Wildlife-Fotografie in Schwarz-Weiß

 

Unterhält man sich mit anderen über Tipps zur Wildlife-Fotografie, so wird einem am häufigsten der Ratschlag erteilt, am besten bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu fotografieren. Das liegt natürlich zum großen Teil daran, dass die Tiere zu diesen Tageszeiten am aktivsten sind, aber auch daran, dass das Licht dann besonders schön ist. Warme Goldtöne, die typischerweise das Ende des Tages einläuten, sind in der Lage, fast jede Szene oder jedes Motiv in etwas wirklich Besonderes zu verwandeln. Aber was passiert, wenn wir die Farbe aus dieser Gleichung herausnehmen? Wenn wir uns nicht mehr auf diese Goldtöne verlassen, sondern nur noch Weiß- und Grautöne zur Verfügung haben? Wenn wir uns geistig einfach mal von der Farbe befreien und die verschiedenen Möglichkeiten nutzen, Bilder zu schaffen, die weit mehr Wirkung und Interesse erzielen, als es eine Farbversion je könnte.

 

 

Nicht alle Bilder sind gleich

 

Bei der Konvertierung eines Bildes in Schwarz-Weiß ist zunächst zu bedenken, dass dieser Schritt nicht allen Bildern gut zu Gesicht stehen wird. Manchmal ist es möglich, das Schwarz-Weiß-Bild im Voraus zu „sehen“ und eine Szene gezielt zu fotografieren, in dem Wissen, dass man bei der späteren Bildbearbeitung genau diese Konvertierung plant – und es funktioniert. Manchmal aber funktioniert ein Bild, von dem Sie glauben, dass es in Schwarz-Weiß gut wirken wird, am Ende überhaupt nicht. Die häufigsten Gründe, warum monochrome Bilder nicht wirken, sind die Abwesenheit von Farbakzenten, eine schlechte Bildkomposition oder eine zu starke Verschmelzung des Motivs mit seiner Umgebung. Der Umgebungskontrast konkurriert noch mehr mit dem Motiv, wenn keine Farbe mehr im Bild vorhanden ist, um das Motiv von seinem Hintergrund zu trennen. Denken Sie also nicht nur daran, dass Ihre Bildkompositionen gut sein müssen, sondern auch daran, dass der Entzug von Farbe nur dann erfolgen sollte, wenn sie dazu beiträgt, das Motiv weiter hervorzuheben und nicht von ihm abzulenken.

 

 

Welche Bilder funktionieren gut?

 

Welche Arten von Bildern funktionieren nun aber gut? Als allgemeine Faustregel gilt: Bilder, die sich durch eine ausgeprägte Textur, Details und Kontrast im Motiv auszeichnen, sind gute Kandidaten für eine Konvertierung in Schwarz-Weiß. Sehr gut funktionieren auch Bilder mit relativ unauffälligem Hintergrund, was Ihnen automatisch dabei hilft, das Hauptmotiv durch die Konvertierung noch stärker hervorzuheben.

 

Es ist wichtig, über die Tonung Ihres Motivs im Vergleich zur Tonung im restlichen Bild nachzudenken. Wenn das Motiv hell ist, sollten wir einen dunkleren Hintergrund wählen. Wenn das Motiv dunkel ist, funktioniert ein hellerer Hintergrund besser. Dadurch wird das Auge des Betrachters in einer Weise auf das Motiv gelenkt, die weitaus wichtiger ist als es bei Farbbildern der Fall wäre. Wenn das Motiv zudem eine interessante Form, Kontur oder Textur hat, wirkt das Bild noch mal dramatischer, wenn keine Farbinformationen das Auge ablenken.

 

 

Eine bewusste Entscheidung für ein Schwarz-Weiß-Bild kann nicht nur Dramatik in den Bildausschnitt bringen, sondern auch ein klassisches und zeitloses Gefühl vermitteln. Dies funktioniert gut mit Porträts, insbesondere beim klassischen Löwenfoto. Tatsächlich trifft diese Aussage in der Regel auf alle afrikanischen Tierszenen zu, die sich für diese Art der Fotografie eignen.

 

 

Ein bedeckter Himmel hat seine Vorteile

 

Das beste Licht für Aufnahmen, unabhängig von der später geplanten Bildbearbeitung, ist gleichmäßiges Licht. Es eignet sich besonders gut für Schwarz-Weiß-Konvertierungen. Hier ist weiches Licht hervorragend geeignet, um jedes noch so kleine Detail aus der Szene herauszuholen. Dunklere Motive, die sonst einfach wie schwarze Kleckse aussehen würden, können nun eine Variation verschiedener Tonabstufungen zeigen. Motive mit weniger harten, gleichmäßig beleuchteten, mitteltönigen Hintergründen können in der Bearbeitung abgedunkelt werden, damit das Motiv schön im Mittelpunkt steht. Wirklich dunkles, gedämpftes Licht und hellweiße Motive können ebenfalls sehr gut harmonieren, wobei Sie den Kontrast überbetonen können, um das Motiv hervorzuheben. Wird das Licht schwächer oder hängen die Wolken schwer über dem Motiv, denken Sie in Schwarz-Weiß und achten Sie auf die Texturen und Töne in der Szene, die sich vor Ihnen erstreckt. Wenn Sie sich darauf trainieren, diese Elemente zu sehen, haben Sie den ersten Schritt getan, um zukünftig Tierbegegnungen mit neuen Augen zu betrachten.

 

 

Bildbearbeitung für Schwarz-Weiß

 

Die wichtigste Überlegung für eine erfolgreiche Schwarz-Weiß-Konvertierung liegt genau darin – in der Konvertierung. Es geht nicht darum, einfach nur den S/W-Knopf zu drücken, und schon ist man fertig. So kann man eigentlich nur ein Bild erzeugen, das sehr flau wirkt oder – schlimmer noch – in den wichtigen Bereichen sehr kontrastarm daherkommt. Bei dieser Art von Fotos nämlich geht es nicht nur darum, Kontrast im Bild zu haben, sondern Kontrast dort zu haben, wo er Wirkung zeigt. Anders als bei Farbbildern können Sie bei Schwarz-Weiß-Bildern viel aggressiver vorgehen und den Kontrast weitaus deutlicher verstärken als bei Farbbildern. Eine Übersättigung und das Ausbrennen von Farben sehen schnell unnatürlich aus, aber wenn die Farbe aus dem Bild verschwunden ist, führt die Verschiebung dieser Grenzen zu dramatischen und sehr erfreulichen Ergebnissen. Dasselbe gilt für Vignetten, denn das Hinzufügen einer leichten Vignette kann helfen, den Blick auf das richtige Bildelement zu lenken. Subtilität ist jedoch der Schlüssel, wenn es um Vignetten geht. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass es zu viel des Guten ist, sobald Sie die Vignette sehen können.

 

 

Egal, welche Bildbearbeitungssoftware Sie nutzen, empfehle ich Ihnen den Einsatz der Dodge and Burn Technik, um den lokalen Kontrast im Bild herauszuarbeiten. Ich selbst bearbeite meine Bilder in Lightroom. Zunächst klicke ich auf die Schwarz-Weiß-Schaltfläche im Basisregister des Entwicklungsmoduls und verwende dann eine Kombination von Korrekturpinseln für diese lokalen Kontrastveränderungen. Ich nutze auch die Farbkanal-Schieberegler im Register S/W, die ich als sehr leistungsstark empfinde. Sie ermöglichen die Veränderung der Helligkeit großer Farbbereiche im Bild auf sehr einfache Weise. Ein gutes Beispiel ist ein Löwe vor einem grünen Hintergrund. Der Löwe zeichnet sich vornehmlich durch orangefarbene und gelbe Töne aus, der Hintergrund ist, wie gesagt, grün. Wenn man nur die grünen, orangen und gelben Schieberegler verwendet, verschiebt man den Hintergrund sehr schnell in Richtung des schwarzen Rands der Tonwertkurve und hellt gleichzeitig den Löwen auf. Es ist keine Maskierung erforderlich! Der Löwe sticht auf diese Weise sofort hervor und ist nun bereit für weitere lokale Kontrast-Korrekturen.

 

Natürlich empfiehlt es sich, wie bei jeder Bearbeitungstechnik, immer einen richtig kalibrierten Monitor zu verwenden, um die allerbesten Ergebnisse zu erzielen. Bei einem Bild, das überwiegend aus Grautönen zwischen Weiß und Schwarz besteht, sind die Nuancen der Töne entscheidend, damit Sie keine Textur- und Detailinformationen verlieren. Denken Sie daran, dass wir keine Farben haben, die uns ablenken können, daher müssen unsere Komposition und Bildbearbeitung genau auf den Punkt gebracht werden, damit das Bild am Ende wirkt.

 

 

Zusammenfassung

 

Das Entfernen von Farbe aus Ihren Fotos ist eine tolle Möglichkeit, nicht nur mit neuen Bearbeitungstechniken zu experimentieren, sondern Bilder auch mit Dramatik und Wirkung zu versehen, die sich sonst fast schon das „gewisse Etwas“ vermissen lassen. Denken Sie jedoch daran, dass die einfache Konvertierung Ihres Fotos in Schwarz-Weiß und das Hinzufügen einer starken Vignette keine Wunderwaffe ist, um aus einem Foto ein Meisterwerk der „schönen Künste“ zu machen. Ihr Bild MUSS ein starkes Fundament haben, auf dem die Schwarz-Weiß-Konvertierung dann aufbaut.

 


 

Richard Peters

 

 

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