Bewährte Arbeitsweisen für das Messen von textilen Mustern

Farbkonstanz ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal in der Textilbranche, und die einzige zuverlässige Möglichkeit zur Beurteilung der Farbe ist die Farbmessung. In diesem Blog werde ich einige der besten Arbeitsweisen für das Messen von textilen Mustern besprechen.

 

Messtechnik

 

Eine „Messtechnik“ beschreibt, wie ein Muster mit einem Spektralphotometer gemessen wird, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse präzise und wiederholbar sind.  Ideal ist eine wiederholbare Messtechnik dann definiert, wenn eine Probe mit einer Abweichung von weniger als 0,15 Einheiten dE (CMC) gemessen, vom Instrument entfernt und anschließend erneut gemessen werden kann. Jede größere Toleranz führt zu unzuverlässigen Entscheidungen über die Probenqualität.

 

Nachfolgend einige Faktoren, die sich auf die Wiederholbarkeit der Mustermessung auswirken können:

 

Mustergröße:
Für die meisten Messungen wird die Mustergröße zu mehreren Lagen gefaltet.  Das heißt, die Probe sollte groß genug sein, damit sie in gefaltetem Zustand immer noch die Öffnung des Spektralphotometers abdeckt.  Proben mit Abmessungen von weniger als 7,5 x 7,5 cm können schwierig zu falten und wiederholbar zu messen sein.

 

Dicke:
Wenn ein Muster nicht lichtundurchlässig ist, gelangt bei der Messung Licht durch das Muster. Das Licht wird vom Hintergrundmaterial oder vom Probenhalter reflektiert und verursacht irreführende Reflexionsdaten. Bei den meisten Gestricken und Geweben reichen zwei bis vier Lagen des Materials aus, um die Lichtundurchlässigkeit zu gewährleisten.

 

Leichte und durchscheinende Materialien sind unter Umständen selbst mit vier Lagen nicht lichtundurchlässig, aber durch die Verwendung von mehr Lagen würde das Material ins Innere des Instruments gedrückt. Messen Sie stattdessen nur wenige Lagen des Materials und hinterlegen Sie es dabei mit einer weißen Keramikkachel wie der Kalibrierkachel des Instruments. Mit identischen weißen Kachelhintergründen gemessene Proben lassen sich dennoch nummerisch vergleichen, da die Einwirkung des Hintergrunds identisch ist.

 

Positionierung

Messungen können je nach Gewebekonstruktion oder infolge ungleichmäßiger Färbung abweichen. Um das zu berücksichtigen, entfernen Sie das Muster aus dem Instrument und falten sie neu oder positionieren sie neu, bevor Sie zusätzliche Messungen vornehmen.  Das Muster zwischen den Messungen nur zu drehen, ohne es neu zu positionieren, wird zu keinen wiederholbaren Ergebnissen führen.

 

Beim Messen ist es außerdem wichtig, Bereiche des Musters zu meiden, die durch Verschmutzungen, Fingerabdrücke, Knitter, Farbstoffflecke oder sonstige Einflüsse verunreinigt sind.

 

Anzahl der Messungen
Es folgt eine Technik zur Bestimmung der für präzise Daten erforderlichen Anzahl von Messungen:

 

  • Messen Sie ein Muster – welches Sie dabei drehen und neu positionieren – achtmal und speichern Sie den Durchschnitt.
  • Messen Sie die Probe mit derselben Technik noch siebenmal.
  • Wiederholen Sie den Vorgang mit abnehmender Messanzahl bis hinunter auf zwei Messungen.
  • Prüfen Sie die Farbabstandsdaten zwischen jedem Test und dem ursprünglichen Muster und ermitteln Sie den Punkt, an dem der Wert dE (CMC) das gewünschte Limit von 0,15 überschreitet. Daraus ergibt sich die korrekte Anzahl von Messungen für präzise Musterdaten.
  • Messen Sie das Muster abschließend mindestens noch viermal mit der ermittelten Anzahl der Messungen und stellen Sie sicher, dass die Abweichung in keinem Fall den Wert von 0,15 überschreitet.

 

Wenngleich dieser Vorgang zunächst zeitintensiv ist, gewährleistet er präzise Daten und stimmigere Farbqualitätsentscheidungen.

 

Musterarten 

 

Je nach Musterart, z.B. Gewebe, Faser oder Garn, kann es erforderlich sein verschiedene Messtechniken zu entwickeln.

 

Gewebe
Flachgewebe- und Strickmuster sind aufgrund ihrer einheitlichen Konstruktion am einfachsten wiederholbar zu messen. Wie zuvor erwähnt kann die Dicke bei sehr dünnen Geweben ein Problem darstellen und erfordern, dass man sie mit einer weißen Hintergrundkachel misst.

 

Ebenso erfordern voluminöse Gewebe oder Polgewebe eine besondere Handhabung. Diese Muster sollten hinter einer Glasscheibe gemessen werden, das Spektralphotometer sollte im Messmodus ohne Glanzeinschluss konfiguriert sein, damit Reflexionen durch das Glas nicht berücksichtigt werden.  Es können auch spezielle Probenhalter verwendet werden, um zu verhindern, dass Polgarne in das Instrument ragen.

 

Lose Fasern
Es kann auch schwierig sein, lose Fasern wiederholbar zu messen. Lose Fasern können in das Spektralphotometer ragen und dadurch zu Messabweichungen führen, deshalb ist in der Regel eine Messung hinter einer Glasscheibe oder mit einem Probenhalter aus Glas nötig.

 

Um die Wiederholbarkeit bei speziellen Probenhaltern zu verbessern, platzieren Sie eine exakte Fasermasse in den Probenhalter und üben Sie einen gleichbleibenden Druck darauf aus. Dadurch werden Abweichungen durch Lücken zwischen Fasern beseitigt.

 

Garn
Garn lässt sich präzise messen, indem man es zuvor um eine Karte oder ein Schildchen wickelt. Um Messabweichungen zu vermeiden, muss die Fadenspannung von Probe zu Probe kontrolliert werden.

 

Es können auch speziell gefederte Vorrichtungen verwendet werden, um einen Garnstrang an einer Platte zu befestigen. Idealerweise müssen einzelne Garnfäden in einem Strang ausgerichtet werden, um Schatten zu verhindern, die das Instrument als Unterschiede der Farbtiefe wahrnehmen würde. Der Strang muss außerdem so dick sein, dass kein Licht durch die Fäden dringt und vom Hintergrund reflektiert wird.

 

Gestrickte Ärmel
Für die Bestimmung der Farbqualität bei Spulenfärbung werden häufig gestrickte Ärmel herangezogen.  Durch die einheitliche Konstruktion und Größe ist die Messung mit dem größten Ansichtsfenster des Spektralphotometers bei gestrickten Ärmeln relativ unkompliziert.

 

Durch Verstricken des Standards und der Probe im selben Ärmel lassen sich potenzielle Abweichungen zwischen Proben beseitigen, die unter verschiedenen Umständen hergestellt werden, zum Beispiel mit verschiedenen Strickmaschinen.

 

Probenmesstabellen

 

Die folgenden Tabellen geben typische Messschwankungen für verschiedene Gewebearten an. Die Erste gibt Werte für Gestricke/Gewebe bei Verwendung von zwei häufig eingesetzten Instrumentenöffnungen an, die Zweite Ergebnisse für mit und ohne Glas gemessene voluminöse Gewebe/Polgewebe.

 

Wenngleich diese Tabellen nützliche Anhaltswerte liefern, sollte jedes Unternehmen die eigenen Materialien mit den hier beschriebenen Techniken bewerten. Die Wiederholbarkeit der Verfahren muss umfassend getestet und bestätigt werden, um auszuschließen, dass sich durch unzulängliche Messtechniken Fehler in instrumentellen Qualitätskontrollprogrammen einschleichen.

 

Wie immer stehe ich gern für Beratung zu jedem Aspekt Ihrer Textilfarbverwaltungsabläufe zur Verfügung.