Massimo Bassano – Friends with Vision

Massimo Bassano wurde im tiefsten Süden Italiens, in Kalabrien, in einfachen Verhältnissen geboren. Die einfachen Dinge im Leben werden ihn auch weiterhin begleiten – von der Wahl seiner Schulfreunde über den Sport bis hin zur Berufswahl.

 

Angetrieben von den Geschichten seines Vaters, eines hoffnungslosen Träumers, lernt Massimo, seinen eigenen Träumen zu folgen. Er liebt das Meer und entscheidet sich, als Kapitän verkleidet zur Schule zu gehen. Schon früh lernt er zu segeln und verliebt sich sofort in diesen Sport, der ihm als Nachfahre von griechischen Einwanderern, die im Jahre 1000 vor Christus auf dem Seewege nach Kalabrien gekommen sind, in den Genen zu liegen scheint.

 

Segeln wird zu seiner großen Leidenschaft, die ihn für den Rest seines Lebens begleitet. Massimo hat alle Meere und Ozeane dieser Welt besegelt, und seine Seefahrerseele öffnet ihm die Türen von National Geographic. Dieses Aufeinandertreffen ist entscheidend für seine Karriere. Dokumentarfotografie und Storytelling par excellence gehen ihm in Fleisch und Blut über. Die bislang nur als nebensächliches Hobby betriebene Fotografie, gedacht zum Sammeln von Erinnerungen, wird zu seinem Traum, den er auf Biegen und Brechen wahr werden lassen möchte.

 

Durch seine angeborene Neugier und sein übermäßiges Interesse daran, einfach ALLES zu lernen, bringt er den perfekten Mix an Eigenschaften eines Dokumentarfotografen mit – das richtige Rezept, um für den renommiertesten Verband der Welt arbeiten zu dürfen. In der Zwischenzeit sind 28 Jahre vergangen, Massimo hat 82 Länder besucht, tausende Begegnungen und Erfahrungen auf der ganzen Welt gemacht sowie viele Fotos und Geschichten gesammelt, die er in Wort und Bild erzählen kann.

 

 

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Mein Vater liebte es, seine Familie zu fotografieren. Auch wenn wir uns sonst nicht viel leisten konnten, hatte er immer einen Schwarz-Weiß-Film in seiner Voigtländer Kamera. Ich bin oft mit ihm unterwegs gewesen, besonders sonntags und an Feiertagen. Diese Momente haben dazu beigetragen, dass ich eine Leidenschaft für die Fotografie entwickelt habe. Ich habe mit ihm darüber gestritten, wer und wovon Fotos gemacht werden sollten bis er endlich nachgab und mir eine kleine Agfa Instamatic kaufte. Viele Jahre später habe ich mir von meinem ersten Lohn eine alte Spiegelreflexkamera und ein paar Objektive gekauft. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich mal Fotograf werden würde. Erst als ich erfuhr, was es bedeutet, ein Dokumentarfotograf für National Geographic zu sein, dachte ich: “Das könnte mein Job sein. Ja, das gefällt mir.”

 

Schon früh wollte ich für meine Leidenschaft arbeiten, nicht für Geld. Ich habe mir immer Arbeit gesucht, die meinen emotionalen Ansprüchen gerecht wurde. Die Liebe zum Segeln und meine Erfahrung als Seemann führten dazu, dass ich für National Geographic an der Christoph Kolumbus Story arbeiten durfte. Das war der Moment, in dem ich beschloss, Fotograf für National Geographic zu werden zu.

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Ich mag Menschen und ihre Kulturen. Ich verstehe mich selbst als anthropologischen Fotografen, aber ohne Zweifel bin ich ein Allzweckfotograf. Fast alles weckt meine Neugier. Von der Tierwelt bis zur Wissenschaft, von der Medizin hin zur Technologie, von sozialen Problemen hin zu natürlicher Schönheit. Menschen und ihre Traditionen allerdings ziehen mich besonders an. Heimatliche Bräuche faszinieren mich, aber auch die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren und wie ihre Beziehungen untereinander gestrickt sind. Für meine Arbeit ist die Beziehung zu meinem Protagonisten und seiner Umwelt besonders wichtig. Das gilt nicht nur im professionellen Sinne, sondern menschlicher Kontakt ist auch für mich persönlich von enormer Bedeutung.

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Ein großes Hindernis zu Beginn meiner Karriere war wirtschaftliche Verfügbarkeit, denn Dokumentarfotografie kann sehr teuer sein. Mein größter Erfolg aber ist es, zu sein was ich bin – ein Sturkopf, der sich nie hat unterkriegen lassen. Versagen war keine Option.

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Ich suche immer persönlichen Kontakt. Blicke, Worte, Gerüche. Dann Farben und Licht. Ich suche nicht wie ein Wahnsinniger an erster Stelle nach dem Licht, aber ich verstehe sein Wesen und wie viel Positivität es einem Bild geben kann.

 

Was ist deine Herangehensweise?

 

Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?

 

Meine Technik ist Einfachheit. Ich habe Glück, denn ich kann in meinem Kopf ein Bild komponieren. Schon aus der Entfernung sehe ich ein Foto. Natürlich mache ich dies schon seit so vielen Jahren, aber dieses Talent ist wohl das wichtigste für mich als Fotograf. Ich trug es in mir, ohne es zu wissen. Die Kamera halte ich mit einer Leichtigkeit in meiner Hand, als wäre sie Teil meines Körpers. Wir sind eins. So werde ich auch unbefangener willkommen geheißen und schüchtere durch meine Präsenz niemanden ein. Eigentlich werde ich immer mit offenen Armen aufgenommen und so gelingt es mir, das “Leben hinter den Kulissen” anderer Leute zu fotografieren.

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Was die korrekte Belichtung angeht, bin ich ein Wahnsinniger. Gesehen und fotografiert. Ich bevorzuge RAW-Dateien, denn so kann ich alle meine getroffenen Entscheidungen zeigen. Meine Raumeinstellung. Meine Kreativität, die inspiriert wird durch das, was meine Augen sehen. All das wäre ohne eine anständige Kalibrierung von Kamera und Monitor verloren. Ich weiß, dass die präzise Kalibrierung mir ermöglicht, die Sprache zu verstehen, mit der mir die Kamera die “Welt” zurückgibt, die aufgrund meines Blickes eingefangen wurde. Ohne präzise Kalibrierung fehlt mir das Wörterbuch, mit dem die Kamera zu mir spricht. Die Farben, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Die Farben, mit denen ich zeigen wollte, wer ich als Fotograf eigentlich bin. Monitorkalibrierung spielt dabei die wichtigste Rolle. Ich kalibriere regelmäßig, auch meinen Laptop. So übermittle ich dem Drucker meine Vision und wir analysieren das Bild gemeinsam an meinem Display, um es anschließend so zu drucken, dass es möglichst nah an meiner Vision liegt und Spitzlichter, Kontraste, Tiefen und alles, was ich da draußen aufgenommen habe, auch respektiert wird.

 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Es ist ein Job, den du vor allem lieben musst. Eine Liebe, die du aber auch teilen musst, denn sonst ist sie nicht gut für dich. Gib niemals auf. Denke über Fehler nach und bleib dran, bleib dran, bleib dran. Schau dir die Welt der anderen kritisch an, aber sei niemals neidisch. Lerne von anderen. Sei neugierig. Ohne Neugier kommst du nicht weit. Dokumentarfotografie wird in dir geboren, nicht in der Kamera.