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Datacolor LightColor Meter: Eine präzisere Alternative zum automatischen Weißabgleich bei Mischlichtsituationen
Von Joachim Sauer, einem deutschen Fotografen sowie Radio- und Fernsehtechniker
Dokumentaraufnahmen mit präziser Lichtmessung auf ein neues Qualitätsniveau bringen
Das Datacolor LightColor Meter ist nicht nur am Filmset ein wichtiges Werkzeug, sondern kann auch bei Dokumentarproduktionen den Aufwand in der Postproduktion deutlich reduzieren. Durch die präzise Anpassung der Kamera an die Lichtverhältnisse vor Ort lassen sich Farbtemperatur und Weißabgleich exakt bestimmen. So entsteht bereits bei der Aufnahme eine höhere Qualität des Ausgangsmaterials, während der Aufwand für aufwendige Farbkorrekturen und Color Grading im Nachhinein deutlich sinkt.
Gemischtes Licht, also das Zusammenspiel unterschiedlicher Farbtemperaturen von Tageslicht und künstlichen Lichtquellen, lässt sich an einem kontrollierten Set relativ einfach vermeiden. Schließlich gehören Leuchten mit einstellbarer Farbtemperatur und digitaler Anzeige heute zum Industriestandard. Einen wichtigen Punkt sollte man dabei jedoch nicht übersehen: Die auf dem Display angezeigte Farbtemperatur weicht in der Praxis oft von den tatsächlichen Werten ab.
Tatsache ist: Selbst teure Leuchten renommierter Hersteller können voneinander abweichen, selbst wenn sie aus derselben Produktionscharge stammen. Abweichungen von bis zu 200 Kelvin gegenüber der eingestellten Farbtemperatur sind völlig normal und in der Regel problemlos zu handhaben. Ungünstig wird es jedoch, wenn eine Leuchte beispielsweise 200 Kelvin wärmer und eine andere 200 Kelvin kühler als der angezeigte Wert liegt. Der daraus entstehende Unterschied von insgesamt 400 Kelvin ist deutlich sichtbar. Gleichzeitig lässt er sich nur schwer manuell korrigieren, da sich kaum exakt bestimmen lässt, wie stark jede einzelne Lichtquelle tatsächlich von ihrem angezeigten Wert abweicht.
Je mehr Lichtquellen an einem Set zum Einsatz kommen, desto schwieriger wird es, alles zuverlässig mit bloßem Auge zu beurteilen. Genau hier zeigt ein Messgerät wie das Datacolor LightColor Meter seinen Nutzen. Durch die präzise Messung der Farbtemperatur lassen sich mehrere Lichtquellen aufeinander abstimmen und konsistente Lichtverhältnisse schaffen. Doch warum sollte man überhaupt messen, wenn sich das vorhandene Umgebungslicht gar nicht beeinflussen lässt?
Aufnahmen bei verfügbarem Licht und Herausforderungen beim Weißabgleich
Was ist Available Light?
Wenn man die Lichtverhältnisse an einem Drehort nicht kontrollieren kann, spricht man häufig von Dreharbeiten mit „Available Light“, also dem vorhandenen Umgebungslicht. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Low-Light-Eigenschaften moderner Kameras hat sich diese Arbeitsweise längst etabliert – sowohl bei Nachrichten- und Dokumentationsteams als auch bei Produktionen, die Authentizität und Natürlichkeit höher gewichten als eine aufwendig inszenierte Ausleuchtung.
Während eines Dokumentarfilm-Drehs hatten wir die Aufgabe, die offizielle Eröffnungsfeier zum 1.300-jährigen Jubiläum der Klosterinsel Reichenau im Münster zu dokumentieren. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg und zahlreiche weitere Ehrengäste waren anwesend. Dadurch galten strenge Sicherheitsmaßnahmen, und den Medienteams stand nur ein sehr begrenzter Arbeitsbereich zur Verfügung.
Gleichzeitig stellen Kirchen fast immer besonders anspruchsvolle Mischlichtsituationen dar. Tageslicht fällt durch die Fenster ein, wird jedoch durch farbige Kirchenfenster oft in seiner Farbwirkung verändert. Im Kirchenschiff sorgen verschiedene Deckenleuchten für ein vergleichsweise kühles Kunstlicht, während der Altarraum mit warmweißem Licht ausgeleuchtet wird. Je nach Standort innerhalb des Gebäudes entstehen dadurch ganz unterschiedliche Mischlichtsituationen.
Die Herausforderung in solchen Umgebungen besteht darin, dass jede Kameraposition einer anderen Mischung aus Tageslicht und künstlicher Beleuchtung ausgesetzt sein kann. Daher sind korrekte Weißabgleichseinstellungen an der Kamera entscheidend, um eine konsistente Farbwiedergabe zu erzielen.
Die Grenzen des automatischen Weißabgleichs in Mischlichtsituationen
Die Standardlösung für solche Lichtsituationen ist der automatische Weißabgleich. In komplexen Mischlichtumgebungen mit unterschiedlichen Farbtemperaturen stößt diese Automatik jedoch häufig an ihre Grenzen und liefert insbesondere beim Einsatz mehrerer Kameras keine konsistenten Ergebnisse. Zudem dauert es oft zu lange, bis sich der automatische Weißabgleich nach Beginn der Aufnahme auf die tatsächlich vorherrschende Farbtemperatur eingeregelt hat. Dadurch weisen die ersten Sekunden einer Aufnahme nicht selten einen unerwünschten Farbstich auf, bevor sich die Farbwiedergabe allmählich korrigiert.
Bei Dokumentarproduktionen bleibt dafür allerdings keine Zeit. Jede Aufnahme muss vom ersten Moment an stimmen, denn anders als bei inszenierten Drehs gibt es in der Regel keine Möglichkeit für eine zweite Aufnahme.
Um die verschiedenen Kameraperspektiven von den vorgegebenen Standorten aus korrekt aufzunehmen und sicherzustellen, dass sich das Material später nahtlos zusammenschneiden lässt, ist ein bereits in der Kamera korrekt eingestellter Weißabgleich von unschätzbarem Wert. Präzise Messungen der Farbtemperatur helfen dabei, einen zuverlässigen Weißabgleich-Workflow zu etablieren und eine deutlich konsistentere Farbwiedergabe über die gesamte Mehrkamera-Produktion hinweg zu gewährleisten.
Dadurch werden Unterschiede zwischen einzelnen Aufnahmen auf ein Minimum reduziert und beim Color Grading lässt sich enorm viel Zeit sparen. Die Lösung ist denkbar einfach: Die Lichtverhältnisse vor Ort werden im Vorfeld mit dem LightColor Meter gemessen, idealerweise bevor VIP-Gäste und Publikum eintreffen. In den meisten Fällen lässt sich das problemlos mit dem Sicherheitspersonal beziehungsweise den Verantwortlichen vor Ort abstimmen.
Da die verschiedenen Kamerastandorte nur wenige Meter voneinander entfernt waren, haben wir sämtliche Farbmessungen bereits am Vortag durchgeführt. Dabei wurde jede Position einzeln vermessen. Sowohl am Altar als auch im Chorraum und am Rednerpult ergaben sich aus den beiden Kamerapositionen unterschiedliche Weißabgleichswerte.
Die gemessenen Farbtemperatur- und Weißabgleichswerte haben wir dokumentiert und direkt an den jeweiligen Stativen angebracht. So konnten wir als Kamerateam bei einem Positionswechsel schnell und mit minimalem Aufwand auf die zuvor ermittelten Weißabgleichseinstellungen umschalten.
Praktischer Workflow für den Weißabgleich mit dem Datacolor LightColor Meter
Vor Beginn der Veranstaltung messen
Da die verschiedenen Kamerapositionen nur wenige Meter voneinander entfernt waren, führten wir sämtliche Farbmessungen bereits am Vortag durch. Dabei haben wir jede Position einzeln vermessen. Altar, Chorraum und Rednerpult lieferten von beiden Kamerastandorten aus jeweils unterschiedliche Weißabgleichswerte.
Erstellen einer Weißabgleich-Checkliste
Wir hielten die gemessenen Farbtemperatur- und Weißabgleichswerte schriftlich fest und brachten sie an jedem Stativ an. Dadurch konnten wir bei einem Wechsel der Aufnahmeposition schnell und ohne großen Aufwand auf die jeweils vordefinierten Weißabgleichseinstellungen umschalten.
Ganz analog, aber äußerst präzise und hilfreich. Eine mit dem Datacolor LightColor Meter erstellte Farbtemperatur-Checkliste stellt sicher, dass für jede Kameraperspektive die korrekte Farbtemperatur eingestellt ist. Dadurch lässt sich der Umfang späterer digitaler Farbkorrekturen deutlich reduzieren und der Aufwand in der Postproduktion erheblich verringern.
Der Chorraum mit seiner besonders komplexen Mischung aus Lichtquellen stellt für die Kameras die größte Herausforderung dar, insbesondere weil sich die Lichtfarbe abhängig von der Kameraposition verändert. In dieser Situation ist die vorherige Farbmessung äußerst wertvoll, da der automatische Weißabgleich der Kamera auf abrupte Änderungen der Beleuchtung zu langsam reagiert.
Wenn hochrangige Persönlichkeiten wie der Ministerpräsident oder der Bischof am Rednerpult sprechen, haben Medienvertreter in der Regel nur sehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Da man in solchen Situationen mit dem vorhandenen Licht arbeiten muss, erleichtert es die spätere Nachbearbeitung enorm, die benötigten Weißabgleichswerte und sogar die relevanten Belichtungsdaten bereits im Vorfeld zu kennen.
Messung von Farbtemperatur und Belichtung mit einem einzigen Werkzeug
Mehr als ein traditioneller Belichtungsmesser
Was den LightColor Meter besonders macht, ist die Tatsache, dass er weit mehr als ein herkömmlicher Belichtungsmesser ist. Seine Messkuppel kann zusätzlich Farbwerte analysieren, wodurch er in vielen Situationen die Funktion eines Spektrometers übernehmen kann.
Datacolor hat die gesamte Auswertungslogik und Darstellung der Messdaten in eine dedizierte Mobile-App verlagert. Der Vorteil ist offensichtlich: Nutzer können ihre eigenen, anpassbaren und detaillierten Anzeigelayouts erstellen. So erhalten sie einen strukturierten Überblick über alle relevanten Parameter, einschließlich Farbtemperatur, Belichtungswerten und Beleuchtungscharakteristika, ohne dass Crew-Mitglieder die Messwerte untereinander kommunizieren müssen.
Unterstützung für Licht- und Kamerateams
Da der Messkopf vom App-Display getrennt ist, können Kameraleute und Lichttechniker gemeinsam am Smartphone arbeiten, während sie gleichzeitig die Messwerte beobachten und die Beleuchtung anpassen. So lassen sich Messungen und Lichtkorrekturen direkt vor Ort effizient koordinieren.
Vorteile für Mehrkamera-Produktionen
Eine präzise Messung der Farbtemperatur hilft dabei, mehrere Kameras aufeinander abzustimmen, Farbabweichungen zwischen einzelnen Aufnahmen zu reduzieren, die Qualität des Ausgangsmaterials zu verbessern und den Workflow in der Postproduktion effizienter zu gestalten. Diese Vorteile sind besonders bei Dokumentarfilmproduktionen von Bedeutung, in denen sich die Lichtverhältnisse schnell ändern und Nachdrehs häufig nicht möglich sind.
Indem bereits vor Beginn der Aufnahmen verlässliche Weißabgleichswerte ermittelt werden, können Multikamera-Teams eine konsistentere Farbwiedergabe erreichen und den Arbeitsaufwand in der Farbkorrektur deutlich verringern.
Fazit: Besserer Weißabgleich, weniger Aufwand beim Color Grading
Der Weißabgleich ist gerade bei Mehrkamera-Produktionen ein oft unterschätzter Faktor, insbesondere dann, wenn die Lichtverhältnisse nicht kontrolliert werden können und mit dem vorhandenen Licht gearbeitet werden muss. Wer sich ausschließlich auf den automatischen Weißabgleich verlässt, verursacht häufig unnötigen Mehraufwand in der Postproduktion. Der Grund: Verschiedene Kameras reagieren unterschiedlich auf dieselbe Lichtsituation und passen ihren Weißabgleich während der Aufnahme kontinuierlich an. Dadurch entstehen Farbabweichungen, die das spätere Zusammenschneiden und Angleichen des Materials deutlich erschweren.
Verändernde Weißabgleichswerte innerhalb eines einzelnen Clips können ansonsten wertvolles Material sogar nahezu unbrauchbar machen. Die Korrektur jedes einzelnen Frames über mehrere Sekunden hinweg würde einen enormen Aufwand verursachen. Aus diesem Grund haben wir traditionell einen festen Weißabgleich bevorzugt, selbst wenn dieser nicht hundertprozentig exakt war. Denn ein konstant leicht ungenauer Weißabgleich ist in der Praxis deutlich besser als ein Weißabgleich, der sich während der Aufnahme fortlaufend verändert.
Mit dem Datacolor LightColor Meter verfügen wir heute über das passende Werkzeug, um präzise Farbtemperaturwerte zu ermitteln und direkt in den Kameras einzustellen. Durch die vorherige Messung des vorhandenen Umgebungslichts lassen sich für jede Aufnahmeposition praxisnahe Weißabgleich-Checklisten erstellen. Das reduziert unnötigen Aufwand in der Postproduktion, verbessert die Qualität des Ausgangsmaterials und sorgt bei Mehrkamera-Produktionen für eine deutlich konsistentere Farbwiedergabe.
Idealerweise reichen dafür bereits die benutzerdefinierten Presets der Kamera aus. So können Kameraleute beim Wechsel zwischen verschiedenen Aufnahmepositionen schnell und unkompliziert zwischen den zuvor festgelegten Weißabgleichswerten umschalten.
Über den Autor
Joachim Sauer ist ein deutscher Fotograf und Radio-/Fernsehtechniker mit langjährigem Schwerpunkt im Bereich Videoproduktion. Er ist Inhaber von MEDIENBUREAU und prägt seit Jahrzehnten VIDEOAKTIV.tv, eines der führenden deutschsprachigen Portale für Filmemacherinnen und Filmemacher. Dank seiner umfassenden Praxiserfahrung aus zahlreichen Produktionen testet er regelmäßig neue Technologien und Ausrüstung und teilt seine Erkenntnisse mit der Film- und Videocommunity. Über MEDIENBUREAU bietet er zudem Dienstleistungen in den Bereichen Social Media, Markenauftritt, Webdesign und Videoproduktion an.
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