Puppa Fromm – Fragen an …

Im Rahmen des Datacolor Fotowettbewerbs zur Reise- und Landschaftsfotografie, der im Sommer 2017 stattgefunden hat, haben wir viele hervorragende Fotos von tollen, engagierten Fotografen erhalten. Der Jury ist die Auswahl der fünf Gewinner des Wettbewerbs nicht leicht gefallen, haben doch viele Fotos eine Platzierung unter den Top-Bildern verdient. Um die wunderbaren Aufnahmen entsprechend zu würdigen, rücken wir in unserem Blog daher immer wieder einzelne Einsendungen in den Fokus, stellen den Menschen hinter der Kamera vor und lassen sie oder ihn erzählen, wie das Bild entstanden ist.

 

Name:
Puppa Fromm
Kurzvita:

Ausbildung im mittleren Dienst und als Erzieherin. Seit 26 Jahren im städtischen Dienst tätig!
Hobbyfotografin

Leben mit SLE; Reisen und Fotografieren als persönliche Medizin entdeckt

Wann und wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Die Liebe zur Fotografie entwickelte sich sehr früh mit einer Pocket Kamera von Agfa die mir mein Vater im Alter von ca. 6 Jahren in die Hand drückte, immer noch habe ich das „Ritsch Ratsch“ im Ohr und den roten Punkt als Auslöser vor Augen.

Das lange Warten und die Spannung bis der Film endlich entwickelt war, ist mit dem heutigen Equipment „leider“ auf der Strecke geblieben, aber der Spaß an der Fotografie ist geblieben…

Die Fotografie enthält für meinen Geschmack leider zu viel physikalische als auch technische Grundlagen. Von daher lautet meine Devise „rein nach Gefühl“. Die beste Kamera macht keinen Sinn, wenn es am Blick mangelt… diesen Blick versuche ich tagtäglich zu schulen, am liebsten jedoch auf Reisen.

Betreiben Sie die Fotografie als Hobby oder verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt damit?

Fotografie ist meine Leidenschaft – Reisen meine Passion! Ich bin eine Hobbyfotografin, bis heute bin ich nicht technisch versiert, ich fotografiere aus dem Bauch heraus, frei nach dem Motto, das Auge macht das Bild und nicht die Kamera.

Ich freue mich, wenn ich mit meinen Bildern Geschichten erzählen kann und bestenfalls bei einem Wettbewerb mal ein Preis oder on top die nächste Reise herausspringt.

Ich war knapp 10 Jahre für ein Magazin in Frankfurt als „Partyblitzerin“ tätig. Eintritt und Getränke waren frei und dazu gab es noch ein kleines Taschengeld. Hin und wieder durfte ich auf Konzerte und mit der Presse vorne im Graben stehen, das war schon etwas Besonderes. Momente, die man mit Geld nicht aufwiegen kann.

Das eine oder anderen Mal habe ich auch schon Bilder an Magazine, Tageszeitungen oder Agenturen verkauft, dieses Geld wird für Equipment oder die nächste Reise gespart.

 

 

Wie und wo ist dieses von Ihnen zum Fotowettbewerb eingereichte Bild entstanden? Gibt es eine Geschichte dazu?

Oh ja in der Tat. Mit diesem Bild habe ich mir einen langersehnten Traum erfüllt, einmal mit den Schweinen auf den Bahamas zu schwimmen. In den letzten Jahren wird es leider immer mehr vermarktet und ehe es total überlaufen und „kaputt“ gemacht wird habe ich diesen Traum umgesetzt. Meine Geschichte dazu könnt ihr hier lesen.

Ich muss dazu sagen, dass dieses Bild mit dem Handy entstanden ist und ein reiner Glückstreffer war. So sehr ich auch die „Handyfotografie“ verpöne, so viel Glück kann man manchmal auch mit ihr haben. Denn in dem Fall galt „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat“.

Man habe ich ein Schwein gehabt … und das im wahrsten Sinne des Wortes…

Ein Traum ist in Erfüllung gegangen!

Ich habe eine Unterkunft heraus gesucht von der man selbst mit dem Kajak zu den Schweinen paddeln konnte.

Natürlich war das nicht die offizielle und berühmte „Big Major Cay“ Insel zu der ich natürlich auch noch gefahren bin… aber ich dachte je öfter, desto besser, schließlich bin ich wegen den Schweinchen ja auch hier und möchte dann nicht nur eine „So 15 Minuten Zeit, dann geht`s weiter Touri-Nummer haben“… ich liebe und suche das Abenteuer.

Tja, unsere Nachbarn 4 taffe Mädels aus New York waren morgens ein Tick schneller, schnappten sich die Kajaks und fuhren rüber… Kajaks gab es noch, aber keine Paddel, also warteten wir, besuchten schon mal den „Anfängerkurs“ und sind derweil mit den Hunden geschwommen.

Die Mädels ließen nicht lange auf sich warten und kamen total aufgeregt wieder „Be careful, the Pig with the Black Noise is sooo crazy, and the other with Horns, so dangerous…” Zugegeben das konnte mich nicht abschrecken, so groß war meine Freude.

Von weiten sahen wir schon zwei „Brocken“ im Wasser liegen, ich dachte nur „die sind ja ganz schön groß?“, aber ließ mir nichts anmerken, meine Freundin ist schließlich eine kleine Schisserin (psst). Wir legten an und ich sah mich um, meine Tüte Toastbrot in der Hand kam plötzlich einer dieser „Brocken“ auf mich zu gerannt. WOW, ich wusste gar nicht das Schweine so schnell sein können. Meine Freundin flüchtete mit Sack und Pack ins Wasser (mir war damals wahrhaftig nicht nach Lachen zumute, dafür lache ich mich heute kaputt darüber), während ich versuchte barfuß auf den spitzen Steinen „schnell“ zu flüchten (ich bin eine Barfuß-Piense oder meine Füße sind zu zart) das Schwein war eindeutig schneller, wie sollte ich mich nun ergeben?

Ich schmiss ihm samt Tüte das Toastbrot vor die „Klauen“… meine Freundin schrie aus dem Wasser „Bist Du bescheuert, Du kannst ihm doch nicht die Tüte hinwerfen“

ooooh, Entschuldigung dass ich gerade nicht die Zeit und die Ruhe habe, es auszupacken, es geht hier gerade um mein Leben… so nun hatte ich erst mal Zeit, Zeit zu flüchten, nur wohin.

Das Toastbrot war schnell leer, dass Schwein war im Übrigen nicht bescheuert denn es wusste genau den Toast von der Tüte zu trennen, nun lief es auf unser Kajak zu, was ohnehin schon einen Riss hatte. Plötzlich stellte sich das ca. 200 Kilo Vieh auf unser Kanu schnappte sich die Schwimmweste und zerfetzte Sie in alle Einzelteile, das Styropor flog nur so durch die Luft…

Ooooookay, ich staunte nicht schlecht und mit enormen Respekt… aaah die Eintracht Flagge, der Stock… ich versuchte es zu vertreiben, was geradezu lächerlich wirkte, das Stöckchen gegen den Keiler… ich habe mich mehr als lächerlich gemacht! Ich glaube auf YouTube hätten wir mit unseren Schweine-Besuch zu Reichtum kommen können!

Als nichts mehr zu holen war, buddelte es sich ein Loch, legte sich in den Sand und ein paar Ferkel kamen aus dem Busch… Schnell merkten wir: sie sind lediglich gierig aber harmlos… Womöglich waren wir die ersten Touristen und sie sind daran gewöhnt, gefüttert zu werden. Ich vermute, die New Yorkerinnen hatten nichts dabei und waren deshalb so schnell zurück, denn furchteinflößend sind sie!

So, keine Touris da, Zeit nutzen und Fotos schießen, die Schweine waren geduldig. Und irgendwie scheint es sich über meinen Besuch gefreut zu haben, macht jedenfalls den Eindruck oder war ich jetzt seine Freundin, weil es eine ganze Tüte Toastbrot von mir bekommen hat?

Dann kam das erste Boot kam, da kamen sie plötzlich aus allen Löchern, denn das war das Signal für Futter… nun konnten wir endlich noch ein paar Bilder beim Plantschen schießen ehe wir unsere Heimfahrt angetreten habeen.
Meine Freundin war noch an der Schulter lädiert, ich an den Beinen – so hatten wir kaum Kraft zurück zu paddeln, sodass wir uns entschieden einfach durch das Meer zu laufen.

Wow, was eine Erfahrung, denn naiv wie wir sind, sind wir natürlich nicht auf die Idee gekommen, dass wir auf einen Stachelrochen treten könnten…. Nö, wieso auch, ich war selig bei meinen Schweinen gewesen zu sein.

Das war die Erste von 3 Erfahrungen bei meinen Schweinen!

P.S. die Tüte haben wir als anständige Bürger gegenüber unserem Planeten natürlich wieder mitgenommen!

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?

Mich inspirieren Menschen, die Geschichten erzählen. Insbesondere fremde Kulturen, daher fotografiere ich am liebsten Menschen auf Reisen.

Manchmal ist es aber auch nur ein Moment, eine Idee, meine Familie, meine Freundin, die Freunde im Allgemeinen.

Für mich ist es wichtig, immer ein waches Auge bei der Fotografie zu haben.

Schwer beeindruckt hat mich vor ein paar Jahren auch die Geschichte von Vivian Meier, mit der Art ihrer Fotografie kann ich mich identifizieren. Nur war das in der Tat hohe Kunst, was sie zu einer noch analogen Zeit leistete.

Menschen, die ohne Photoshop zurechtkommen.

Wo liegen Ihre fotografischen Schwerpunkte?

Definitiv auf Reisen!

Ich liebe es in fremde Kulturen einzutauchen möglichst fern vom üblichen Tourismus und recht nah an die Menschen heran zu gehen, sofern Sie es zulassen. Denn Respekt vor dem Mensch als auch vor dessen Kultur ist eine Selbstverständlichkeit.

Ich fotografiere ebenso nach dem Motto „Wenn jemand eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen“, denn so möchte ich mit meinem Bildern Geschichten erzählen, ein Gefühl von „glauben, selbst dagewesen zu sein“ hervorrufen, sich Gedanken zu machen, was in dem einen oder anderen Mensch gerade hervorging… sowie eine Vorstellungskraft als auch ein Gefühl wie es in dem Land gewesen ist… eine Freundin sagte einst ich „würde die Seele der Menschen fotografieren“.

Die nonverbale Kommunikation mit den Menschen ehe ich das Bild mache, das funktioniert in Asien besonders gut und die konnte ich in all den Jahren „Partyfotografie“ schulen!

Ich liebe die Street-Fotografie und Momente einzufangen.

Manchmal sind es aber auch Kinder und Tiere, die ich gerne fotografiere.

Was ist Ihr nächstes fotografisches Projekt, Ihre nächste Herausforderung?
Hongkong und Vietnam im November 2017 – Und ich träume noch von so vielen Ländern, so alt kann ich gar nicht werden um all das noch zu sehen, was ich sehen möchte!

 

 

Welche Rolle spielt Farbmanagement in Ihrem fotografischen Workflow?

Ganz ehrlich? Nicht wirklich viel, denn in dem Bereich, wo es eine Rolle spielen sollte, muss man auch das nötige Equipment haben und da bewegen wir uns in einer Preiskategorie die mit einem Gehalt aus dem öffentlichen Dienst nicht zu stemmen ist.

Ich versuche die Bilder so hinzunehmen wie Sie meine Kamera hergibt und da ist mir eine halbwegs ordentliche Kamera sehr wichtig. Manchmal spiele ich mit Filtern in der Kamera und suche mir das schönste Ergebnis heraus mit der Erkenntnis, dass es meist die ohne Filter sind.

Ich bin kein großer Fan von Photoshop, die Bilder sind heutzutage alle überbearbeitet, an ein paar Reglern gedreht und die Leute glauben das Bild ist schöner ohne dabei zu merken, dass es dermaßen übersteuert und übertrieben ist.

Instagram ist für mich eine Beleidigung an jeden Fotografen, der sein Werk gelernt hat.

Jeder schimpft sich heute Fotograf und hat dank Handy immer eine Kamera dabei, ein paar Filter drüber gelegt, davon gibt es ja neben jeglichen Apps auch genügend bei Instagram, tja und schon kann das schlechteste Bild zur Kunst werden… Bei Instagram geht es nicht mehr um das Bild selbst, sondern lediglich darum, wer mehr Follower hat. Folgst Du mir, folge ich Dir… aber folgst Du nicht gleich zurück, dann folge ich Dir auch nicht mehr. Für mich der reinste Kindergarten. Und hier herrscht Masse statt Klasse…

Ich habe nichts dagegen einzuwenden, einen Bild mal etwas mehr Kontrast zu verleihen oder etwas Helligkeit herauszunehmen bzw. dazuzugeben, aber das bitte alles in Maßen. Zudem ist mir meine Zeit zu schade, diese mit Nachbearbeitung zu verbringen. Die nutze ich lieber um hinaus zu gehen; zu fotografieren, mein Auge zu schulen und das Bild am Ende so hinzubekommen, das kein Photoshop nötig ist.

Was machen Sie mit ihren entstandenen Bildern, werden sie z.B. gedruckt, erstellen Sie ein Fotobuch, posten Sie sie in sozialen Netzwerken und auf Ihrer Website oder bleiben Sie einfach nur auf der Festplatte Ihres Rechners?

Meine Familie bekommt Fotoalben zu Weihnachten oder zum Geburtstag, meine Freundin bekommt einen „Best of“ Jahresbericht. Von den Reisen erstelle ich meist ein Best of, denn ich bin zugegebener Maßen ein wenig paranoid, dass mir der Rechner oder die Festplatte mal abschmiert. Außerdem gibt es hin und wieder Themenalben.

„Der Schuss des Jahres“ darf auch gerne mal auf Alu oder die Leinwand. Ich bastele sehr gerne oder schreibe Postkarten, da fließen die einen oder anderen Bilder auch einmal mit ein.

Ich durfte bei meinem Blumenhändler mal eine Ausstellung machen zum Thema Reisen.

Meine Freundin hatte einen „österreichischen Weinstand“ auf dem Weinfest, den haben wir mit ein paar von meinen Kuhbildern dekoriert.

Manchmal verwende ich die Fotos für Wettbewerbe, sende Sie an Zeitschriften oder Magazine.

Ich habe mal eine Fotoseite auf Facebook angelegt, die aber derzeit noch etwas stiefmütterlich behandelt wird, denn ich komme manchmal mit dem Sichten und „Entscheiden“ nicht hinterher. (Bei Bilderfluten fällt es mir schwer, Entscheidungen zu treffen.)

Ich verwende sie in Reiseberichten oder stelle sie auf Plattformen zum Verkauf zur Verfügung, da sind schon ein paar Dollar bei rum gekommen.

Was möchten Sie fotografisch erreichen, wovon träumen Sie?

Nun ja, da ich ein reine „Gefühlsfotografin“ohne jegliche technischen Kenntnisse bin, ist da professionell nicht viel zu erwarten, dafür ist der Markt zu voll von Profifotografen. Um als Fotograf „reich“ zu werden, da muss man schon ganz oben in der Liga „mitknipsen“!

Ich freue mich, wenn ich weiterhin reich an Erfahrungen und schönen Momenten werde. Wenn ich Erinnerungen, Erlebnisse und Freude in Form von Reisen erfahren darf. Begegnungen von und mit tollen Menschen zu teilen, das ist für mich schon Reichtum.

Wenn ich mir künftig das Reisen leisten kann um weiterhin zu fotografieren, macht mich das glücklich und ich träume davon, die Welt fotografisch zu bereisen.

Denn Reisen ist für mich auch Medizin, da es erwiesen ist, dass Reisen die Stresshormone im Körper verringert und SLE leider auf Stress reagiert. Seit vielen Jahren bin ich schubfrei, demnach gefällt das Reisen dem Tier in mir offensichtlich auch.

Da Reisen ein kostspieliges Hobby ist, versuche ich möglichst oft durch Kreativität mein Hobby zu „finanzieren“ bzw. es mir zu ermöglichen, doch einmal mehr zu Reisen als es das Konto je zulassen würde… ja, so ist das, wenn man mehr Urlaubstage als Geld auf dem Konto hat! Die Liste ist lang; Laos, Kambodscha, eine Fahrt auf dem Mekong, Costa Rica, Peru, Jamaika, Äthiopien, Kolumbien, Bali, Philippinen, Borneo, Indien, Seychellen… (ich sprenge den Rahmen)
Und mein Herz habe ich in Kanada verloren. Ich muss unbedingt hin um es zu finden, aber ich befürchte es möchte nicht mit mir kommen… in meinem nächstem Leben muss ich in die Reisebranche und das am besten auf fotografischer Ebene…

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