„Farbe betrifft alles und jeden“: Interview mit Joanne Thomas von Coloro

Joanne Thomas, verantwortlich für kreative Inhalte bei Coloro, kam vom globalen Trendforschungsunternehmen WGSN, von wo sie Einblicke in zukunftsgerichtetes Denken mitbrachte. Nach einem Damenmodedesign-Studium arbeitete Joanne für Luxus- und High Street-Modemarken und sammelte umfassende Design- und Verbraucherkenntnisse, die sie nun in das Coloro-Team einbringt.

 

Coloro in Joannes Worten: „Coloro ist ein wirklich universelles Farbsystem, das die Art und Weise verändert, wie Menschen mit Farben arbeiten. Mit Coloro, einem intelligenten, logischen Farbsystem für präzise und schnelle Farbentscheidungen, sparen Sie wertvolle Zeit und Geld und beschleunigen die Markteinführung.“

 

interview with Coloro head of content Joanne Thomas

 

Lesen Sie unser Interview mit Joanne.

 

Datacolor: Warum ist Farbe so wichtig?

 

Joanne Thomas: Farbe ist so wichtig, weil sie alles und jeden betrifft. Sie stellt eine ursprüngliche, primitive Sprache dar, die wir alle von Geburt an beherrschen. Sie ist in der Lage, uns gut gelaunt oder depressiv zu stimmen – die Macht der Farbe sollte nicht unterschätzt werden. Schon in der Vergangenheit wurden Farben zu therapeutischen Zwecken genutzt und hoch geschätzt. Blau ist dafür bekannt, Krankheiten und Schmerzen zu lindern. Rot stimuliert Körper und Geist.

 

Jetzt sind Farben eine Form des Eskapismus und drückten zuletzt Trotz angesichts einer Welt aus, die man nicht mehr versteht. Farbe steht im Vordergrund des Designs. Für Marken war es noch nie so wichtig wie heute, den perfekten Farbton auszuwählen.

 

DC: Erinnern Sie sich, wie Ihnen zum ersten Mal bewusst wurde, wie komplex und wirkungsvoll Farben sein können? Wie war diese Erfahrung?

 

JT: Ich glaube, es war, als ich an der Universität mit dem Modedesign-Studium anfing und begriff, dass eine Farbänderung ein Outfit komplett verändern kann. Ich musste lernen, faszinierende Farbkombinationen zu erstellen, die verbindendes Element einer Kollektion waren. Ein falscher Farbton hätte den gesamten Look zerstört.

 

Das war mir nie zuvor so bewusst geworden. Sowohl in der Schule als auch an der Universität fehlte es an Farbtheorie und -ausbildung, und ich denke, es wird oft vergessen, wie wichtig diese sind. Ich verstand nicht die Harmonie von Farbkombinationen und wie wichtig sie für eine in sich schlüssige und attraktive Kollektion ist.

 

DC: Wie denken Sie jetzt über Farben im Vergleich zu früher, als Sie bei Coloro anfingen?

 

JT: Für mich hat es hinsichtlich der Farben eine ständige Weiterentwicklung gegeben. Ich hatte keine Ahnung von der Wissenschaft, die hinter den Farben steckt, und mich nie mit der eher technischen Seite der Realisierung des perfekten Farbtons befasst. Meine Erfahrung beschränkte sich ausschließlich auf die Modebranche. Durch die Arbeit für Coloro hatte ich das Privileg, andere Branchen und deren Umgang mit Farben zu erkunden und zu verstehen.

 

Ich habe auch erlebt, wie Farben Menschen begeistern können und wie vielfältig die Auswahl an unterschiedlichen Farbtönen ist. Ich bin unglaublich glücklich, dass im Mittelpunkt meiner Arbeit ein so abwechslungsreiches und emotionales Thema steht. Wer würde nicht gerne den ganzen Tag über Farbe reden?

 

DC: Persönlich finde ich es interessant, dass hinter den Farben eine komplexe Wissenschaft steht, aber der Endverbraucher muss nichts über diese Wissenschaft wissen, um von ihnen beeinflusst zu werden. Wie denken Sie über diese zwei sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit Farben?

 

JT: Wenn man die komplexe Wissenschaft der Farben nicht kennt, erlebt man sie meiner Meinung nach nur auf einer emotionalen Ebene. Man erlebt Farben, indem man fühlt, welche Erinnerungen an bestimmte Farben hängen und welche Farben aktuell sind. Sobald man sich jedoch eingehender mit der Wissenschaft der Farben befasst, verliert sich der emotionale Aspekt etwas, wenn man erkennt, dass Farbe nur Licht ist, das von Ihrem Gehirn übersetzt wird und sich je nach Substrat, Lichtquelle und Sehvermögen des Betrachters verändern kann.

 

DC: In welchen Branchen spielen Farben eine wichtige Rolle – von denen, bei denen man es ohnehin erwartet, bis zu denen, in welchen man es eher nicht erwartet hätte?

 

JT: Ich glaube heute, dass Farben in wirklich jeder Branche eine wichtige Rolle spielen. Von der Automobilindustrie, die ihre Farbauswahl fünf Jahre vor Produktionsbeginn trifft, über die Werbung, bei der die Wirkung eines Logos mit der richtigen bzw. falschen Farbe steht oder fällt, bis hin zur Inneneinrichtung, bei der ein in einem falschen Gelbton gehaltener Raum bei Besuchern Übelkeit hervorrufen kann.

 

Ich bin heute der Meinung, dass es keine Branche gibt, in denen es überrascht, dass Farben eine wichtige Rolle spielen, denn immer mehr Menschen verstehen, wie wichtig Farben bei einer Kaufentscheidung sein können.

 

DC: Was hat Sie hinsichtlich der Bedeutung von Farbe überrascht?

 

JT: Für einige Branchen war ich überrascht, wie viele verschiedene Substrate benötigt werden, um den exakt gleichen Farbton zu erzielen. Zum Beispiel wollen Architekten auf Holz, Metallen, Kunststoffen und manchmal Teppichen den exakt gleichen Farbton erzielen. Dies ist äußerst schwierig, da jedes Material so unterschiedlich auf den Farbstoff reagiert.

 

DC: Können Sie sich eine Welt ohne die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Farbkontrolle vorstellen?

 

JT: Es würde alle Branchen erheblich beeinträchtigen. Es gäbe keine Farbkonsistenz über alle ihre Produkte oder Stillinien hinweg, die Farben würden je nach den verwendeten Materialien und Lichtquellen vollständig unterschiedlich wirken.

 

DC: Wie wichtig ist es für Menschen, die professionell mit Farbe arbeiten, die Geschichte der Farbmethodik sowie die Wissenschaft und Technologie dahinter zu verstehen?

 

JT: Die Geschichte der Farbmethodik ist interessant, um zu zeigen, wie schwierig es ist und war, herauszufinden, wie das Gehirn auf die „Illusion“ des Farbensehens reagiert. Sie kann auch zeigen, wie sich unsere Beziehung zur Farbe im Laufe der Zeit entwickelt hat und wie sich die Konnotationen, die mit bestimmten Farbtönen verbunden sind, im Laufe der Zeit entwickeln. Zum Beispiel, wie Blau in der Vergangenheit nur für Gemälde der Jungfrau Maria reserviert war, weil es so teuer in der Herstellung war – und jetzt eine der am häufigsten verwendeten und beliebtesten Farben ist.

 

Grundkenntnisse der Wissenschaft der Farben können viel dazu beitragen, dass Designer immer im Auge behalten, wie verschiedene Elemente unsere Wahrnehmung von Farben beeinflussen – insbesondere wechselnde Beleuchtungen.

 

DC: Was würden Sie jemandem sagen, der der Meinung ist, dass Farben nicht so wichtig sind?

 

JT: Schauen Sie sich einfach um und sehen Sie, wie Farben jeden Tag alles betreffen und beeinflussen, was Sie sehen.

 

DC: Was empfehlen Sie Menschen, die im Bereich der Wissenschaft der Farben noch neu sind, als Erstes, um sich auf eine erfolgreiche Arbeit mit Farben vorzubereiten?

 

JT: Designer sollten vielleicht auf Situationen zurückblicken, in denen die Farben nicht den Erwartungen entsprachen und herausfinden, wie und warum dies der Fall war. Farben werden auf Bildschirmen unter bestimmten Lichtverhältnissen und auf verschiedenen Materialien unterschiedlich dargestellt. Daher ist es wichtig, dies zu verstehen, bevor man ein Projekt startet.

 

Der Erfolg wird sich schnell einstellen, wenn man erkennt, dass Farben in diesen verschiedenen Umgebungen unterschiedlich aussehen – und die jeweiligen Einschränkungen versteht und kennt.

 

Das Verständnis von Metamerie und Farbinkonstanz kann ein großes Problem sein – und dass nicht alle Farben auf allen Medien und Substraten gleich dargestellt werden, ist ein guter Anfang. In gewisser Weise sollten sie wissen, welche Fragen sie ihren internen Supply-Chain-Teams – oder Werken – stellen müssen – je nachdem, wer ihnen bei der Farbbereitstellung hilft.

 

Vielen Dank an Joanne Thomas für die Erkenntnisse und Tipps zum Thema Farben. Erfahren Sie hier mehr über die Arbeit von Coloro.

 


 

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