Umstellen auf LED – Farbmanagement mit LED-Lichtquellen im Einzelhandel (Teil 2)

Um zu verstehen, welchen Einfluss LED auf Farbe haben und wie Sie einen Implementierungsplan erstellen, lesen Sie meinen ersten Blog zu diesem Thema.

 

 

Evaluieren von Farbtonumschlag

 

Wie bereits gesagt ändern sich die meisten Farben zu einem gewissen Grad, wenn sich die Lichtquelle ändert (Farbtonumschlag). Die Frage ist, in welchem Maß sich meine Standardfarben verändern, wenn sie erst in der ursprünglichen Lichtquelle und anschließend in der LED-Lichtquelle betrachtet werden. Unmittelbar folgen diese Fragen: Welche Methoden können zum Evaluieren von Farbtonumschlag verwendet werden, wie viele meiner Standardfarben sind betroffen, ist es ein ernstzunehmendes Problem und, wenn ja, was kann ich dagegen tun?

 

Der erste und einfachste Test zum Evaluieren von Farbtonumschlag ist, sich die Standardfarben in einer Lichtkabine in der ursprünglichen Lichtquelle – die ausgetauscht wird – anzusehen und anschließend in der LED-Lichtquelle. Für ein realistisches Evaluieren muss die Lichtkabine natürlich mit einer LED-Lichtquelle ausgestattet sein, die der in der Zielumgebung verwendeten entspricht. Dies kann schwierig sein, falls der LED-Hersteller nicht mit dem Lichtkabinenhersteller zusammenarbeitet oder keine geeignete LED-Leuchte vom Lichtkabinenhersteller selbst erhältlich ist. Die Vergleichbarkeit zwischen den verwendeten Leuchten in der Zielumgebung und in der Lichtkabine wird durch Vergleichen ihrer Daten zur „Spektralen Energieverteilung“ (SPD) ermittelt, welche von beiden Herstellern einfach zu bekommen sein sollten. Internationale Normungsorganisationen wie die Internationale Beleuchtungskommission (CIE) beschließen üblicherweise Norm-SPD-Daten für Lichtquellen. Das Ziel von LED- wie Lichtkabinenherstellern sollte es daher sein, ihren Leuchten Normbezeichnungen zuzuweisen, um die Vergleichbarkeit zu erleichtern.

 

Evaluating Flare

 

Allerdings gibt es zwei besondere Herausforderungen beim visuellen Evaluieren von Proben. Einerseits verhindern Farbgedächtnis und visuelle Adaptierung die objektive Quantifizierung der tatsächlichen Farbänderung. Während die Beurteiler die Leuchten in der Lichtkabine wechseln, lässt die „Erinnerung“ an die Farbe der Probe nach, und während ihre Augen sich an das neue Beleuchtungsniveau der zweiten Lichtquelle anpassen, verändert sich das Empfinden der Beurteiler hinsichtlich Ausmaß und Richtung des Farbtonumschlags. Andererseits liegt die Herausforderung darin, dass Standardfarben einzeln, oder wenigstens als einzelne Farbfamilien, nacheinander evaluiert werden sollten. Bei Farbbibliotheken mit Tausenden von Standardfarben wird das visuelle Evaluieren in einer Lichtkabine zu einer zeitraubenden und wenig praktikablen Angelegenheit. Es existieren einige Spezial-Lichtkabinen, die simultanes Evaluieren von Proben in verschiedenen Lichtquellen ermöglichen. So wird zwar das Problem des Farbgedächtnisses angegangen, jedoch können weiterhin nur wenige Proben auf einmal evaluiert werden.

 

Als Alternative zum visuellen Evaluieren von Proben kann Software eingesetzt werden, um Farbtonumschlag numerisch und grafisch darzustellen. Die erste Voraussetzung ist, dass die SPD-Daten für die ausgewählte Lichtquelle in der Software verfügbar sind. Dafür benötigt man die Unterstützung des Softwareanbieters unter Mitwirkung des Herstellers der Lichtquelle. Wenn die SPD-Daten für die LED verfügbar sind, kann der Nutzer die Unbeständigkeit von Farben evaluieren, um festzulegen, wie Farben bei LED im Gegensatz zu Tageslicht (bezeichnet als D65) wirken. Dieselbe Analyse kann in der Lichtquelle, die ausgetauscht wird, durchgeführt werden (z. B. F12, F2, F11 etc.). Anschließend können beide Datensätze ausgewertet werden, um festzulegen, ob es zwischen der LED und der zu ersetzenden Lichtquelle signifikante Veränderungen bei Helligkeit, Chroma (Leuchtkraft/Sättigung) oder Farbton gibt. Auch bei dieser Aufgabe kann der Anbieter der Farbsoftware behilflich sein. Weil jedoch die Analysen auf Daten statt auf visueller Bewertung beruhen, können Tausende von Proben simultan und objektiv evaluiert und die Daten sortiert werden, um problematische Farben oder Farbfamilien schnell zu identifizieren. Andere Hilfsmittel wie Grafiken oder Farbdarstellungen am Bildschirm können ebenfalls helfen, die Auswirkungen der LED-Implementierung zu analysieren.

 

Am Ende der Analyse sollte deutlich werden, welche Farben oder Farbfamilien sich bei der Betrachtung im LED-Licht signifikant ändern. Dann stellt sich die Frage, was dagegen getan werden sollte. Einfach eine andere LED zu wählen, die diese Probleme nicht verursacht, mag zwar nach einer attraktiven Lösung klingen, kann jedoch unter Umständen keine echte Alternative darstellen, falls das Farbbüro keinen Einfluss auf die Auswahl der Lichtquellen im Unternehmen hat oder falls Produkte in fremden Verkaufsräumen ausgestellt werden. Dann hat man die Wahl, zum Verbessern des Farbtonumschlags, die Standardfarbe zu modifizieren, den Farbentwicklungsprozess zu wiederholen („Laborfärbung“), damit die Produkte den LED-Standardfarben entsprechen oder abzuwarten, bis die nächsten saisonalen Paletten erstellt werden, und die LEDs wie jede andere Lichtquelle zu behandeln. Maßgeblich für die richtige Entscheidung ist, mit den Interessenvertretern die Worst-Case-Standards zu untersuchen.

 

Ich hoffe, dieser Artikel war hilfreich für Sie. Im nächsten Blog werde ich über das Evaluieren von Metamerie sprechen und kurz den Implementierungsplan erläutern. Wie immer können Sie mich für ein ausführliches Gespräch über die Folgen einer Umstellung auf LED-Lichtquellen für das Farbmanagement direkt kontaktieren.