu werden – sei es durch verstärktes Online-Marketing oder durch die Veränderung Ihres Bildstils. Ich habe diese Gelegenheit genutzt, um mein Fotoarchiv zu durchforsten und ich habe ein paar Bilder gefunden, die ich übersehen habe und deren Bearbeitung mir viel Spaß gemacht hat!
Weitere Fotos finden Sie unter withluke.com.

 


 

Holly McGlynn

 

Als die Pandemie zuschlug, hat sich meine Auftragslage über Nacht in Wohlgefallen aufgelöst. Shootings wurden abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben, und da die Kindertagesstätte meines Sohnes geschlossen wurde, musste ich mich voll und ganz um ihn kümmern. Ich habe mir jedoch immer wieder ein wenig Zeit für meine Arbeit und die Analyse meines Geschäftsmodells genommen. Jetzt biete ich Portfoliobesprechungen für andere aufstrebende und etablierte Fotografen an. Ich habe auf meiner Website eine E-Commerce-Seite eingerichtet, auf der Fotografen eine Portfoliobesprechung buchen, mir ihre Fotos per WeTransfer schicken können und wir eine Videokonferenz vereinbaren, um das Portfolio zu besprechen und zu bearbeiten. Es hat Spaß gemacht, auf diesem Weg neue Fotografen kennenzulernen, neue Arbeiten zu sehen und meine Bildbearbeitungsfähigkeiten einzusetzen.

 

Ich bin Modefotografin und Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig. Während dieser Zeit habe ich einen Online-Kurs über Mode und Nachhaltigkeit belegt, der vom Centre for Sustainable Fashion am London College of Fashion angeboten wird. Es war faszinierend, mehr über die Komplexität des Problems zu erfahren und zu sehen, welches Potenzial für Lösungen sich abzeichnet.

 

Ich habe mir auch Zeit dafür genommen, meine Website und die sozialen Medien zu aktualisieren. Ich habe über Fotografie-Workshops für Kunden durch Instagram durchgeführt, aber hauptsächlich habe ich Bücher gelesen und die Zeit mit meiner Familie genossen und versucht, mich nicht auf die missliche berufliche Lage zu konzentrieren, an der ich ohnehin nichts ändern kann. Ich glaube nicht, dass die Dinge je wieder so sein werden wie vorher, aber ich denke, dass das alles gut und notwendig ist. Voller Hoffnung blicke ich in die Zukunft.
Hollys Arbeit finden Sie unter www.hollymcglynn.com.

 


 

Markus van Hauten

 

Wenn ich als Landschaftsfotograf an meine letzte Islandreise im Januar zurückdenke, wäre es mir damals nie in den Sinn gekommen, dass Verreisen für eine längere Zeit nicht möglich ist. Ich denke, das ist uns allen so gegangen.

 

Als dann die ersten Einschränkungen in anderen EU-Ländern kamen wurde mir langsam bewusst, welches Ausmaß ein Virus für uns Menschen haben kann.
Zwei Reisen musste ich auf Grund der Corona-Pandemie absagen und daher auf andere Art und Weise überlegen, wie ich mein Portfolio erweitere.

 

Ein großer Vorteil war, dass es in meiner Heimatregion keine Ausgangssperren gab. Daher entschied ich, mich meiner Heimatregion mehr zu widmen. Etwas was ich immer schon machen wollte, wofür ich aber nie die Zeit gefunden habe. So lernte ich meine Heimat noch etwas besser kennen und erlebte das Motto „Social Distancing“ auf meine eigene Art! (Alle 3 Bilder sind im Umkreis von 30 min. mit dem Auto erreichbar plus Fußweg…)

 

Ein weiterer Aspekt der Coronakrise ist die deutlich häufigere Nutzung der Onlinekonferenzen und Onlinediskussionen: Ich erreiche meine Kunden durch Webinare und Onlinevorträge.

 

Aber ich möchte damit nicht sagen, dass die Krise spurlos an der Fotobranche vorübergeht. Es sind harte Zeiten und wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Ebenso nutze ich die Zeit um mich Online fortzubilden. Die Nutzung dieser Medien ist derzeit von entscheidender Bedeutung und wird in Zukunft weiterhin wertvoll und wichtig sein.
Weitere Fotos finden Sie unter www.van-hauten.eu.

 


 

Christian Høiberg

 

Da ich von den beliebten Lofoten-Inseln vor Norwegen aus operiere und Fotografie-Touren eine wichtige Einnahmequelle für mich sind, hatte Covid19 großen Einfluss auf meine Arbeit und mein Einkommen. Obwohl die meisten diesjährigen Workshops abgesagt wurden und es unwahrscheinlich scheint, dass es dieses Jahr wieder internationalen Tourismus geben wird, hoffe ich, stattdessen einigen meiner Landsleute in dieser wunderschönen Umgebung die Fotografie beibringen zu können.

 

Glücklicherweise besteht ein großer Teil meines Geschäfts darin, Fotografie online zu unterrichten, und da viele Fotografen derzeit zu Hause hocken, nimmt das Interesse an Video-Tutorials, eBooks und kostenlosen Lehrartikeln spürbar zu. Da meine Workshops abgesagt wurden, hatte ich etwas mehr Zeit, mich auf meine Texte zu fokussieren und ich konnte ein neues eBook und andere Produkte auf meiner Webseite veröffentlichen.
Mein Geschäftsmodell hat sich nicht viel verändert, da ich verschiedene Einkommensquellen habe. Ich habe mich jedoch mehr auf meinen Online-Unterricht konzentriert und Projekte und Produkte abgeschlossen, an denen ich schon länger gearbeitet habe.

 

Ich habe neue Techniken in der Postproduktion erforscht. Ich habe an Fotoprojekten gearbeitet, mit denen ich mich schwergetan habe, aber jetzt ist es mir gelungen, den Stil zu erreichen, den ich mir für sie gewünscht habe.

 

Endlich bekommen wir auch hier im Norden etwas Sonne und der Schnee schmilzt langsam, so dass die Wandermöglichkeiten immer besser werden. Ich freue mich darauf, mehr zu wandern und zu campen und mehr Bilder von den herrlichen Bergen zu machen, die wir hier oben haben.

 

Mein Rat an andere Fotografen ist, den Kopf nicht hängen zu lassen! Es ist eine harte Zeit für alle, und es besteht kein Zweifel, dass uns herausfordernde Zeiten bevorstehen. Glauben Sie weiterhin an Ihre Arbeit und schaffen Sie weiterhin Bilder, die Sie glücklich machen. Nutzen Sie diese Zeit, um über Ihre Kunst nachzudenken und vielleicht die Postproduktion nachzuholen. Diese Zeiten können sich auch bestens dafür eignen, alte Bilder neu zu bearbeiten. Ich empfehle auch, einen Teil dieser Zeit damit zu verbringen, etwas Neues zu lernen, egal ob es sich dabei um fotografische Techniken oder geschäftliche Dinge handelt. Lassen Sie uns versuchen, uns auf die positiven und nicht nur auf die negativen Aspekte dieser Pandemie zu konzentrieren. Wir werden das schaffen!
Weitere Fotos finden Sie unter capturelandscapes.com

 


 

Jeff Cable

 

Als jemand, der sich auf Eventfotografie und Fototouren spezialisiert hat (ganz zu schweigen von der Berichterstattung über die Olympischen Spiele), ist dies eine wirklich schwere Zeit. Alle diese Veranstaltungen wurden abgesagt. Bei Events ist noch immer unklar, ab wann größere Menschenansammlungen wieder möglich sein werden. Ich wende mich derzeit vermehrt an Kunden, die nie Bilder verwendet haben, die ich für sie gemacht habe, und ermutige sie, Bilder und Alben anzusehen und für zukünftige Werbeaktivitäten zu kaufen. Ich kann nicht sagen, dass sich an meinem Geschäftsmodell viel geändert hat – nur der Umfang.

 

Letzten Monat habe ich begonnen, Video-Tutorials für meinen YouTube-Kanal zu drehen. Die Leute haben mich jahrelang damit genervt und ich hatte nie Zeit dafür. Jetzt habe ich endlich die Zeit. Früher habe ich iMovie zum Bearbeiten meiner Videos verwendet, wollte aber Adobe Premier lernen. Ich habe den letzten Monat damit verbracht, Premier zu lernen, und jetzt fühle ich mich darin ziemlich versiert. Ich habe 32 Videos fertig gestellt, die ich jetzt nach und nach veröffentliche. Sie werden auch von B&H und anderen beworben.

 

Mein Rat an andere Fotografen: Halten Sie durch – das geht alles vorbei. Wenn Sie das Geld dringend brauchen, versuchen Sie zu fotografieren, wo immer Sie können, um ein Einkommen zu erzielen. Wenn nicht, halten Sie durch und lernen Sie neue Dinge, die Sie zu einem besseren Fotografen machen. Dies ist eine großartige Zeit, um Ihre Marke aufzubauen, Ihre Marketing-Bemühungen zu verstärken und den Sturm zu überstehen. Gehen Sie gestärkt daraus hervor!
Weitere Fotos finden Sie unter Jeffcable.com

 


 

Marcus Schwier

 

In Coronazeiten ändert sich sehr viel. Der urbane Raum wird anders genutzt und die Städte wie New York oder Paris zeigen eine nie gesehen Leere.
Das ist ein Anlass als Architekturfotograf, meine Heimatstadt in der Serie „Düsseldorfer Stilleben“ als ein Stadtportrait mit einem weiteren Kapitel zu ergänzen.

 

Besonders frequentierte Orte wie das Stadtzentrum, die Altstadt und der Flughafen sind menschenleer und sind außerdem Ihrer Funktion oder Bestimmung entleert. Die „Rheinische Post“ berichtete über diese Arbeit. Meine grundsätzliche Arbeitsweise ist das Reagieren auf meine Umgebung; wie ein Seismograf zeichne ich sie auf. Wenn ich etwas für mich Interessantes entdecke, stelle ich häufig fest, dass ich tiefer einatme, eine Überraschung, meist ein Indiz für ein richtiges Bild.
Weitere Fotos finden Sie unter http://original-photos.de.

 


 

Sascha Hüttenhain

 

In Coronazeiten hat sich meine Arbeit nicht wirklich grundlegend, sondern nur zeitlich geändert. Ich arbeite mehr oder weniger wie zuvor – aber verändert. Es findet eine Verlagerung statt, aber die sollte sich auch über die Zeit wieder normalisieren.

 

Glücklicherweise habe ich unter meinen Kunden einige, für die ich Stills und Produktaufnahmen in der aktuellen Zeit tätige. Dies ist per Versand und mit einen Briefing und einer Sykpe-Konferenz auch ganz gut zu machen. Peopleaufnahmen sind im Moment ja ein bisschen schwieriger durchzuführen und es gibt Auflagen, die diese sehr einschränken. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis wir wieder in den normalen Rhythmus zurückkehren können.

 

Dadurch, dass sich einige neue oder veränderte Projekte ergeben haben, setze ich auch z.T. neue Techniken ein. Es ist spannend, durch diese Corona Veränderung zu neuen Sicht- und Arbeitsweisen zu gelangen. Dies hatte man vielleicht nicht unbedingt auf dem Schirm und so erwartet, aber man kann es auch positiv sehen, da man sich als Fotograf dadurch eigentlich nur weiterentwickeln kann.

 

Mein Rat an andere Fotografen: Ruhe bewahren und abwarten, man kann eh nicht wirklich etwas ändern… die Zeit ist natürlich schwierig, da vieles neu und ungewiss ist. Freie Kapazitäten kann man gut für freie Projekte nutzen, die man in der Vergangenheit aus zeitlichen Gründen nicht umsetzen konnte.
Weitere Fotos finden Sie unter https://www.huettenhain.com