Es ist Zeit, gemusterten Proben bei der Farbabstimmung den Respekt zu zeigen, den sie verdienen

Von Dustin Bowersox

 

Wir können die Antwort auf fast alle Fragen innerhalb von Sekunden nachschlagen, von unserem Handy aus ein Taxi rufen und nahezu alles innerhalb von zwei Tagen oder weniger an unsere Haustür liefern lassen.

 

Heutzutage wird sofortige Erfüllung verlangt. Die Mode ist da keine Ausnahme. Von Laufstegen über Filme und Serien bis zu unseren Handy-Bildschirmen, überall sind Stil-Influencer. Und wo immer ein Stil-Influencer ist, da sind kaufbereite Konsumenten, die die neusten Trends in ihren Schränken haben wollen – am liebsten gestern.

 

Das stellt Marken und Textilfabriken vor zwei oftmals konkurrierende Prioritäten: so schnell wie möglich auf Trends zu reagieren und der Identität der Marke treu zu bleiben. Zum Glück sind Fortschritte in der präzisen digitalen Messung von einfarbigen Textilien zur Rettung angetreten. Allerdings war dies nicht der Fall für aufwändigere Textilien wie gemusterte Stoffe, Zierleisten, Garne, Reißverschlüsse und Spitze.

 

Das muss sich ändern. Was wird benötigt, um sich dieser Herausforderung zu stellen? Schauen wir es uns an.

 


 

Eine farbenfrohe Geschichtsstunde

 

 

Vor langer, langer Zeit war es unrentabel, kostspielig und höchst subjektiv, auf Trends mit den richtigen, konsistenten Farben zu reagieren. Schließlich kann eine Farbe komplett anderes aussehen, je nachdem, wen man fragt—und in welchem Licht sich die Person befindet, wenn sie Farben bewertet. Dazu kamen andere schwerwiegende Hindernisse bei der angemessenen Farbanalyse:

 

    1. Muster wurden zur abschließenden Bestätigung an die Markenzentrale in einem anderen Land gesendet, was den Entwicklungsprozess um Wochen verzögerte.
    2. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl in Farbteams ist mit der Zeit erheblich gesunken, sowohl bei der Marke als auch auf Seiten der Lieferkette.

 

Zum Glück nahmen einige industrielle Veränderungen einen Teil des Drucks aus dem Prozess, den Kunden so schnell wie möglich die Trends zu liefern, hinter denen sie her waren:

 

  1. Marken begannen, regionale Niederlassungen einzurichten, in denen Freigaben erfolgen konnten, was Wochen im Entwicklungskalender gut machte.
  2. Die Festlegung von ausgereiften Farbstandards und die Einführung der Lieferketten-Akkreditierungen verkürzte – oder eliminierte sogar manchmal – den Farbfreigabeprozess für Entwicklungsmuster.
  3. Die Verwendung von Spektralfotometern (Werkzeuge zur genauen Ermittlung der Farbe eines Materials), QC (Qualitätskontrolle) -Software und Lichtboxen (zur visuellen Bewertung unter verschiedenen Lichtquellen) machte den Prozess wesentlich objektiver und führte zu Kostenersparnissen und einer schnelleren, passenderen Antwort auf Trends.

 


 

Das fehlende Teil

 

 

Obwohl niemand bezweifelt, dass sie die Spielregeln der Industrie für immer geändert haben, haben die logistischen und technologischen Fortschritte, die wir gerade besprochen haben, ein großes Manko: Sie gelten nur für Unifarben. Und das heißt nicht nur, dass Punkte, Blumenprints und Streifen außen vor sind.

 

Die Analyse von Spitze, Reißverschlüssen, Garn und sogar Kleidungsstücken mit einer andersfarbigen Leiste blieb hochqualifizierten (und hoch bezahlten) Farbexperten und Designern überlassen, was kostbare Zeit kostete, die anderweitig genutzt werden könnte. So sieht der Prozess heute aus:

 

  1. Die Lieferanten nehmen eine visuelle Überprüfung der mehrfarbigen Textilien vor.
  2. Dann senden sie Muster ins Ausland an die Marken, um genau das gleiche zu tun (Hoffen wir mal, dass die Marken und die Käufer die gleiche Ausbildung und Erfahrung haben).
  3. Wie man sich vorstellen kann, sind abgelehnte Muster oft unvermeidbar. Wenn das passiert, führt es zu weiteren Prüfungen, was den ganzen Prozess noch weiter in die Länge zieht.

 

In einer Welt, in der es für alles eine APP gibt, sortieren diese Farbexperten und Designer die Farbmuster immer noch alphabetisch und archivieren sie. So qualifiziert sie auch sein mögen, sehen selbst die erfahrensten Farbteams eine Farbe nicht montags auf die gleiche Weise wie freitags. Dafür könnte man jetzt den Designern die Schuld geben, aber eigentlich ist es eine Frage der visuellen Bewertung. Also, was macht ein Farbexperte, wenn er die Konsumenten nicht warten lassen kann?

 


 

Entwicklung einer Antwort

 

 

Der Schlüssel zur Aufnahme dieser „nicht messbaren“ Materialien in das digitale Farbmanagement ist eine Methode namens hyperspektrale Bilderfassung, bei der Sensoren Informationen als Gruppe von Bildern anstelle eines einzelnen Bildes aufnehmen.

 

Sagen wir, zum Beispiel, dass der neueste Trend ein aufwändiges Blumenmuster ist. Die hyperspektrale Bilderfassung ermöglicht es, ein Muster in viele verschiedene Bilder für die Wellenlängen des elektromagnetischen Spektrums aufzuschlüsseln. Dann werden diese Bilder für eine objektive Messung vorbereitet, indem sie zu etwas namens hyperspektraler Datenwürfel kombiniert werden. Das Ergebnis ist eine akkurate Analyse jeder Farbe des Musters (oder der Spitze, des Reißverschlusses, des Stoffs, der Leiste, …). Nicht zu schweigen von den vielen erleichterten Mitarbeiter bei Marken und Textilfabriken.

 

Diese Methode der Farbermittlung mag neu in der Textilwelt sein, aber in anderen Branchen ist die hyperspektrale Bilderfassung gar nicht so neu. Sie wird in der Astronomie verwendet, um Galaxien und Sterne abzubilden; in der Landwirtschaft zur Untersuchung erkrankter Ernten und in der Geologie und Geographie zur Messung von Topografie und Feuchtigkeitsquellen. Außerdem findet sie in der Biomedizin und der Überwachungstechnik Anwendung.

 

In anderen Worten, Inspiration ist überall, von den neuesten Trends bis zur bahnbrechenden Technologie, die verwendet wird, um sie zu messen.

 


Um mehr darüber zu erfahren, wie wir die digitale Farbmessung zu Leisten, Spitzen, Garn, Reißverschlüssen, Mustern und anderen „nicht messbaren“ Textilien bringen, besuchen Sie datacolor.com/spectravision. Und um auf dem neuesten Stand der Trends und Neuigkeiten aus der Welt der Farben zu bleiben, abonnieren Sie unseren Newsletter.