Tipps für die Fotografie von Herbstlaub – von David Long

 

Da ich in Neuengland lebe, bin ich mit vielen verschiedenen Landschaften gesegnet, wobei einige meiner Lieblingslandschaften die Landstraßen von New Hampshire, Vermont und Massachusetts sind. Die Kombination aus natürlichem, zerklüftetem Gelände und kleinen, ländlichen Dörfern hat mehrere Gebiete für die Herbstlaubfotografie weltberühmt gemacht. Die zahlreichen Scheunen, Kirchengebäude, Bauernhöfe und Dörfer in Kombination mit den lebhaften Farben der Jahreszeit ergeben ikonische Fotografien.

 

Im größten Teil des nördlichen Neuenglands beginnen sich die ersten Blätter Anfang September in tief gelegenen Gebieten zu verändern. Dieser allmähliche Prozess, bei dem die Bäume ihre Farbe ändern, beginnt in den höheren Lagen der White Mountains von New Hampshire und der Green Mountains von Vermont, wobei die kräftigste Laubfärbung gewöhnlich in der ersten Oktoberwoche auftritt. Mitte Oktober zieht die allmähliche Laubfärbung weiter nach Süden über das Ackerland im südlichen Vermont, im südlichen New Hampshire und in die Berkshire Mountains von Massachusetts und endet in der Regel Ende Oktober bis Anfang November an der Küste und im südlichen Neuengland.

 

Top Regionen

 

  • Hervorragende Baumvielfalt
  • Wenige bis gar keine größeren Städte
  • Schöne Höhenunterschiede für bessere Fotostandorte
  • Gute Vielfalt anderer Landschaftsformen (Berge, Seen, Teiche, Bäche)
  • Andere für New England typische Bauten und Artefakte (Scheunen, Kirchen, Brücken, unbefestigte Straßen)
  • Überwiegend zweispurige, kurvenreiche Straßen
  • Mehrere Fotostandorte in unmittelbarer Entfernung

 

Ausrüstung

 

  • Für die Herbstfotografie ist keine besondere Ausrüstung nötig
  • Kamera – jede DSLR oder spiegellose Kamera ist geeignet
  • Objektiv – Weitwinkelobjektive für weitläufige Landschaften und Gebiete mit Platzbeschränkungen, längere Teles zum Isolieren und Komprimieren von Szenen und ein Makro für Nahaufnahmen von Laub
  • Drohne – ungeahnte Möglichkeiten für Herbstlaub-Fotos mit einer Drohne
  • Stativ / Stativkopf – am besten ein leichtes Stativ für kleinere Wanderungen zu Aussichtspunkten und ein robustes Stativ, das man für größere Objektive einsetzen kann
  • Polfilter – bestens geeignet, um Reflexionen von Laub und Wasser zu entfernen und Farbsättigung zu erhöhen
  • ND-Filter – mit 3 oder 6 Blendenstufen für Fotos von fließendem Wasser
  • Kameratasche – mit genügend Platz für die Ausrüstung sowie Platz für etwas Schutzkleidung vor Nässe und Kälte
  • Regenschutz – ein Kleiner Schirm, eine Kameraabdeckung, sonstiger Nässeschutz und Reinigungstücher

 

 

Bildkomposition – Fokuspunkt

 

Der springende Punkt beim Fotografieren von Landschaften im Herbst ist, daran zu denken, dass das Laub dem Bild einfach nur zusätzliche Farbe gibt. Man braucht immer noch eine starke Bildkomposition, um das Interesse des Betrachters zu wecken.

 

  • Es ist im Grund immer wichtig, einen Fokuspunkt zu setzen.
  • Der Fokuspunkt ist der Anker oder das Wesentliche, das Ihr Bild ausmacht.
  • Wenn in der Szenerie kein Schwerpunkt gelegt wurde, weiß der Betrachter nicht, was er sich anschauen soll, und verliert schnell das Interesse.
  • Eine effektive Bildkomposition zeichnet sich dadurch aus, wie Sie die verschiedenen Bildelemente zueinander in Beziehung setzen und dabei Licht und andere Techniken für einen sanften, visuell angenehmen Übergang zum Fokuspunkt einsetzen.

 

 

Bildkomposition – Positionierung

 

  • Es gibt viele verschiedene Regeln dafür, wo man den Fokuspunkt legen sollte.
  • Versuchen Sie, die von Ihnen gewählte Szenerie anders als gewöhnlich abzubilden.
  • Arrangieren Sie die Szene so, dass sowohl das Laub als auch der Fokuspunkt zur Geltung kommen.
  • Wählen Sie Ihren Bildausschnitt über and neben dem Fokuspunkt.
  • Verwenden Sie das Laub als Hintergrund noch hinter dem Fokuspunkt.
  • Setzen Sie im Vordergrund führende Linien ein, die das Auge zum Fokuspunkt leiten.
  • Brechen Sie die gängigen Regeln auf “elegante” Art und Weise.
  • Machen Sie das, was Sie für Ihr Auge als richtig erachten.

 

 

 

Komposition – Tiefe

 

Verschiedene Bildebenen schaffen Tiefe und wecken damit Interesse an einer Herbstszenerie. Verwenden Sie das Blattwerk, um Ihrer Szene unterschiedliche Ebenen zu verleihen. Anders als im Sommer, wo Grün die vorherrschende Farbe ist, bietet der Herbst viele verschiedene Farben – manchmal sogar an nur einem einzigen Baum – mit denen Sie den Betrachter in Ihr Bild hineinziehen können.

 

  • Im Vordergrund können natürliche Rahmen- und Führungslinien mit heruntergefallenen Blättern stehen, die Straßen und Zäune oder Felsen in Bächen und in ruhenden Gewässern bedecken.
  • Die Mitte ist normalerweise dort, wo der Fokuspunkt liegt und das Bild stimmig erscheinen lassen oder komplett ruinieren kann. Rahmen Sie den Fokuspunkt mit Laub ein.
  • Im Hintergrund befindet sich normalerweise der Himmel oder ein anderes Landschaftselement. Wenn Sie aber stattdessen nach unten fotografieren, ist Laub gerade an einem regnerischen oder nebligen Tag ein wunderbarer Hintergrund, der für eine mystische Atmosphäre sorgt und zusätzliche Tiefe ins Bild bringt.

 

 

Perspektive

 

  • Gehen Sie näher heran und fotografieren Sie häufiger mal von unten.
  • Wenn Sie näher herangehen, geben Sie den Betrachtern das Gefühl, Teil der Szenerie zu sein.
  • Fügen Sie Ihrer Szenerie dynamische Vordergrundelemente hinzu.
  • Setzen Sie ein Weitwinkelobjektiv ein, um die Vordergrundelemente besonders zu betonen.
  • Wenn Sie von unten fotografieren, verändert sich das Aussehen der Szene, da die meisten Menschen sie auf Augenhöhe betrachten. Dieser Perspektivwechsel steigert das Interesse des Betrachters.
  • Im Spätherbst eignen sich bereits herunter gefallene Blätter großartig als Vordergrundelement, solange sie nicht zu geordnet aussehen und arrangiert wirken.

 

 

Perspektive

 

  • Fotografieren Sie nach oben oder unten anstatt geradeaus.
  • Wenn Sie direkt nach oben fotografieren, machen Sie sich eine Perspektive zu Nutze, die auf viele Leute ungewöhnlich wirkt. Gerade bei Bäumen mit schmalen Stämmen, wie zum Beispiel Birken, wirkt die Wahl dieser Perspektive besonders gut.
  • Das direkte Fotografieren nach unten funktioniert für Herbstlaub am Boden oder im Wasser ganz ausgezeichnet.

 

 

Wetter

 

If the scene has little or no sky, cloudy days are the best for fall foliage

  • Wenn die Szene wenig oder keinen Himmel beinhaltet, sind bewölkte Tage für die Fotografie von Herbstlaub am besten geeignet.
  • Keine Schatten
  • Kräftigere Farben
  • Man kann den ganzen Tag lang fotografieren.
  • Fotos können schöne Farben haben, aber dennoch leicht flau oder uninteressant wirken.

Regnerische und neblige Tage sind bestens geeignet.

  • Feuchtigkeit unterstützt die Farbgebung und verstärkt die Farbwirkung.
  • Schlechtes Wetter bietet der Szene eine weitere Facette.
  • Es verleiht dem Bild eine leicht mysteriöse Komponente und auch eine Geschichte.
  • Zumeist hat man die Shootinglocation für sich allein.

Viele Sonnentage im Herbst

  • Fotografieren Sie am frühen Morgen oder späten Nachmittag.
  • Suchen Sie nach Motiven, bei denen die Sonne günstig steht und wenig Schatten verursacht.
  • Fotografieren Sie im Schatten und vermeiden Sie so hartes Licht und schattige Konturen im Bild.
  • Suchen Sie nach interessanten Wolkenformationen, die die Szenerie schön ergänzen.
  • Hoffen Sie auf einen interessanten Himmel, besonders bei Sonnenauf- und -untergang.
  • Bei direktem Sonnenlicht versuchen Sie, die Blätter von hinten beleuchtet zu fotografieren.
  • Sonnenstrahlen, die durch die Bäume brechen, können ebenfalls ein tolles Motiv abgeben, allerdings lenkt diese Bildgestaltung vom Laub als Hauptmotiv ab.

 

 

Wasser

 

Stilles Wasser

  • Das Auge strebt nach Symmetrie.
  • Spiegelungen bedeuten doppelt so viel Farbe.
  • Umkehrung und Verzerrung machen es interessant.
  • Es sollte möglichst windstill sein, damit man mit langen Verschlusszeiten fotografieren kann.
  • Hier bleibt Morgendunst / Nebel länger erhalten.

Wasser in Bewegung

  • Bewegung kann einem Bild etwas Dramatisches und Emotionales verleihen.
  • Die Kamera kann Bewegung im Zeitablauf erfassen, wie es Ihr Auge nicht kann
  • Setzen Sie ND-Filter ein, um die Dinge etwas zu entschleunigen.
  • Experimentieren Sie nach Herzenslust.

Wasserfälle

  • Wasserfälle sind grundsätzlich hell und dadurch auch immer ein Blickfang. Daher müssen Sie sich entscheiden, ob der Wasserfall in Ihrem Bild eine größere oder kleinere Rolle bei Ihrer Bildgestaltung spielen soll.
  • Entscheiden Sie, ob Sie mit kurzer Verschlusszeit fotografieren, um das Wasser einzufrieren, oder mit langer, um Bewegung einzufangen.
  • Verwenden Sie ND-Filter, um längere Belichtungszeiten zu erzielen:
    • ¼ – ½ Sekunde für schnell fließendes Wasser
    • ½ – 1 Sekunde für langsam fließendes Wasser
  • Fotografieren Sie immer an bewölkten Tagen, um grelles Licht und Schatten zu vermeiden.

 

 

 

Kameraeinstellungen

 

  • Weißabgleich – Wenn Sie im RAW-Format fotografieren (empfohlen), fotografieren Sie mit automatischem Weißabgleich. In der Nachbearbeitung können Sie ihn später noch ändern. Ich bevorzuge kühlere Farbtöne um 5000-5500 k.
  • ISO – Wenn Sie ein Stativ verwenden, wählen Sie einen möglichst niedrigen ISO-Wert. Müssen Sie den ISO-Wert erhöhen, denken Sie daran, dass jede Erhöhung die Bildqualität verschlechtert, da in den dunklen Bereichen mehr Rauschen entsteht.
  • Blende – Stellen Sie Ihre Blende auf f/8 für Weitwinkel- und f/11 für Teleaufnahmen. Dies ist ein guter Ausgangspunkt, je nachdem, welche Tiefenschärfe Sie erreichen wollen.
  • Verschlusszeit – Solange Sie mit Stativ fotografieren, ist die Verschlusszeit zweitrangig für ein korrektes Histogramm. Der Wind ist der Hauptfeind, dessen man sich bewusst sein muss, wenn es darum geht, die Blätter „einzufrieren“.
  • Polfilter – Verwenden Sie einen, um den Blättern den Glanz zu nehmen und gesättigtere Farben zu erzielen.
  • Belichtungskorrektur – Normalerweise wähle ich eine Unterbelichtung von 1/3 bis 2/3 Blende, um Farben zu verstärken und sicherzustellen, dass meine helleren Bildbestandteile nicht überbelichtet werden.
  • Bracketing – Wenn das gesamte Histogramm nicht in das Bildfenster passt, erwägen Sie eine Belichtungsreihe mit drei verschiedenen Belichtungseinstellungen. Das erste Foto richtet sich an der mit meinem Belichtungsmesser gemessenen hellsten Lichtquelle der Szene aus, anschließend mache ich zwei weitere Aufnahmen mit Belichtungen von 1-1/2 und 3 Blendenstufen darunter.
  • Orientieren Sie sich an Ihrem Histogramm und nicht am Bildfenster als Referenz zur Beurteilung von Belichtung, damit die Spitzlichter nicht ausfressen, und lernen Sie ETTR (Expose To The Right).

 

 

RAW

Finished

 

 

Bildbearbeitung – Adobe Lightroom oder ähnliche Programme

 

  • Keine Kamera kann das festhalten, was Ihr Auge gesehen hat.
  • Während das Auge etwa 24 Dynamikstufen umfasst, erfassen die besten Kameras nur etwa 14 Stufen.
  • Mit der Nachbearbeitung Ihrer Bilder können Sie dem, was das Auge sieht, deutlich näher kommen.
  • Fotografieren Sie im RAW-Format.
  • Kümmern Sie sich um ein gutes Werkzeug zur Monitorkalibrierung (Datacolor SpyderX) https://spyderx.datacolor.com/
  • Machen Sie sich mit den Grundeinstellungen von Lightroom (oder ähnlichen Programmen) vertraut, um die Bildbearbeitung Ihrer Landschaftsaufnahmen dramatisch zu verbessern.

 

 

HSL

Vibrance

Saturation

 

 

Dynamik vs. Sättigung vs. HSL mit dem Werkzeug zur direkten Anpassung im Bild

 

  • Das HSL Panel mit dem Werkzeug zur direkten Anpassung im Bild ermöglicht eine individuelle Korrektur von Farbtönen jeder einzelnen Farbe, Sättigung und Luminanz – diese Korrektur sollten Sie immer einsetzen.
  • Der Schieberegler Dynamik ist ein typisches globales Korrekturwerkzeug und beeinflusst die Farbwiedergabe im gesamten Bild – diese Korrektur sollten Sie selten einsetzen.
  • Der Schieberegler Sättigung ist ein untypisches globales Korrekturwerkzeug und sättigt die Farben im gesamten Bild – am besten setzen Sie diese Korrektur gar nicht ein.

 

 

Übersicht

 

  • 5 Locations in 6 Regionen
  • Beschreibung der Location
  • GPS und Adresse von Parkplatz und Location
  • Trail-Informationen einschließlich Zeitdauer und Schwierigkeitsgrad
  • Bester Fotozeitpunkt im Herbst
  • Beste Tageszeit für das Shooting
  • Optimale Bedingungen / Wetter
  • Vollständige Metadaten für Begleitbilder
  • Location-spezifische Tipps und Tricks
 
 

Über den Autor – David Long

 

Ich lebe in Massachusetts, bin seit zehn Jahren professioneller Landschaftsfotograf und leite Workshops in ganz New England. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte https://www.bluehourboston.com/by-instructor

 

Ich habe folgende eBooks veröffentlicht:

  • FALL FOLIAGE LANDSCAPE PHOTOGRAPHY IN NEW ENGLAND
  • CREATING LANDSCAPE IMAGES
  • CENTRAL VERMONT - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • BOSTON - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • NORTHEASTERN VERMONT - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • WHITE MOUNTAINS - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • CENTRAL MASSACHUSETTS - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • LOWER CAPE COD - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • PROVINCETOWN - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
  • SAINT AUGUSTINE - SELF-GUIDED PHOTO WORKSHOP
 

Alle zum Kauf erhältlichen eBooks und Drucke finden Sie unter www.davelongphoto.com. Folgen Sie mir gerne auch auf www.instagram.com/davidlong3653