In Bewegung

Der Landschaftsfotograf und Datacolor Friends with Vision-Mitglied David Fieldhouse spricht über Bewegung in der Fotografie ‒ vom Versuch, einen präzisen Moment der Stille in der Natur einzufangen, bis hin zur Darstellung der konstanten, dynamischen urbanen Landschaft einer Stadt.

 


 

Als Landschaftsfotograf verbrachte ich so viel Zeit und Aufmerksamkeit damit, ein Bild scharf abzubilden, von den kleinsten Details im Vordergrund bis hin zu den fernen Gipfeln am Horizont, dass mir jedes Konzept, das mit Bewegung zu tun hat, fremd erschien. Warten, bis der Wind nachlässt, damit die Äste der Bäume aufhören zu schwanken, oder das Beschleunigen des Auslösers, um die vorbeiziehenden Wolken „einzufrieren“, waren einige der vielen Techniken, die ich einsetzte, um den gewünschten Look zu erreichen. Als ich jedoch begann, die Stadtlandschaft zu fotografieren, war Stille ein Konzept, das sich plötzlich seltsam fehl am Platz anfühlte.

 
 


 

Rauschender Verkehr, geschäftige Menschen, sogar die wechselnde Neon-Lichtwerbung an den Wänden ‒ die Stadt hat eine ganz andere Dynamik als wenn man am Eingang eines schönen Tals sitzt und darauf wartet, dass das Sonnenlicht den Baum in der Ferne einfängt (auf dem die ganze Komposition sorgfältig aufgebaut ist).

 

Es gibt viele Techniken, die wir anwenden können, um dieses schnelle Tempo einzufangen, aber eine, die ich gerne von Zeit zu Zeit verwende, ist das, was ich als „mäßig lange Belichtung“ bezeichne, besonders bei Nacht. Ich spreche nicht von einer Minute oder zwei oder sogar dreißig Sekunden. In der Stadt bewegen sich die Dinge so schnell, dass keine Spur von der eigentlichen Form übrigbleiben würde. Ich möchte, dass der Betrachter weiß, was er sieht, und nicht nur eine helle Linie auf der Seite, daher reichen oft ein oder zwei Sekunden aus.

 
 


 

Oft als „Light Trails“ bezeichnet, hat die Fotografengemeinschaft sehr geteilte Meinungen dazu. Es ist eine Technik, die viele Amateurfotografen ausprobieren, während sie lernen, den Effekt zu verstehen, den eine Änderung der Verschlusszeit auf das endgültige Bild hat. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras ist dies einfacher geworden, da die Ergebnisse sofort auf dem LCD-Display auf der Rückseite der Kamera angezeigt werden. Diese Technik ist sogar mit den heutigen Smartphones möglich. Infolgedessen finden wir viele Beispiele auf SocialMedia-Seiten ‒ einige fantastisch, andere weniger – was vielleicht der Grund dafür ist, dass dieser Trend, wie jeder Trend, oft als Spielerei angesehen wird und von Puristen verpönt ist.

 
 


 

Meiner Meinung nach machen Lichtspuren, sparsam eingesetzt, eine Menge Spaß und das ist es, was 90% der Fotografen von einem Hobby erwarten. Mit Ausnahme eines Stativs ist keine zusätzliche Ausrüstung erforderlich und Lichtspuren bieten eine einzigartige Perspektive auf eine Szene. Sobald Sie die Realität durch Einfrieren (oder zumindest Verlangsamung) der Zeit für diesen kurzen Moment verändert haben, erkennen Sie wunderbar man mit nur wenigen Kniffen man seinen kreativen Spielraum erheblich erweitern kann.

 
 


 

Vielleicht ändern Sie die Farbtöne der Szene, um sie filmischer wirken zu lassen. Vielleicht verändern Sie die Farben in ihrer Gesamtheit oder fügen auffällige Kontraste hinzu. Sie sind nicht mehr gezwungen, dem Betrachter die Realität der Landschaft zu präsentieren, sondern Sie wenden jetzt Techniken an, die den Realismus verändern, um ein Bild zu zeigen, dass das menschliche Auge nicht sehen kann. Vermeiden Sie die Verwendung von Lichtspuren in dem Versuch, eine schlechte Komposition auffälliger zu machen. Arbeiten Sie stattdessen an einer guten Komposition, um ein statisches Bild zu erzeugen, das Ihnen gefällt, und sehen Sie dann, was passiert, wenn Sie mit einem vorbeifahrenden Fahrzeug und einer längeren Verschlusszeit ein wenig Bewegung hinzufügen. Machen Sie es gut, und Sie können fast den Verkehrslärm und eine entfernte Sirene hören.

 
 

Über den Autor – Dave Fieldhouse

 

Ich habe Ende 2012 mit der Fotografie begonnen und seitdem nicht mehr zurückgeblickt. Ich erwarb meine erste DSLR-Kamera und führte ein Online-Diplom durch, um die Grundlagen zu erlernen. Seitdem verbringe ich fast jede freie Minute mit der Fotografie. Die Zeit ist jedoch der limitierende Faktor, sodass Arbeit, Familie und fotografische Ausflüge manchmal schwer unter einen Hut zu bekommen sind. Wenn es die Zeit mal nicht zulässt auf einen Hügel zu steigen, kann ich es trotzdem nicht lassen, und stecke meine Nase in ein Fotobuch oder eine Fotozeitschrift.