Thorsten Geisser – Fragen an …

Fragenkatalog Teilnehmer Fotowettbewerb

 

Einleitung:

 

Im Rahmen des Datacolor Fotowettbewerbs zur Reise- und Landschaftsfotografie, der im Sommer 2017 stattgefunden hat, haben wir viele hervorragende Fotos von tollen, engagierten Fotografen erhalten. Der Jury ist die Auswahl der fünf Gewinner des Wettbewerbs nicht leicht gefallen, haben doch viele Fotos eine Platzierung unter den Top-Bildern verdient. Um die wunderbaren Aufnahmen entsprechend zu würdigen, rücken wir in unserem Blog daher immer wieder einzelne Einsendungen in den Fokus, stellen den Menschen hinter der Kamera vor und lassen sie oder ihn erzählen, wie das Bild entstanden ist.

 

Name: Thorsten Geisser

 

Kurzvita: Am 02.02.1968 wurde ich in Kassel geboren. Dort habe ich auch meine Ausbildung zum Heizungs-Lüftungsbauer gemacht. Nach Bundeswehr und diversen Jobs bin ich im Einzelhandel ansässig geworden, wo ich auch heute noch bin.

 

Wann und wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

2009 habe ich meine Frau kennengelernt, die eine Canon Kamera hatte. Das Fotografieren hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir 2010 meine erste eigene Kamera kaufte. 2014 habe ich dann meine erste Vollformat Kamera gekauft und das ganze professionell begonnen. Ich habe mir Tonnen an Videomaterial angeschaut und mir alles selbst beigebracht, was die Fotografie und Bildbearbeitung angeht. 2016 habe ich mir dann mein eigenes Studio aufgebaut und bin seit Mitte 2017 gewerblich als Fotograf gemeldet. Meine Frau unterstützt mich dabei wo sie nur kann, und ist nicht selten als Assistentin mit am Set dabei.

 

 

Betreiben Sie die Fotografie als Hobby oder verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt damit?

Meine Miete und mein Brot zahlt noch immer mein Verkäufer-Job. Ich sehe dieses allerdings im Moment noch als Vorteil, da ich so freie Arbeiten, die mir kein Geld bringen, ohne Druck machen kann. Da die gewerblichen Anfragen aber immer mehr wurden, habe ich mich entschieden, das Gewerbe anzumelden.

 

Wie und wo ist dieses von Ihnen zum Fotowettbewerb eingereichte Bild entstanden? Gibt es eine Geschichte dazu?

Zu dem Bild gibt es durchaus eine Geschichte. In meiner Jugend gab es den Film Gladiator und darin diese Szene, als der Hauptdarsteller in einem Feld steht und mit der Hand über die Gräser streicht. Dieses Bild ist mir nie aus dem Kopf gegangen, weil es für mich der Inbegriff von Freiheit war. 2016 habe ich mich dann entschlossen, dieses Gefühl in meinem Bild haben zu wollen. Ich habe damals dann über Facebook eine Ausschreibung gemacht und ein Model gesucht. Ich glaube, es waren um die 60 Anfragen, die Auswahl ist mir sehr schwer gefallen. Svenja Ülsberg war in der engen Auswahl und wir haben uns zu einem Probeshooting verabredet. Das Wetter konnte dann an dem Tag nicht schlechter sein, es war windig, nass und extrem kalt. Aber Svenja ist mit bester Laune pünktlich erschienen. Wir haben uns grob eine Stunde den Hintern abgefroren und ein paar echt tolle Bilder bekommen. Da stand auch fest, das ich dieses Projekt mit Svenja umsetzen würde.

 

Wir mussten dann allerdings bis zum Sommer warten, um die richtigen Farben und Temperaturen zu bekommen. Als Kostüm war eigentlich eine Kriegerin geplant. Doch wir haben uns dann 2 Wochen vor dem Shooting für dieses wirklich tolle Indianerkostüm entschieden. Am Shootingtag hatten wir dann wirklich das Wetter wie bestellt. Die Felder, die wir uns vorher angeschaut hatten, standen im perfektem Licht und so ist dieses und noch einige andere Bilder entstanden.

 

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?

Ein großes Vorbild war für mich lange Zeit Robert Maschke, den ich noch heute sehr schätze. Er macht sehr düstere Bilder und ist daran Schuld, dass ich heute so gut wie jedes Model erstmal ins Parkhaus schleppe um mit dem vorhandenem Licht und einem kleinem Reflektor bewaffnet Bilder zu machen. Ich werde oft belächelt, wenn ich sage ich nutze ein Parkhaus als Lokation. Aber einige meiner besten Arbeiten sind dort entstanden. Ich habe mich recht schnell dann von anderen abgenabelt und versuche meinen eigenen Weg mit eigenen Ideen zu gehen. Wenn ich dann mal wirklich selbst keine Ideen mehr habe, dann nutze ich Plattformen wie Pinterest. Versuche aber diese Ideen dann ganz gezielt in meinen Stil zu integrieren und meine persönliche Art in das Bild zu bringen.

 

 

Wo liegen Ihre fotografischen Schwerpunkte?

Wir haben hier Zuhause zwar 4 wundervolle Main Coon Katzen, die mir oft Model stehen, und ich liebe Tiere wirklich sehr, aber ich habe mich entschlossen mit Menschen zu arbeiten. Von daher arbeite ich im Bereich Portrait.

 

Was ist Ihr nächstes fotografisches Projekt, Ihre nächste Herausforderung?

Projekte habe ich viele in der Planung. Ob ein Wasser-Shooting mit einem Model im Abendkleid, oder an einer sehr bekannten Burg in Deutschland. Ein Steinbruch steht auch noch in der Auswahl und so einiges andere. Im Moment möchte ich allerdings mehr in meinem Studio machen. Ich habe den Luxus, dass ich eine ehemalige Wohnung über meiner Wohnung nutzen darf und diese als Studio verwende. Doch tue ich mich sehr schwer mit dem richtigen Licht, da Blitzen noch einmal eine ganz andere Liga ist. Und was ich nicht kann, das nervt mich; also lerne ich um es besser zu machen.

 

Welche Rolle spielt Farbmanagement in Ihrem fotografischen Workflow?
Ich sehe es als das Wichtigste an. Das Bild selbst macht nur 20% meines Workflows aus. Die spätere Entwicklung am Rechner sind dann 80% und da spielen Farben die größte Rolle bei mir. Man sagt mir oft, dass ich einen recht hohen Wiedererkennungswert habe. Dieses kommt aber nicht nur von meiner Art zu Fotografieren, sondern wie ich mit den Farben arbeite. Ob das Bild dann den Betrachter abholt oder nicht, entscheiden zu 80% die Farben. Ich besitze zwar nur einen älteren Spyder4, aber diesen setze ich alle 4 Wochen auf meine beiden Monitore.

 

Was machen Sie mit ihren entstandenen Bildern, werden sie z.B. gedruckt, erstellen Sie ein Fotobuch, posten Sie sie in sozialen Netzwerken und auf Ihrer Website oder bleiben Sie einfach nur auf der Festplatte Ihres Rechners?
Natürlich gehen die Bilder in die sozialen Medien wie FB und Instagram oder meine eigene Webseite. Aber ich habe auch einige meiner Bilder hier im Studio und in der Wohnung als Leinwand-Druck. Das Indianerbild von Svenja verschönert unsere Küche auf 1,20 Meter und im Büro sind auch diverse Arbeiten zu finden. Ein Print ist für mich das Größte an der Fotografie und ich hätte gern mehr Wände die ich benutzen könnte.

 

Was möchten Sie fotografisch erreichen, wovon träumen Sie?
Ich möchte noch mehr Menschen erreichen und inspirieren. Und wenn dabei noch so viel Geld übrig bleibt, dass ich davon leben könnte, wäre das sicher toll. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Ich habe nicht studiert oder eine fotografische Ausbildung genossen. Ich sehe mich auch nicht als Photoshop-Profi oder dergleichen. 90% meiner Bilder entwickle ich aus dem Bauch nach Gefühl und oft erhalte ich auch harte Kritik dafür, mit der ich aber sehr gut leben kann. Ich habe mir alles selbst beigebracht und darauf bin ich sehr stolz. Wenn ich meinen normalen Job zeitlich um 50% reduzieren kann und die Fotografie den Rest trägt ohne dass ich unter permanenten Druck stehen muss, würde mir das schon genügen. Das ist mein Ziel, und wenn ich dabei noch das eine oder andere Werk für die Ewigkeit da lasse, ist das mein größter Lohn.

 

 

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