Wie man in jedem einzelnen Schritt des fotografischen Workflows aufgehen kann

Die Planung und Durchführung eines Fotoshootings kann wie eine Mammutaufgabe wirken. Es ist ein bisschen so wie ich mich gerade fühle, wenn ich auf dieses leere Dokument auf meinem Computermonitor starre und weiß, dass ich die Seite mit Worten füllen muss. Dieser Startmoment ist durchaus entmutigend! Aber das muss so nicht sein – jede einzelne Phase eines Shootings kann angenehm, erfreulich und etwas ganz Besonderes sein. Sie können jeden einzelnen Schritt davon genießen und lieben – Sie müssen nur lernen, wie.
 

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Planung

 

Manche Menschen planen für ihr Leben gern, andere hassen es. Ich bin eine bekennende Planungsliebhaberin. Es gibt nichts, was ich mehr liebe, als am Anfang des Jahres ein neues Tagebuch aufzuschlagen und meine Ziele aufzuschreiben. Aber vielleicht graust es Ihnen bei dem Gedanken! Wie kann man also lernen, den Planungsprozess zu genießen? Egal, ob Sie ein persönliches Projekt aufnehmen oder etwas für einen Kunden planen, Sie müssen sich dafür Zeit und Raum geben. Ich weiß, dass das nicht immer möglich ist, denn manchmal finden Shootings unfassbar kurzfristig statt. Die Planung eines Shootings kann eine Mammutaufgabe sein und viele unbekannte Variablen mit sich bringen, die sich auf das Shooting selbst auswirken. Tun Sie sich selbst und Ihrem Kunden einen Gefallen, indem Sie sich so viel Zeit wie möglich nehmen, jeden Aspekt Ihres Shootings in Ruhe und ohne Stress zu planen, damit das Shooting selbst möglichst reibungslos abläuft.

 

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Genauso wichtig ist es, darüber nachzudenken, wann Sie sich am besten konzentrieren können. Sind Sie ein Morgenmensch oder ein Nachtschwärmer? Ich weiß, dass ich morgens am produktivsten bin, also plane ich für meine Vormittage die Aufgaben, die mehr Konzentration erfordern. Alles, was schwierig ist und viel Energie erfordert, wird in der Regel als erstes am Morgen erledigt. Wenn ich um etwas Schwieriges gebeten werde (z. B. einen Kostenvoranschlag für einen Auftrag zu erstellen) und es ist spät am Tag, funktioniert mein Gehirn einfach nicht und ich empfinde die Aufgabe als kompliziert und frustrierend. Wenn ich aufwache und sie gleich morgens erledige, fällt es mir viel leichter. Ich mag es auch, wenn mein Büro ruhig ist (etwas, worüber mein Freund und ich uns damals in Lockdown 1.0 unterhalten mussten, als er zum ersten Mal von zu Hause aus arbeitete!). Wenn ich plane, kann ich keine Musik laufen lassen und keine Podcasts hören. Vielleicht ist das bei Ihnen anders! Denken Sie darüber nach, wie Ihre Umgebung sein sollte, und tun Sie Ihr Bestes, um Ihren Arbeitsbereich so gut wie möglich auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen.

 

Shooting

 

Es wäre schön, wenn jedes Shooting, das wir durchführen, nichts als reine Freude wäre, aber leider kann die Arbeit am Set sehr stressig sein. Es gibt Dinge, die Sie tun können, um Shootings so stressfrei wie möglich zu gestalten. Der Schlüssel liegt in der Planung. Um einen möglichst entspannten Shooting-Tag zu haben, muss man gut organisiert sein. Ich dachte immer, ich könnte einfach mit einer vagen Vorstellung von dem, was wir machen würden, am Set auftauchen, improvisieren und etwas Tolles produzieren. Damit habe ich mich allerdings geirrt. Die Magie nimmt dann ihren Lauf, wenn man sich vor dem Shooting die Zeit nimmt, alles zu planen. Ich spreche davon, die Belichtung zu planen, zu wissen, wie viele Aufnahmen nötig sind, sich schon im Vorfeld Gedanken über die Storyline zu machen und sicherzustellen, dass man nicht nur alle benötigten Utensilien dabei hat, sondern auch, dass das Equipment einwandfrei funktioniert. Ich persönlich bin ein Freund davon, Shotlists für mich selbst zu erstellen. Meine Zeichnungen sind zumeist schrecklich (meist von Strichmännchen), aber es ist egal, wie sie aussehen. Wichtig ist nur, dass ich mir vor dem Shooting-Tag die Zeit genommen habe, mir für jede Aufnahme Komposition, Posen, Requisiten und Belichtung zu überlegen. Wenn es dann an der Zeit ist, die Kamera in die Hand zu nehmen, weiß ich genau, was ich zu tun habe.

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Zudem empfehle ich Ihnen, sich einen Zeitplan für den Tag zu erstellen, sofern das möglich ist. Ich habe vor etwa zwei Jahren damit angefangen, und diese Vorgehensweise hat sich für mich absolut bewährt. Ich plane den Tag komplett durch, angefangen damit, wann jeder einzelne am Set ankommen sollte, von wann bis wann Make-Up und Haare gemacht werden sollten, bis hin zur Planung, wie viel Zeit jede Aufnahme in Anspruch nehmen sollte. Ich weiß, das klingt nach einer Menge Arbeit, aber es lohnt sich zu 100 %, sich die Zeit dafür zu nehmen. Ich schicke meine Timeline an alle, die am Shooting beteiligt sind, und alle sagen, dass sie unglaublich hilfreich ist und ihnen hilft, den Überblick zu behalten. Mein zusätzlicher Tipp: Nehmen Sie sich mehr Zeit, als Sie denken. Es ist besser, früh fertig zu werden, als Überstunden zu machen!

 
 

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Nachbearbeitung

 

Ich muss gestehen, dass die Nachbearbeitung eines Shootings der Schritt ist, mit dem ich am meisten zu kämpfen habe. Generell bin ich kein Fan davon, stundenlang am Computer zu sitzen und ich mag Hautretusche überhaupt nicht. Aber auch hier habe ich Mittel und Wege gefunden, diesen Teil des Workflows angenehm zu gestalten. Ich habe gelernt, was für mich funktioniert, und Sie können das auch. Zuallererst sollten Sie sich einen guten Schreibtischstuhl besorgen. Wenn Sie stundenlang am Schreibtisch sitzen, müssen Sie es nicht nur bequem haben, sondern auch Ihr Rücken wird es Ihnen danken! Legen Sie gute Musik auf oder hören Sie sich einen tollen Podcast an (ich genieße gerade sehr „The Exposed Negative“ von Greg Funnell und Tom Barnes). Ich weiß, dass manche Leute gerne Filme oder Youtube-Videos anschauen… das geht mir ein bisschen zu weit. Das schaffe ich nicht ganz! Aber wenn das für Sie funktioniert, machen Sie es.

Und schließlich: Investieren Sie in Ihre Fähigkeiten. Nehmen Sie sich die Zeit, zu lernen, wie Ihre Software funktioniert und sie wirklich zu verstehen. Wenn Sie genau wissen, wie etwas funktioniert, sind Sie tausend Mal schneller fertig und empfinden viel weniger Frustration. Investieren Sie also diese Zeit, um zu lernen, wie Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeuge richtig benutzen.

 
 
Model: Lindsey Isla