Von der Höhe bis hin zu Geräuschen – Umweltfaktoren, die unsere Farbwahrnehmung beeinflussen

Unsere Fähigkeit, Farbe zu sehen und zu beschreiben, wird auch von physikalischen Faktoren beeinflusst. Diese Subjektivität ist hinderlich, wenn wir die Vision eines Designers umsetzen oder eine Änderung vorgeben wollen. Sie kann uns auch daran hindern, eine Farbe zu Produktionszwecken visuell mit einem Standard abzugleichen.

 

Wie in unserem vor kurzem veröffentlichten Blog zu den Grundlagen des Farbensehens erwähnt, geht es unter anderem um folgende Umweltfaktoren:

  • Lichtquelle
  • Hintergrund
  • Höhe
  • Geräusche

Der wichtigste Faktor von diesen ist Licht, da er unsere Farbwahrnehmung grundlegend beeinflusst.

 

Der wichtigste Faktor: Licht

 

Die Farbe des Lichts

Objekte absorbieren und reflektieren Licht. Wir können nur solche Objekte sehen, die Licht in unsere Augen zurückwerfen, und die Farbe, die wir dabei sehen, hängt von den Wellenlängen des reflektierten Lichts ab. Wenn das sichtbare Spektrum gleichmäßig reflektiert wird, nehmen wir ein Objekt als weiß wahr. Wenn dieses ein maximales Maß an Licht absorbiert, empfinden wir es als schwarz.

 

Die Farbe der Lichtquelle selbst wirkt sich auf unsere Wahrnehmung der Farbe eines Objekts aus. Die Farbe von Licht hängt anders als bei Pigmenten von den im Licht enthaltenen Spektralenergien ab. Rot erscheinende Objekte reflektieren die rote Energie, während sie alles andere absorbieren. Ohne die rote Energie erscheint ein normalerweise „rotes“ Objekt somit schwarz.

 

Licht, das wir als „kühl“ empfinden, enthält mehr Blau als „warmes“ oder gelbliches Licht. Die Farbe einer Lichtquelle lässt sich durch Messen der relativen Stärke verschiedener Wellenlängen beschreiben. Wenn sich die spektrale Energieverteilung (SEV) verändert, ändert sich auch die Art und Weise, wie Licht zu unseren Augen zurückgeworfen wird, was wiederum die von uns wahrgenommenen Farben beeinflusst.

 

 

Lichtquellen werden hinsichtlich ihrer Fähigkeit beurteilt, wie gut sie Farben im Vergleich zu natürlichem Licht darstellen. Dieser Wert ergibt sich aus dem Spektrum der Lichtquelle und wird als Farbwiedergabe-Index (CRI) bezeichnet; er ist häufig auf im Handel erhältlichen Leuchtmitteln angegeben. Der CRI von natürlichem Licht im Freien beträgt 100.

 

Einzelhändler, Restaurantbetreiber und Büroraumausstatter beispielsweise berücksichtigen den CRI routinemäßig, um Waren attraktiver und ein Ambiente angenehmer erscheinen zu lassen. Doch natürliches Licht variiert, zum Beispiel je nach Wetter, Jahreszeit, Tageszeit und Position eines Gebäudes.

 

Beleuchtungsdesigner können durch sorgfältige Auswahl von künstlichem Licht Veränderungen bewirken. Anstriche und Textilfarben wiederum können unter Berücksichtigung der Eigenschaften von natürlichem Licht ausgewählt werden. So kann beispielsweise indirektes Licht im Norden Farben dunkler erscheinen lassen, weshalb ein Designer dort auf hellere Anstrich- und Textilfarben zurückgreifen wird, als er es im Süden tun würde.

 

Lichtstärke

Neben der Farbe kann auch die Leistung einer Lichtquelle die Wahrnehmung der Farbe von beleuchteten Objekten beeinflussen. Dabei gilt jedoch nicht unbedingt „Je heller, desto besser“. Eine Untersuchung des Lighting Research Center hat die Beziehung zwischen Leuchtstärke und CRI, Farbbereich und Vollspektrumindex verglichen. Mitunter erreichten sehr helle Lampen, beispielsweise Hochdruck-Natriumdampflampen, sehr schlechte Werte bei der Farbwiedergabe. Je nach Anwendung kann Farbe wichtiger als Helligkeit sein.

 

Die folgenden Blog-Einträge von Datacolor befassen sich ebenfalls mit der Beziehung zwischen Lichtquellen und Farbe:

 

Hintergründe und Farbe

 

Je nach Kontext können Farben recht unterschiedlich wirken – dabei geht es nicht nur um die Helligkeit des Betrachtungsbereichs, sondern auch um die Beziehung zwischen einem Farbmuster und seinem Hintergrund. Der Datacolor-Blog Warum können wir uns bei Farbe nicht einigen? liefert Beispiele für optische Täuschungen, in denen Farben je nach Farbe des Hintergrunds unterschiedlich erscheinen.

 

Fünf weitere Beispiele von Farbillusionen verdeutlichen, weshalb ein genauer Farbabgleich so schwierig sein kann. Selbst wenn alle Variablen so strikt wie möglich kontrolliert werden, bleibt die Farbwahrnehmung veränderlich und subjektiv.

 

 

Höhe

 

Es wurde festgestellt, dass sich die Farbwahrnehmung in Höhenlagen verändert. Eine Studie untersuchte die Auswirkung von reduziertem Sauerstoffgehalt, der zu physiologischen Veränderungen im Auge führte. Eine weitere Studie fand heraus, dass optische Wahrnehmungsveränderungen von Kletterern in große Höhen sich innerhalb kurzer Zeit nach ihrer Rückkehr nach Hause zurückbildeten.

 

Geräusche

 

Die Beziehung zwischen Klängen und Farben fasziniert Wissenschaftler seit hunderten von Jahren. Plato und Aristoteles spekulierten über das Verhältnis zwischen Farbe und Musik, und Sir Isaac Newton gestaltete sein Farbrad in Anlehnung an die Notenskala. Synästhesie ist ein bekanntes Phänomen, bei dem Menschen Farben hören können (oder andere sinnesübergreifende Erlebnisse haben).

 

Doch obwohl Schall eine Farbwahrnehmung auslösen kann, ist noch nicht geklärt, ob Schall – insbesondere Lärm – die Farbwahrnehmung hemmen kann. Eine Studie erfasste die „Farbtontendenz“ im Zusammenhang mit mehreren Faktoren, darunter Lärm, und stellte eine Beziehung fest. Eine weitere Studie zeigte, dass Impulse aus weißem Rauschen allgemein die optische Wahrnehmung unterdrücken konnten, befasste sich jedoch nicht mit der Farbwahrnehmung im Besonderen.

 

Und noch etwas

 

Wir haben einige der physikalischen und Umweltfaktoren betrachtet, die unsere Farbwahrnehmung beeinflussen, doch ist dies keineswegs alles. In unsere Farbwahrnehmung fließen noch weitere Faktoren ein, so etwa Alter, Gesundheit und Stimmung. Der nächste Blog-Eintrag dieser Reihe wird sich mit diesen Faktoren beschäftigen.