Umstellen auf LED – Farbmanagement mit LED-Lichtquellen im Einzelhandel (Teil 1)

von Ken Butts

 

Farbmanagement mit LED

 

Unternehmen weltweit stellen wegen der besseren Energieeffizienz und der daraus resultierenden Kosteneinsparungen um auf LED-Beleuchtung. Was sie dabei eventuell nicht bedacht haben ist, welche Auswirkungen das auf die Farbe ihrer Produkte hat. Die Produktfarbe steht in direkter Verbindung zur Farbe der Lichtquelle, sodass das visuelle Erlebnis von Designern, Händlern, Lieferanten und letzten Endes auch Kunden beeinflusst wird, wenn die Produkte unter LED-Beleuchtung betrachtet werden. Um ein positives Kundenerlebnis zu gewährleisten, müssen die Unternehmen vorausschauend handeln und die Auswirkungen eines Wechsels der Lichtquelle auf die Farbe ihrer Produkte prüfen.

 

Einfluss von LED auf Farbe

 

LED lightingWenn man die Auswirkungen eines Wechsels der Beleuchtung prüft, müssen zwei wichtige Eigenschaften betrachtet werden: Farbtonumschlag und Metamerie. Die beiden Eigenschaften sind ähnlich, jedoch in verschiedenen Situationen anwendbar. Farbtonumschlag ist ein Begriff, der die Tendenz einer Probe beschreibt, beim Betrachten in unterschiedlichen Lichtquellen die Farbe zu verändern. Wenn eine Probe in einer Lichtquelle röter wirkt als in einer anderen, spricht man davon, dass die Probe umschlägt. Diese Tendenz von Proben, je nach Beleuchtung in einer anderen Farbe zu erscheinen, nennt man auch Unbeständigkeit von Farbe. Die meisten farbigen Materialien schlagen bis zu einem gewissen Grad um, wenn sich die Lichtquelle ändert. Das gleiche gilt auch, wenn man sie bei LED-Beleuchtung betrachtet. Die entscheidende Frage ist, ob der Farbtonumschlag störend ist und, wenn ja, was unternommen werden muss, um die störende Wirkung zu minimieren.

 

Metamerie ist eine ähnliche Eigenschaft, aber beim Vergleichen von zwei Proben anwendbar. Ist der visuelle Farbunterschied zwischen zwei Proben in einer Lichtquelle nicht identisch mit dem Unterschied in einer zweiten Lichtquelle, spricht man davon, dass die Proben Metamerie aufweisen. Ein klassisches Beispiel dafür sind Ärmel und Ärmelaufschlag einer Jacke, die im Laden gut zueinander passen, sich draußen im Tageslicht jedoch deutlich unterscheiden. Eines der Hauptziele von Textilherstellern ist es daher, die Standardfarben in allen vorgegebenen Lichtquellen so nah wie möglich abzustimmen und dadurch etwaige Probleme durch Metamerie zu minimieren.

 

Der Implementierungsplan

 

Vor der Umstellung auf LED müssen Unternehmen evaluieren, wie ihre Farbstandards und existierende Produkte von Farbtonumschlag und Metamerie betroffen sind, und dann entscheiden, ob und welche korrektiven Maßnahmen nötig sind. Die Bedeutung der Auswirkungen kann von den verschiedenen Personen, die die Produkte evaluieren, unterschiedlich bewertet werden. Daher ist es wichtig, die wesentlichen Interessenvertreter im Evaluierungsprozess zu berücksichtigen:

 

  • Die Designer: Die Farben, die sie für ihre Entwürfe ausgesucht haben, sehen in LED möglicherweise nicht so aus wie in der ursprünglichen primären Lichtquelle, was sich auf die Gesamtästhetik des Produkts auswirken kann.
  • Der Vertrieb: Die saisonale Farbpalette kann weniger ansprechend sein, entweder weil sich die gesamte Palette verschiebt oder weil einzelne Farben in eine inakzeptable Richtung umschlagen.
  • Das Farbbüro: Kommunikation ist entscheidend, das Farbbüro für Einzelhandel und Bekleidung trägt oft alleine die Verantwortung für die Implementierung in den globalen Farbmanagement Workflow.
  • Die Lieferanten: Bestehende Farben müssen möglicherweise neu formuliert werden, um in einer neuen Lichtquelle den Standardfarben zu entsprechen. Ebenso passt die laufende Produktion möglicherweise nicht mehr zu den Standardfarben in LED.
  • Jeder der Farbe evaluiert: Farbevaluierung erfordert mit LED ausgestattete Lichtkabinen, die Software muss aktualisiert werden, um Farbunterschiede unter LED berechnen zu können. Beides verursacht möglicherweise einige Kosten bei der Implementierung
  • Letztlich auch die Kunden: Das positive Kundenerlebnis muss erhalten bleiben und den laufenden Verkauf der Produkte unterstützen

 

Der LED-Implementierungsplan muss die Auswirkungen der neuen Lichtquelle auf diese Interessenvertreter berücksichtigen. Es gibt sehr spezifische Fragen, mit denen man sicherstellen kann, dass das visuelle Erlebnis jeder dieser Gruppen berücksichtigt wird. Dazu gehören:

 

  • Ändert sich die Farbe meiner Standards im Vergleich zu meiner vorherigen Lichtquelle und ist diese Änderung so entscheidend, dass ich etwas dagegen unternehmen muss, also z. B. meine Palette anpassen oder den Farbabstimmungsprozess wiederholen?
  • Wird es zu Metamerieproblemen mit bestehenden Produkten oder übernommenen Farben kommen und, wenn ja, wie kann ich das angehen?
  • Wie kann ich Proben visuell und instrumentell mit LED sowohl in den Einzelhandels- und Bekleidungsgeschäften als auch in der Lieferkette evaluieren?
  • Wie kann ich sicherstellen, dass die visuellen und instrumentellen Resultate übereinstimmen, was für ein digitales Pass-/Fail-Programm unerlässlich ist?
  • Existieren Alternativen zur Umstellung auf LED als neue Lichtquelle in der Farbentwicklung?
  • Wie kann ich erneute Probleme mit Farbtonumschlag und Metamerie vermeiden, wenn eine neue Lichtquelle eingeführt wird?

 
Farbtechnologieanbieter können während der Entwicklung eines Implementierungsplans eine sichere Informationsquelle und Unterstützung für das Farbbüro für Einzelhandel und Bekleidung darstellen. Dazu zählen auch Anbieter von Farbsoftware und Spektralphotometern sowie Hersteller von Lichtkabinen, da sie Einblick in die Vorgehensweise anderer Unternehmen haben und die Auswirkungen von LED auf visuelle und instrumentelle Probenevaluierung kennen.

 

Bleiben Sie dran. Im nächsten Blog spreche ich weiter über das Evaluieren von Farbtonumschlag.

 

 

Ken Butts