Focus Inconsistent

by Oliver Mews

 

Einige Objektive liefern mit deiner Kamera knackscharfe Bilder während andere irgendwie immer etwas weichere oder sogar unscharfe Ergebnisse bringen?

 

Willkommen in der mysteriösen Welt der Fotografie. Ich habe zwei Gründe entdeckt, warum der Autofokus manchmal nicht richtig arbeitet. Einer davon liegt zwischen Kamerabody und Objektiv, der andere findet sich hinter der Kamera.

 

 

Fangen wir mit der Ursache hinter der Kamera an: Zuerst sollte ich erwähnen, dass ich immer den mittigen Autofokuspunkt verwendet habe, um scharf zu stellen. Ich stehe also ruhig da, habe die Kamera in meiner Hand, fokussiere mit dem AF-Punkt in der Bildmitte beim Blick durch den Sucher, schwenke die Kamera dann zum gewünschten Bildausschnitt, überprüfe dass alles so ist wie es sein soll, drücke den Auslöser und erhalte irgendwas zwischen einer genialen und einer katastrophalen Aufnahme. Einige Bilder waren schön scharf, andere dagegen komplett falsch fokussiert (insbesondere bei Aufnahmen mit offener Blende, die ich besonders liebe). Ich habe also auf die harte Tour lernen müssen, dass ich der Grund für diese Unschärfe war (und auch das Model), denn zwischen Fokussierung und dem Kameraschwenk für den Bildausschnitt blieb genug Zeit, um leicht nach vorn oder hinten zu schwanken. Im schlechtesten Fall summieren sich die Bewegungen des Fotografen und des Models auf einige Zentimeter. Trotzdem liebe ich es nach wie vor, Menschen ohne Stativ zu fotografieren, allerdings ist mir klar, dass ich dafür verschiedene Autofokuspunkte verwenden und den Auslöser direkt nach der Fokussierung auf die Augen des Models drücken muss.

 

Der zweite Grund ist technischer Natur und war deutlich schwieriger herauszufinden: die individuellen Toleranzen meines Kamerabodys und des verwendeten Objektivs. Einige Objektive waren knackscharf, mein 85mm f1,4 war allerdings wirklich matschig. Aber warum? Langer Rede, kurzer Sinn: Das sind die üblichen Toleranzen, mit denen ich mich bei meiner Fotoausrüstung auseinandersetzen muss. Etwa zu dieser Zeit haben wir den SpyderLensCAL entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Lineal mit einer Skala, das es mir ermöglicht, präzise auf ein Schachbrettmuster zu fokussieren und dann den jeweiligen Fehlfokus an der Skala neben dem Schachbrettmuster abzulesen. Alles, was mir dann zu tun bleibt, ist die Autofokus-Feinjustierung in der Firmware meiner Kamera zu verwenden, um den Front- oder Backfokus auszugleichen. In nur 20 Minuten wurde dadurch das 85mm-Objektiv zu einem meiner Lieblingsobjektive. Und ja, auch heute noch sind wir „gute Freunde“, von Zeit zu Zeit erneuern wir unsere „Freundschaft“ wieder mit der Hilfe von SpyderLensCAL.

 

 

 

Nachdem wir SpyderLensCAL veröffentlicht hatten, haben wir bei der Photokina in Köln einen kostenlosen Service angeboten. Über die Presse luden wir die Besucher ein, uns ihre Kamera mit einem ihrer Objektive zu bringen. Ich erinnere mich daran, dass wir 1043 Kamera-Objektiv-Kombinationen bekamen. Ungefähr 650 davon konnten wir kalibrieren und korrigieren, wobei einige beachtliche Fehlfokussierungen aufwiesen, die meisten jedoch nur geringfügige Korrekturen nötig hatten. Persönlich dachte ich, dass unter diesen 650 Stück günstigere dSLR-Bodies und Objektive sein würden, aber diese Annahme war falsch. Es war tatsächlich eine bunte Mischung. Das beste waren übrigens die Augen der Fotografen, wenn Sie ihre Kameras mit nie dagewesener Autofokus-Qualität zurück bekamen.