Fotografieren mit Drohnen

Von David Cardinal

 

Die Multikopter-Fotografie ist einer der am schnellsten wachsenden neuen Fotobereiche, der wohl auch am meisten Spaß macht. Egal welche Erfahrungen Sie in Fotografie oder Film bisher gemacht haben, Drohnen bieten Ihnen gleichzeitig viele neue Möglichkeiten, aber bringen eben auch neue Herausforderungen mit sich. Insbesondere Drohnen für Einsteiger und Semiprofis haben kleine Kamerasensoren mit fester Blende, was etwas Übung damit sie herausragende Fotos abwerfen.

 

Beginnen Sie mit der richtigen Drohne und den korrekten Kameraeinstellungen

 

Wie aktuelle Kameras sind auch die Kameras der Multikopter nicht alle gleich gebaut. Zusätzlich zum Betrachten von Beispielbildern und dem Lesen von Reviews sollten Sie beim Kauf darauf achten, dass Ihre Drohne Bilder im RAW-Format (typischerweise als .DNG-Datei) und Videos in einem eher „flauen“ Farbraum wie D-LOG aufnehmen kann. Idealerweise hat sie noch die eingebaute Unterstützung für Belichtungsreihen, da der Dynamikumfang der Sensoren von Einsteigerdrohnen begrenzt ist. Für den Fall, dass Sie die Bearbeitung der Drohne überlassen möchten, ist eine automatische HDR-Funktion hilfreich. Versichern Sie sich, dass die RAW-Daten der Drohne Ihrer Wahl auch von Ihrem Bildbearbeitungsprogramm unterstützt werden. Für mich persönlich bietet DJIs Mavic-Produktlinie die beste Kombination eines angemessenen Preispunkts (600-1000€ je nach Modell) und der genannten Funktionen. Natürlich bietet sie Unmengen weiterer Einstellmöglichkeiten und Fotomodi. Einige davon sind für ambitionierte Fotografen hilfreich, die das bestmögliche Foto aufnehmen möchten, andere sind einfach nur Abkürzungen auf dem schnellsten Weg zu vernünftigen Ergebnissen.

 

Lassen Sie Ihre Drohne für herausragende Fotos mehrfach fliegen

 

DJI begann als Unternehmen für Stabilisierer, daher ist es keine Überraschung dass der Gimbal an den Mavics (und ihren anderen Drohnen) hervorragend funktioniert. Aber perfekt ist er trotzdem nicht. Je mehr Sie also unterstützend tätig werden, desto besser ist es. Starker Wind ist Ihr ärgster Feind, warten Sie daher also auf Windstille oder auf nur eine leichte Briese. Natürlich verändern sich auch die Lichtbedingungen, daher empfiehlt es sich verschiedene Tageszeiten und auch verschiedene Lichtsituationen an unterschiedlichen Tagen auszuprobieren, wenn Sie ein bestimmtes Foto im Kopf haben, das Sie umsetzen möchten. Ein sinnvolles Hilfsmittel in diesem Zusammenhang ist das Setzen von Wegpunkten beim Fliegen. Dazu verwende ich die App Litchi in Kombination mit meiner Mavic, damit ich meine Routen und Foto- sowie Videoaufnahmen im Vorfeld planen kann. Sobald ich die Route festgelegt habe, kann ich meine Drohne auf Knopfdruck dieselbe Route abfliegen lassen. Bei meiner Parrot Anafi ist das Wegpunkte-Fliegen (Waypoint Flying Apps) ein günstiges Zusatzmodul zur App von Parrot selbst.

 


Consider bringing a drone along when you go to your favorite landscape or sunset spot. I shot this on the California Coast while also capturing more conventional images with my DSLR on a tripod.

 

Der Drohnenfotografie-Workflow ist mit Ihrem aktuellen Workflow vergleichbar

 

Sobald Sie Ihre .DNG-Dateien haben, verwenden Sie Ihre Bildverarbeitungssoftware für Objektivkorrekturen (für die Mavic habe ich bisher erfolgreich Lightroom, Photoshop und PhotoLab eingesetzt). Natürlich erfolgt eine Standard-Farbkorrektur. Im Allgemeinen liefern die Programme gute Ergebnisse, was den Weißabgleich und die generelle Belichtung angeht (die meisten Drohnenfotos entstehen hilfreicher Weise bei Tageslicht). Bei Tonwertumfang und –Mapping sieht es allerdings schon anders aus. Drohnenaufnahmen weisen üblicherweise sehr große Unterschiede zwischen hellen und dunkeln Bildbereichen auf. Wenn Sie mehrere Aufnahmen zu einem Panorama zusammenfügen, wird dieses Problem noch verstärkt. Erwarten Sie also, dass Sie entweder die Schatten in Ihrem Bild öffnen– global oder lokal – oder die Spitzlichter im Himmel und den Wolken zurückregulieren müssen. Da es schwieriger ist, ausgefressene Spitzlichter wiederherzustellen als Schatten aufzuhellen, fotografiere ich typische Tageslichtsituationen oft entweder mit manueller Belichtung oder einer Drittelblendenstufe unterbelichtet.

 


Dieses Bild der Shan-Region in Myanmar bietet eine Perspektive, die ich bei früheren Reisen ohne Drohne nicht erreichen konnte

 

Farbmanagement ist bei der Drohnenfotografie genauso wichtig wie sonst auch

 

Letztendlich ist auch die Kamera an der Drohne immer noch eine Kamera. Daher ist ein Farbmanagement-Workflow ebenso wichtig wie sonst auch. Das beginnt natürlich bei einem qualitativ hochwertigen Monitor mit einem Monitorprofil, erstellt mit einem Qualitätsmessgerät wie dem Datacolor Spyder. Dementsprechend können Sie auch benutzerdefinierte Profile für Ihren persönlichen Multikopter unter Verwendung des SpyderCHECKRs erstellen. Ein zusätzliches Element ist in diesem Fall natürlich noch die bestmögliche Vorschau Ihres Drohnenbildes und der entsprechenden Kameraeinstellungen auf einem Telefon oder Tablet. Ein qualitativ hochwertiges Display ist daher sinnvoll.

 

Setzen Sie HDR für bessere Farben ein

 

Normalerweise verwenden wir HDR, um Szenerien mit hohem Dynamikumfang aufzunehmen. Die meisten Drohnenaufnahmen profitieren allein aus diesem Grund schon von HDR, aber auch stärker gesättigte Farben sind ein guter Grund für den Einsatz von Belichtungsreihen (HDR) in der Drohnenfotografie. Sie müssen nicht unbedingt einen besonderen Aufwand mit Ihren Fotos der Belichtungsreihe treiben, wenn es Ihnen nur um gesättigtere Farben geht. Die Voreinstellungen für „realistische“ Bilder, „Architektur“-Aufnahmen oder die Wahl eines ähnlichen, nicht zu übertriebenen Presets Ihrer bevorzugten HDR-Anwendung sollte bereits gute Ergebnisse liefern. Ich habe sowohl Aurora von Skylum als auch Photomatix von HDRSoft erfolgreich eingesetzt. Natürlich können Sie auch Ihre Adobe-Werkzeuge verwenden, ich persönlich bevorzuge allerdings den Einsatz spezialisierter Anwendungen.

 


Fotografieren Sie eine statische Szenerie wie dieses Architekturfoto, kann HDR Ihnen dabei helfen, gesättigte Farben zu erzielen. Die Drohne ist nicht so stabil wie ein Stativ, daher verwenden Sie am besten eine HDR_Anwendung, die gewisse Kamerabewegungen ausgleichen kann.

 

TECHNISCHER HINWEIS: Ein Polfilter ist hervorragend dafür geeignet, Blendeffekte zu reduzieren und sonnenbestrahlte Szenerien wärmer wiederzugeben. Die PolarPro-Filter für die Mavic-Multikopter sind hervorragend und leicht genug um beim Flug nicht zu behindern. Wenn Sie außerdem einen ND-Filter benötigen, um Ihre Verschlussgeschwindigkeit reduzieren zu können (um entweder Bewegungsunschärfe zu erzielen oder um Ihre Videoverschlusszeit auf die doppelte Zeit der Framerate zu verlängern), dann gibt es auch eine Kombination aus Pol- und ND-Filter direkt vom Hersteller. Denken Sie allerdings bei der Verwendung eines ND-Filters daran, Ihren ISO-Wert festzusetzen, damit dieser nicht automatisch von Ihrer Drohne erhöht wird, um eine kürzere Belichtungszeit zu erreichen.

 

Besonderheiten bei der Aufnahme von 360-Grad-Panoramen

 

Die Möglichkeit der Aufnahme von 360-Grad-Panoramen mit einer Drohne ist wirklich toll, typischerweise sind dies horizontale 360° vom Bereich oberhalb und unterhalb des Horizonts. Viele Kopter haben einen eingebauten Panorama-Modus, aber für bestmögliche Ergebnisse sollten Sie viele einzelne RAW-Aufnahmen erstellen und diese im Anschluss selbst verarbeiten. Der erste Schritt dabei ist es, die Belichtung anzugleichen. Bei traditionellen Panoramen haben wir gelernt, einen vernünftigen Kompromiss bei der Belichtung zu finden und diesen Wert dann festzulegen. Das wird allerdings durch den heftigen Dynamikumfang von Drohnenaufnahmen immer dann sehr schwierig, wenn Sie nicht gerade eine vollständig sonnenbeschiene Szenerie aufnehmen. Ich konnte tatsächlich gute Erfolge erzielen, indem in meine Belichtung auf eine Drittelblendenstufe niedriger eingestellt und anschließend die Schatten in den Fotos mit starken Schattenpartien aufgehellt habe.

 

HIER IST EIN LINK ZU EINER MEINER LIEBLINGSAUFNAHMEN: https://kuula.co/post/7Px51

 

 

TECHNISCHER HINWEIS: Wenn Sie Aufnahmen Ihrer Drohne und Ihrer Hauptkamera vermischen, können Sie versuchen den Look der Bilder ihrer Hauptkamera bei den Drohnanaufnahmen mit Hilfe einer Software zu emulieren, wie zum Beispiel mit den verschiedenen Kamera-Renderings, die bei DxO PhotoLab unterstützt werden.

 

Betrachten Sie Ihre Drohne als Smartphonekamera am Himmel

 

Wenn Sie sich unsicher sind, erinnern Sie sich daran, dass die meisten Kameras von Einsteiger- und Semiprofi-Drohnen der Kamera im Ihrem Smartphone ähneln und den gleichen Einschränkungen unterliegen. Wenn Sie also beispielsweise den ISO-Wert heraufsetzen, müssen Sie das Bildrauschen reduzieren. Natürlich erhalten Sie auch einen begrenzten Dynamikumfang aufgrund des kleinen Sensors. Aber was soll’s, es sind Luftaufnahmen! Fast jedes Foto, das mit einer Drohne aufgenommen wurde, wäre ohne sie nicht möglich gewesen. Also genießen Sie es!

 

ADDITIONAL IMAGES:

 


Wenn die Drohne erst einmal eingerichtet und gestartet ist, kann Drohnenfotografie erstaunlich entspannend sein, wie diese Aufnahme des Autors auf einer Ranch in Texas zeigt.

 


Alltagssituationen können manchmal am besten mit einer Drohne fotografiert werden. Die Bauern in Myanmar, die ihren Kohl auf den Mark-LKW laden, bieten einen bunten Anblick, der sich am besten aus der Luft festhalten lässt. Die Bauern liebten meine Drohne und boten mir ziemlich viele Kohlköpfe und Chilis im Austausch für sie.

 


 

Vita:

 

David Cardinal ist ein mehrfach ausgezeichneter Reise- und Naturfotograf sowie ein Autor fotografischer und technischer Themen mit regelmäßigen Veröffentlichungen, so etwa auf Extremetech.com. Seine Bilder wurden in Magazinen wie dem Outdoor Photographer, Photoshop User, PC Magazine, London Daily Mail sowie in vielen weiteren Magazinen und auf Webseiten veröffentlicht. Er hielt Vorträge über das Digital Imaging in Stanford, Dartmouth, bei Google, Electronic Imaging, bei der OPTIC-Konferenz von B&H sowie im Internet. Seine Kunden sind unter anderem BBC, Asia Development Bank, US Fish and Wildlife, California Fish and Game, National Wildlife Federation, American Prairie Foundation, DxO Labs, Datacolor, Photodex und Lexar. Zusätzlich zur Durchführung von weltweiten Fotoreisen fotografiert er als Profi den High School-Sport für CBS Interactive. Er war Co-Autor eines der ersten Bücher zur digitalen Fotografie gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Peterson und hat bereits Workshop für die North American Nature Photography Association und Digital Landscape Workshop Series gegeben.

 

Davids reise- und naturfotografischen Fotoreisen und Safaris führen ihn an Orte in Afrika, Südost-Asien und Nordamerika. Seine Bilder von Wildtieren helfen bei der Vermittlung der Bedeutung des Naturerbes und unserer Aufgabe, dieses zu erhalten. Seine journalistische Tätigkeit umfasst sowohl die Bereiche Fotografie als auch Technologie.

 

Website: http://www.cardinalphoto.com/
Facebook: https://www.facebook.com/CardinalPhoto
Twitter: davidcardinal
YouTube: digitalpro1984