Spotlight On – Klaus Wohlmann

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
 

Als ich 16 Jahre alt war, hat mir mein Vater eine Voigtländer geschenkt. Die Kamera habe ich natürlich mitgenommen, als ich im selben Jahr mit meinem Mokick nach Marokko gefahren bin, um die Reise zu dokumentieren. Seitdem hat mich die Fotografie nicht mehr losgelassen und ich habe immer weiter daran gearbeitet.

 

Knapp 20 Jahre lang hat auch die Malerei in meinem Leben eine große Rolle gespielt; bis zum Jahr 2000 habe ich mich intensiv mit abstrakter Malerei, vorwiegend mit Acryllacken, beschäftigt und im Laufe der Zeit entstanden viele Collagen, die die Fotografie und die Malerei miteinander verbunden haben. Ich habe zum Beispiel Fotos auf Overhead-Folie gedruckt und in die Malerei mit eingebracht, oder sie auf Messingplatte fixiert, was den schönen Effekt hat, dass sich das Bild im Laufe der Zeit verändert. Ich mag Veränderung und vor allem den Alterungsprozess – sowohl im Leben als auch in der Fotografie und im Druck.

 

 

Über diese Art der Malerei stieg ich immer tiefer in die Fotografie ein und weil ich davon leben konnte, wurde die Malerei im Laufe der Zeit immer weniger präsent.
2006 war für mich noch einmal ein entscheidender Wendepunkt, denn damals bin ich alleine in die Republik Togo gefahren, was mich stark beeinflusst hat. Anschließend habe ich für ein Unternehmen in Köln gearbeitet und für sie erst Workshops konzipiert und veranstaltet, später dann selbst damit begonnen, Fotoworkshops zu geben. Inzwischen gehören auch viele Stammkunden zu meinen Auftraggebern, für die ich Veranstaltungen dokumentiere, Filmprojekte oder etwa Porträts erstelle.

 

Von der Fotografie zu leben nimmt zwar viel von der Kreativität (insbesondere, wenn es um die Erfüllung von Aufträgen geht), aber ich liebe meinen Job und lebe meine Kreativität gerne in freien Projekten aus.

 
 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 

Reportage- und Reisefotografie sind meine Schwerpunkte, wobei ich mich selbst als Fotokünstler sehe. Fotokunst bedeutet für mich, eine andere, tiefere Ebene der Fotografie zu erreichen und eine Verbindung zum Motiv zu schaffen.

 

Die Motivation für meine Arbeit entstand 2006 auf meiner Reise von Köln in den Togo. Damals fuhr ich auch mit einer Polaroidkamera im Gepäck los und wollte Menschen fotografieren. Ich habe dort immer darauf gewartet hat, dass jemand mich angesprochen hat, ob ich sie oder ihn fotografiere. Dann habe ich ein Bild gemacht und es der Person geschenkt. Darüber kam ein Gespräch zu Stande und ich konnte anschließend ein Bild mit der Person und dem Polaroid machen – so entstand eine Verbindung zwischen uns und auch eine Geschichte. Aus dieser Reise nach Togo sollte dann später ein Buch entstehen.

 

 
 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?
 

Eigentlich lebe ich von Herausforderungen. Jeder Auftrag birgt eine Herausforderung und regt mich dazu an, mich weiter zu entwickeln. Daher fällt es mir schwer, mich wirklich auf die „größte“ Herausforderung zu reduzieren.

 

Ein Beispiel ist, als ich Untertage in 800 Metern Tiefe einen Film drehen sollte. Es gab dort keinen Strom und somit musste das ganze Lichtequipment mit in die Tiefe. Ich durfte nichts vergessen und musste auf die Technik vertrauen. Trotzdem bleibt immer ein Rest Unsicherheit und Wagnis.

 

 

Ein zweites Beispiel liegt schon einige Zeit zurück, aber ich denke es hat immer noch Aktualität. Ein Kurzfilm, der aus knapp 2000 Fotografien entstanden ist: https://youtu.be/IBkL_VsquoE

 

Zunächst stand hier die Entwicklung einer Idee im Vordergrund, dann begann die Suche nach besonderen Locations und die Herausforderung, selbst bei Langzeitbelichtungen die Person (den Darsteller) in Bewegung zu bringen. Dann folgten der Bildschnitt und die Aufgabe, immer wieder fehlende Details hinzu zu fügen.

 

 

Ein weiteres Beispiel ist meine Reise nach Äthiopien, um dort Fotografien zu machen, die dem Betrachter einen Eindruck davon geben, wie dort die Welt aussieht. Ich wollte die Menschen in ihrer Umgebung portraitieren und musste mir dafür das Vertrauen der Bevölkerung erarbeiten. Aus der Vielzahl von Eindrücken das Richtige herauszufiltern und dann das bestmögliche Bild zu machen, sehe ich als eine Aufgabe, die mich fordert. Es ist nicht immer einfach, eine Reportage über einen Bauern zu machen und mit Bildern einen Einblick in sein Leben zu geben, seine Probleme und Herausforderungen auf das Foto zu bannen. Doch genau das macht meinen Job so spannend.

 

 
 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?
 

Die Welt und ihre Menschen.

 
 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?
 

Am Anfang eines Fotos oder einer Fotoserie steht für mich immer die Entwicklung eines Konzepts, bei dem ich mich auf die Aufgabe und die Herausforderung einlasse. Es bedarf einer guten Vorbesprechung, um auf den Kunden eingehen zu können und dann schließlich den Einsatz der nötigen Hilfsmittel und Gegebenheiten wie Licht, Sonne und Schatten, um zum Teil aus wenig und mit wenig am Ende viel zu machen.

 

Ich versuche immer, eine Geschichte im Bild zu erzählen und dafür lasse ich mich auf die Geschichte und die Personen ein. Dann betone ich das, was mich besonders an der Szene anspricht und nutze oftmals die Perspektive, um Beziehungen im Bild zu inszenieren.

 
 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?
 

Farben (oder die Abwesenheit von Farben bei Schwarzweiß-Aufnahmen) sind für die Wahrnehmung besonders wichtig, denn sie erzeugen Gefühle. Daher sind sie auch für mich sehr wichtig, schließlich möchte ich mit meinen Fotografien Gefühle wecken.

 

In der Auftragsarbeit ist die korrekte Abbildung der Farben natürlich besonders wichtig, weil sonst der Kunde, dem die Arbeit am Ende übergeben wird, unzufrieden ist.

 
 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
 

Ich rate allen, sich ihre Neugier zu erhalten. Bleibt neugierig und geht immer mit offenen Augen und offener Einstellung an die Situation heran. Arbeitet euch tiefer ein und geht weiter, verbleibt nicht bei dem, was euch oberflächlich anspricht oder befriedigt. Hinterfragt was ihr tut und dann findet eure eigene Handschrift.

 
 

 
 

Über den Autor – Klaus Wohlmann

 

 

Klaus Wohlmann fotografiert bereits seit er 16 Jahre alt ist und obwohl er eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat, schlug sein Herz schon immer für die Malerei und Fotografie. Seit 2007 ist er selbstständiger Fotograf und Workshopleiter. Als weit gereister Künstler liegt sein Fokus vor allem auf Projekten, die mit Menschen und ihrer Kultur zu tun haben.

 

Photography Type: Reportage und Reisefotografie