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Studiofotografie mit „Les Essentiels PHOTO“ – Teil 1 von 2
Film Noir im Studio
Am Anfang jedes Porträts steht das Licht
Gastbeitrag von Fabrizio Dei Tos-Navalesi, professioneller Fotograf und Fototrainer
Von der Idee zum Bild: Die Entstehung eines Film-Noir-Porträts im Studio
Wenn ich ein Studio-Porträt vorbereite, ist die Kamera meist nicht das Erste, wonach ich greife.
Bevor ich über Brennweiten, Kameraeinstellungen oder die Position meiner Studioblitze nachdenke, habe ich das fertige Bild bereits vor Augen.
Für dieses erste Licht-Setup hatte ich die Atmosphäre klassischer amerikanischer Film-Noir-Filme der 1950er- und 1960er-Jahre vor Augen.
Ich wollte starke grafische Kontraste, tiefe Schatten, eine Figur, die aus der Dunkelheit hervortritt, und ein Licht, das die Geschichte fast ganz allein erzählt.
Sobald dieses fertige Bild in meinem Kopf klar ist, wird alles andere deutlich einfacher.
Sobald die Bildidee feststeht, ordnet sich jede weitere Entscheidung diesem Ziel unter.
Die Auswahl der Lichtformer, die Positionierung der Lichtquellen und die Leistungseinstellungen dienen allein dazu, diese Vision zum Leben zu erwecken.
Genau das fasziniert mich an der Studiofotografie.
Anders als bei natürlichem Licht habe ich im Studio die volle kreative Kontrolle. Nichts geschieht zufällig.
In dieser zweiteiligen Serie möchte ich zeigen, wie ich mit demselben Studio, demselben Model und nahezu identischem Equipment zwei völlig unterschiedliche Porträts geschaffen habe.
Jedes Porträt beginnt mit einer Idee
Wann immer ich einen Workshop leite, fällt mir auf, dass viele Fotografen zuerst ihre Lichtquellen aufbauen und sich erst danach fragen, welche Art von Bild sie eigentlich machen möchten.
Ich gehe dabei genau den umgekehrten Weg.
Bevor ich auch nur ein Licht aufstelle, stelle ich mir immer dieselbe Frage:
Welche Geschichte möchte ich mit diesem Porträt erzählen?
Erst danach mache ich mir Gedanken darüber, wie ich diese Bildidee mit Licht zum Leben erwecke.
Für dieses erste Porträt hatte ich eine geheimnisvolle, fast filmreife Stimmung vor Augen.
Der Blick sollte auf wenige gezielt beleuchtete Bereiche gelenkt werden, während Teile des Gesichts langsam in der Dunkelheit verschwinden.
Für mich ist Licht weit mehr als nur ein Mittel, um ein Motiv auszuleuchten.
Es führt das Auge des Betrachters, modelliert die Gesichtszüge und prägt die Stimmung eines Bildes.
Mit anderen Worten: Licht wird zu einer eigenen visuellen Sprache.
Film Noir: Mit so wenig Licht wie möglich eine Geschichte erzählen
Für dieses Porträt habe ich mich bewusst für ein sehr einfaches Licht-Setup entschieden.
Das Grundprinzip dahinter ist denkbar einfach.
Ich verwende nur wenige Lichtquellen, aber jede hat eine klar definierte Funktion.
Das Führungslicht modelliert das Gesicht, während zwei Streiflichter eine feine Kontur um das Model zeichnen und so für eine saubere Trennung vom Hintergrund sorgen.
Alles Übrige verschwindet ganz bewusst im Schatten.
Nikon Z7 II
Nikkor Z24-120 f4
1/125 – f4 – ISO 400
67 mm
Was ich an diesem Lichtstil besonders schätze, ist, dass die Schatten genauso wichtig werden wie die beleuchteten Bereiche. Sie verstecken das Motiv nicht, sondern verleihen ihm Tiefe und Charakter. Sie tragen entscheidend zur Geschichte des Bildes bei.
Um nachvollziehen zu können, wie dieses Porträt entstanden ist, schauen wir uns das Licht-Setup einmal genauer an.
In diesem ersten Setup erfüllt jede Lichtquelle eine klar definierte Aufgabe.
Das Hauptlicht modelliert das Gesicht, während die Streiflichter die Konturen des Models betonen, ohne den Hintergrund unnötig aufzuhellen.
An diesem Punkt gehen viele Fotografen davon aus, dass das Porträt vor einem schwarzen Hintergrund aufgenommen wurde. Das war nicht der Fall. Tatsächlich steht das Model vor einem ganz gewöhnlichen weißen Papierhintergrund. Das ist meist eine der größten Überraschungen in meinen Workshops. Denn ich möchte zeigen, dass der nahezu schwarze Hintergrund nicht durch die Verwendung von schwarzem Papier entsteht. Sie entsteht ausschließlich durch die Lichtsetzung.
„Das vielseitigste Werkzeug, das du im Studio haben kannst, ist ein weißer Hintergrund. Mit einem weißen Hintergrund kannst du nahezu jeden Look erschaffen, den du dir vorstellst.“
Dieser Gedanke überrascht viele Fotografen.
Denn nicht die Farbe des Hintergrunds bestimmt, wie er im Bild wirkt. Entscheidend ist, wie du ihn beleuchtest.
Nikon Z7 II
Nikkor Z24 – 120 f4
1/125 – f4 – ISO 400
24 mm
Hinter diesem dramatischen, dunkel wirkenden Porträt verbirgt sich nichts weiter als ein gewöhnlicher weißer Papierhintergrund. Durch sorgfältige Lichtsteuerung und die Vermeidung unerwünschter Streulichter wirkt er auf dem endgültigen Bild fast vollständig schwarz.
Licht messen heißt Licht kontrollieren
Genau hier zeigt sich, wie wertvoll die Lichtmessung ist. Once I know precisely how much light each individual source contributes, I can recreate the same atmosphere anytime even weeks later. That’s where the Datacolor LightColor Meter has become an important part of my workflow. Anstatt mich auf Schätzungen zu verlassen, kann ich jede Lichtquelle einzeln messen, die Lichtverhältnisse präzise aufeinander abstimmen und das gleiche Licht-Setup jederzeit zuverlässig reproduzieren.
Das Ergebnis ist nicht nur eine höhere technische Konsistenz.
Es gibt mir auch mehr Freiheit, mich auf das zu konzentrieren, worauf es wirklich ankommt: die Arbeit mit meinem Model.
Teil 2: Ein völlig anderer Look mit demselben Setup
Im zweiten Teil dieser Serie zeige ich dir, warum ein überzeugendes Porträt nicht dadurch entsteht, dass du mehr Lichtquellen einsetzt.
Mit demselben Model, derselben Kamera und demselben Studio werden wir ein völlig anderes Licht-Setup entwickeln, um eine vollkommen neue Stimmung zu erzeugen.
Denn Licht dient nicht einfach nur dazu, ein Motiv zu beleuchten. Sie erzählt die Geschichte des Bildes
Über Fabrizio Dei Tos-Navalesi
Fabrizio Dei Tos-Navalesi ist professioneller Fotograf, Fotodozent und Experte für digitale Bildtechnologien. Seine berufliche Laufbahn verbindet Fotografie, visuelles Storytelling und moderne Imaging-Technologien.
Neben seiner Tätigkeit als Fotograf hat er sein Wissen viele Jahre lang als Dozent weitergegeben, unter anderem an der renommierten GOBELINS Paris, wo er Fotografie und digitale Bildbearbeitung unterrichtete.
Als Produktleiter bei DxO spielte er eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung innovativer Softwarelösungen für Fotografen. Heute gibt er sein Fachwissen über seinen YouTube-Kanal „Les Essentiels PHOTO“ weiter, auf dem er Fotografen dabei unterstützt, jeden Aspekt ihres Handwerks zu verbessern – von der Aufnahme bis zur digitalen Nachbearbeitung.
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