Unsere Experten erklären: Farbe und die weltweite Situation im Farbenhandel

Wir wissen, dass es keinen universellen Ansatz gibt, wenn es um Lacke im Einzelhandel geht – wie auch in jeder Branche. Deshalb verfügen wir bei Datacolor über ein globales Expertenteam, das speziell auf die Bedürfnisse von Lackherstellern und Lackgeschäften auf der ganzen Welt, von Nordamerika über Europa bis hin zu Asien und darüber hinaus, zugeschnitten ist.

 

Wir haben mit drei unserer Einzelhandelsexperten über die Branche in ihren Regionen gesprochen und wie die regionalen Unterschiede diese Branche so viel interessanter machen.

 

Wir stellen Ihnen unsere drei Experten vor:

 

  1. Jason Loehr, ein in den USA ansässiger Produktmanager
  2. Rik Mertens, ein in Belgien ansässiger Anwendungsmanager
  3. Holly Ling, eine in China ansässige Anwendungsmanagerin

 

Wie funktioniert der Einzelhandelsmarkt für Lacke in Ihrer Region?

 

Jason Loehr: In Nordamerika haben wir verschiedene Möglichkeiten, Lacke zu kaufen. Erstens haben wir die Lackhersteller, die ihre eigenen Läden haben [PPG oder Sherwin Williams zum Beispiel]. Zweitens haben wir das, was wir Händlergeschäfte nennen [wie Ace Hardware oder True Value]. Das sind Läden, die Lacke von verschiedenen Marken, aber auch andere Dinge verkaufen, die Handwerker verwenden (wie Werkzeuge oder Baumaterialien) oder Hausbesitzer für Heimwerkerprojekte benötigen.

 

Die Läden verfügen über ein Spektralphotometer und eine Software, mit der sie die Lackfarben für ihre Kunden individuell anpassen können. Das heißt, ein Kunde kann mit einem Muster hereinkommen (dies kann ein Stück einer Holzdiele, eines Stoffes oder eines lackierten Materials usw. sein…), es messen lassen und eine individuelle Farbrezeptur erhalten. Die Datenbank in der Software kann berechnen, welche Pigmente zusammengehören, um genau diese Farbe zu erhalten.

 

Rik Mertens: In Europa (und Asien) befinden sich die meisten Lackgeschäfte im Besitz von Lackherstellern, die entscheiden, welche Farbmesswerkzeuge das Geschäft verwendet und was sie verkaufen. Es gibt auch unabhängige Händler und Läden, aber diese haben immer sehr gute Beziehungen zu den Herstellern.

 

Ein weiterer Unterschied zum Farbenhandel in Nordamerika ist, dass in Europa ca. 85% der Farben nach fertigen, in der Rezeptdatenbank gespeicherten Formeln  abgegeben wird. Ein Maler kommt mit der gewünschten Farbe in den Laden und hat meistens eine Referenznummer für die gewünschte Farbe, mit der das Geschäft die Formel in seiner Software ermittelt und darauf basierend den Lack ausgibt.

 

Zwei Ausnahmen: In Italien und Großbritannien verfügen viele Lackgeschäfte über hochwertige Spektralphotometer und bieten ihren Kunden eine individuelle Farbrezeptberechnung.

 

Holly Ling: Verglichen mit dem Markt in Nordamerika und Europa ist der chinesische Einzelhandel für Lacke noch sehr jung. Alle abgegebenen Lacke beruhen (ähnlich wie in Europa) auf Suchen in einer Rezeptdatenbank. Ein Kunde kommt mit einem Muster der gewünschten Farbe in den Laden oder wählt eine Farbe aus dem Musterfächer oder den Farbkarten aus, die im Laden vorhanden sind.

 

Chinesische Konsumenten sind außerdem keine Heimwerker und beauftragen meistens einen professionellen Maler oder Handwerker mit der Gestaltung ihrer Häuser und Wohnungen. Bemerkenswerterweise kennen sie aber die verfügbaren Lackmarken und verlangen vom Maler, eine bestimmte Lackmarke zu verwenden, oder sie beauftragen einen mit der Marke verbundenen Maler.

 

 

Welche neuen Trends sehen Sie in Ihrer Region?

 

Rik: Kostengünstige Geräte werden im Lackeinzelhandel immer beliebter. Es ist eine ideale Möglichkeit für Lackhersteller, Maler mit ihrer Marke zu verknüpfen. Wenn ein Maler ein kostengünstiges Referenzgerät mit den Farbfächern einer bestimmten Lackmarke verwendet, wird er mit größerer Wahrscheinlichkeit diese Marke für einen Auftrag auswählen. Das Ergebnis ist mehr Umsatz und Kundenzufriedenheit. Dabei kann unser ColorReaderPRO helfen.

 

Wir sehen auch, dass die Verbraucher einen schnellen Service erwarten. Ein Geschäft muss über Tablets oder Smartphones verfügen, auf denen Kunden die gewünschte Farbe auswählen und diese dann automatisch ausgeben lassen können. Vieles wird jetzt auch online erledigt. Verbraucher können Bilder ihres Wohnzimmers auf eine Website hochladen und Farben auf virtuelle Wände auftragen. Das erleichtert es ihnen auch, Anstrichfarben zu bestellen und sie sogar bis vor die Haustür geliefert zu bekommen.

 

Aber was Lackhersteller und Farbmanagementunternehmen wie Datacolor wirklich berücksichtigen müssen, ist, dass die Zukunft in der Cloud liegt. Die Menschen wollen clevere Geräte, die eine nahtlose Kommunikation zwischen Malern, Verbrauchern und Lackgeschäften ermöglichen. Beispielsweise möchte der Ladenbesitzer Echtzeitdaten an den Hersteller senden können. Auf diese Weise kann der Hersteller bei Störungen schneller reagieren und bei Bedarf einen Techniker entsenden.

 

Holly: Wie in Europa sucht der Kunde jetzt nach maßgeschneiderten Farben und schnellem Service. Er möchte in ein Lackgeschäft gehen, seine Farbe auswählen und sie innerhalb weniger Minuten mit nach Hause nehmen können. Dies ist auch eine Gelegenheit für kostengünstige Geräte, die eine Verbindung zu ihrer Software herstellen können.

 

Gibt es irgendwelche typischen Fehler, die Sie im Einzelhandel in Ihrer Region (oder in einer anderen Region) sehen?

 

Rik: Manchmal kaufen Lackhändler ein Spektralphotometer, das viel Geld kostet, ohne zu wissen, wie man es richtig benutzt. Sie beginnen mit der Messung von Proben, ohne dass sie in der Verwendung des Gerätes und der Software geschult sind. Ohne richtige Schulung machen sie eher Fehler und das kostet Zeit, Geld und Ressourcen.

 

Jason: Ein weiterer häufiger Fehler ist, dass ein Lackgeschäft nicht die Formeln seiner Kunden speichert. Es gibt viele Situationen, in denen Leute in ein Geschäft kommen, eine Farbe auswählen, ihre Wände streichen und einige Monate später wieder in das Geschäft kommen, weil sie zusätzlichen Lack für eine Ausbesserung benötigen. Das Problem ist nur, dass sie sich nicht an die Farbe erinnern und das Geschäft nicht die Formel gespeichert hat. Das lässt sich leicht vermeiden, indem die Lackformel zusammen mit dem Namen des Kunden in der Software digital gespeichert wird.

 

Wie wichtig sind Nachhaltigkeitsbemühungen?

 

Rik: Dies wird immer wichtiger. Auf der letzten European Coating Show wurde vermehrt über umweltfreundliche Lacke, natürliche Lacke und Lacke ohne Zusatzstoffe gesprochen.

 

Holly: In China ist dies auch mit der Gesundheit der Menschen verbunden. Nachdem ein Raum (neu) gestrichen wurde, möchte man ihn so schnell wie möglich wieder nutzen, ohne den Geruch der Anstriche zu bemerken. Aus diesem Grund treiben die Lackhersteller den Absatz ihrer umweltfreundlichen Lacke voran.

 

Jason: In den letzten 20 Jahren war das Thema Nachhaltigkeit in Nordamerika hauptsächlich durch staatliche Vorschriften bestimmt. Die gesellschaftliche Forderung nach verantwortungsbewusstem Geschäftsverhalten hat sich jedoch grundlegend gewandelt, sodass Lacke mit geringen oder gar keinen flüchtigen organischen Bestandteilen (VOC) ohne Qualitätsverlust der Produkte hergestellt werden.

 

 

Man kann mit Sicherheit sagen, dass es keine Komplettlösung für alle Regionen gibt. In Nordamerika sind Kunden an individuelle Rezepturen gewöhnt, in Europa und Asien sehen wir, dass das Nachschlagen in elektronischen Formelsammlungen die übliche Wahl ist. Wir können uns jedoch darüber einig sein, dass sich die Farbmanagementlösungen im Laden wie auch die Bedürfnisse der Kunden auf der ganzen Welt ständig weiterentwickeln. Bei Datacolor helfen Ihnen unsere Experten weltweit gerne dabei, die Lösung zu finden, die Ihren Anforderungen entspricht.

 

Wenn Sie noch keine Farbmanagementlösungen im Ihrem Unternehmen einsetzen und wissen möchten, wie viel Zeit und Geld Sie sparen können, berechnen Sie hier Ihre Investitionsrendite.