Holly McGlynn – Friends with Vision

Die in Dublin geborene Fotografin und Friends with Vision Mitglied Holly McGlynn ist in London ansässig. Hollys Werke werden in Magazinen wie Cosmopolitan, Grazia und Glamour vorgestellt. Sie hat auch an Projekten für führende Marken wie Faberge, Chanel, Playboy und Levi’s gearbeitet. Farbe spielt eine große Rolle in der Art und Weise wie sie Weiblichkeit und die Wahrnehmung von Frauen in der Modebranche darstellen möchte. In diesem Blog spricht sie über ihre Reise in die Modefotografie und über Fragen der Präsentation in dieser Branche.

 

Warum ist die Darstellung in der Fotografiebranche so wichtig?

 

Die Darstellung hinter und vor der Linse ist extrem wichtig. Wenn nur ein Typ von Personen fotografiert wird, sehen wir immer dieselben Bilder und Geschichten immer und immer wieder.

 

Vor allem in meiner Branche hat die Modefotografie, eine Monokultur hinter und vor der Linse geschaffen und diktiert somit die Sicht, wie Schönheit auszusehen hat. Nicht nur diese monothematische Erzählweise, sondern die ständige Exposition dieser Bilder dringt in die öffentliche Psyche ein und normiert unbewusst die Sichtweise auf die Dinge. Jeder hat das Recht, in den Mainstream-Medien vertreten zu sein. Wenn Ihr Geschlecht / Rasse / Alter / Größe / sexuelle Orientierung / Befähigung nicht dargestellt wird, haben Sie das Gefühl, dass Sie keine Rolle spielen. Wiederholung führt zur Normalisierung. Wenn wir wiederholt etwas sehen, akzeptieren wir es. Deshalb ist es so wichtig, auf beiden Seiten der Linse mehr Vielfalt zu leben. Die Modebranche hat eine soziale Verantwortung um einer diversifizierten Welt gerecht zu werden, aber nicht nur das, es gibt auch kommerzielle Gründe einen Ansatz von Vielfalt geprägt zu verfolgen. Laut diverser Studien steigt der Kaufreiz um 300%, wenn einen emmotionale Verbindung zwischen Model, das die Kleidung trägt und dem Zielpublikum aufgebaut worden ist.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Frauen, die in den Beruf einsteigen möchten?

 

Es ist schwer in den Mittelpunkt des Interesses zu kommen, wenn man nicht gesehen wird. Nur 2% der Fotografen in Agenturbüchern sind weiblich und nur 5% der in Zeitschriften veröffentlichten Fotos werden von Frauen aufgenommen. Modefotografie und die Fotografie insgesamt, sind überwiegend männlich dominiert. Auch wenn sich mehr Frauen mit der Fotografie beschäftigen, gibt es irgendwo auf diesem Weg einen Bruch, und in Bezug auf die vorige Frage habe ich keinen Zweifel daran, dass unbewusste Voreingenommenheit dabei eine Rolle spielt, neben einer Reihe anderer Gründe. Ich war in der Shooting Area, in den sich die Fotografen tummeln, um das beste Bild in den Kasten zu bekommen. Das sind aggressive Räume. Es gibt viel Ellenbogen, Drängen, Schreien, Schupsen und fast keine Frauen. Ich habe mit anderen Fotografinnen gesprochen, die sogar gesagt haben, dass sie für diese Art von Jobs übersehen wurden, wegen der Annahme, dass man als Frau nicht in der Lage ist, die für diese Aufnahmen erforderliche Ausrüstung zu tragen.

 

Gibt es besondere Herausforderungen für die Modebranche?

 

Neben dem Schönheitsdiktat, das wir bis vor kurzem gesehen haben, gibt es das Ungleichgewicht, dass die meisten Modefotografien von jungen Frauen und Mädchen stammen, die wiederum von älteren Männern aufgenommen wurden. Systemischer Missbrauch wurde auch als Teil der eigenen #MeToo-Bewegung entdeckt. Mehr Vielfalt auf breiter Front kann helfen, diese Probleme zu lösen.

 

Wie bist du zur Fotografie gekommen? Was hat dich inspiriert? Hast du dich einer dieser Herausforderungen gestellt?

 

Ich kam nach meinem Studium im Ausland zur Fotografie und als der Stellenwert der Fotografie für mich klar wurde, reifte in mir sehr schnell der Entschluss, dies zu meinem Lebenswerk zu machen. Anfangs begegnete mir die Rhetorik, die alle Menschen, die eine kreative Karriere anstreben, zu irgendeinem Zeitpunkt hören, dass die Branche sehr umkämpft sei und es schwierig sei, eine Karriere zu machen. Ich verfolgte meinen Plan jedoch hartnäckig und erwarb mir die notwendige Kenntnis, indem ich Fotografie studierte, unerbittlich fotografierte und stundenlang meine Fähigkeiten, mein Selbstvertrauen und mein Netzwerk aufbaute. Es hat Jahre gedauert und ich arbeite immer noch an diesen Dingen, um zum nächsten Level zu gelangen. Als ich anfing und zu einem Shooting auftauchte, glaubten die Leute nicht, ich sei der Fotograf. Sie erwarteten immer einen Mann. Ich bekomme oft Kommentare wie „Ich habe noch nie einen Fotografen gesehen, der wie Sie aussieht“. Ja wirklich?! Diese anfänglichen Hürden habe ich hinter mir gelassen und werde für Shootings gebucht. Ich habe mich in der Zwischenzeit in der Branche etabliert. Zweifel, ob ich hier am Set richtig bin, kommen bei mir nicht mehr auf. Es sollte für Frauen aber nicht so schwer sein, ihren Platz in dieser Branche zu finden.

 

 

Insbesondere die Modefotografie wird für die Verbreitung des „männlichen Blicks“ kritisiert. Was wird Ihrer Meinung nach getan, um das zu bekämpfen?

 

Genau deshalb brauchen wir mehr weibliche Fotografen. Nur wenn mehr Frauen angestellt und gebucht werden, die ihre Geschichten durch Fotografie erzählen, kann man dem entgegenwirken.

 

Was tun Sie in Ihrer Arbeit, um Frauen auf neue, bessere Weise zu präsentieren?

 

Ich teile das Moodboard für das Shooting immer mit allen am Set, einschließlich des Models, und erkläre das Konzept, damit sie ihre eigene Interpretation der Geschichte und ihre eigenen Ideen zur Darstellung der Dinge einbringen können. Ich bemühe mich immer, eine Umgebung zu schaffen, in der sich jemand äußern kann, wenn ihm ein Element des Shootings unangenehm ist. Ich hoffe, dass sich die Models äußern, wenn es ihnen unangenehm ist, wie sie präsentiert werden. In den Fällen, bei denen ich bei der Wahl des Models mitentscheiden kann, versuche ich immer Models zu buchen, die in der Branche unterrepräsentiert sind.

 

Welche Veränderungen müssten Ihrer Meinung nach in der Branche vorgenommen werden? Sehen Sie jetzt Änderungen? Wer führt die Veränderung an?

 

Seit Edward Enninful zum Chefredakteur der britischen Vogue ernannt wurde, gibt es auf dem Titelblatt und auf seinen Seiten mehr Vielfalt, als das über 100 Jahre in diesem altehrwürdigen Magazin der Fall war. Ich glaube wirklich, dass seine Ernennung der Startpunkt zu einer langsamen Entwicklung hin zu einer größeren Vielfalt innerhalb der gesamten Zeitschriftenbranche war, wie geschehen in den USA. Die Model Alliance leistet unglaubliche Arbeit. Das Talent Protection Act (Gesetz zum Schutz von Talenten), das von einer Talentagentur verlangt, Informationsmaterial über Prävention, Vergeltungsmaßnahmen und Berichterstattungsressourcen für sexuelle Belästigung an ihre Kunden zur Verfügung zu stellen, wurde vor kurzem nach einem harten Wahlkampf in Kalifornien in ein Gesetz aufgenommen. Ihr RESPECT-Programm bietet einen durchsetzbaren Verhaltenskodex für die Modebranche, mit obligatorischen Konsequenzen für Marken, Modellagenturen, Fotografen und andere, die gegen die Bestimmungen dieses Kodex verstoßen.

 

Welche Rolle spielt Farbe bei der Darstellung des Weiblichen? Spielst du jemals damit oder verschiebst du Grenzen von dem, was typisch oder erwartet ist?

 

Farbe ist ein sehr wichtiger Teil meiner Arbeit. Es macht Spaß, präsent, verspielt und wirkt genauso wie die Frauen, die ich fotografiere!

 

Welche Fotografinnen inspirieren dich? Wem sollten wir in den sozialen Medien folgen?

 

Ich bin besessen von Jamie Nelson (@ jamienelson6), sie ist eine unglaubliche Fotografin. Ellen von Unwerth (ellenvonunwerth) ist auch eine große Inspiration für mich und hat sich während meiner gesamten Karriere für den Einsatz von Farbe und Blitz eingesetzt.

 

Website: http://www.hollymcglynn.com/
Email: HOLLY@HOLLYMCGLYNN.COM
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